In der Dieburger Zuckerstraße fahren Lieferwagen immer wieder die Markisen ab

Abgefahren: Immer wieder kracht's 

+
Monika Bauer von Pieplow Mode musste schon oft die Handwerker kommen lassen, weil LKW die Markise abgefahren hatten.

Dieburg – Kurioses Phänomen mit Tradition: In der Zuckerstraße in Dieburg haben Sonnen-Markisen kein langes Leben. Last- und Lieferwagen fahren die Schattenspender immer wieder ab. Was die einen nur belächeln, ist für andere ein teurer Spaß. Von Mareike Palmy

Das Schaufenster von Pieplow Mode ist gut vor Sonneneinstrahlung geschützt. Normalerweise. Denn allein in diesem Jahr ist die Markise bereits zum zweiten Mal angefahren worden. „Ich höre bald auf zu zählen“, sagt Monika Bauer, Mitarbeiterin des Geschäfts in der Zuckerstraße 16. Die rund zehn Meter lange Markise vor dem Laden wurde schon mindestens sieben Mal von einem Lieferwagen angefahren oder gleich komplett umgenietet. Erst Anfang Juni hat es wieder ordentlich gekracht. „Die ist immer noch schief vom letzten Mal. Es ist wirklich phänomenal. Egal ob Post, UPS, Hermes oder größere Lkw, alle fahren in regelmäßigen Abständen gegen die Markise. Gerade erst repariert, schon hängt wieder ein Lkw dran“, so Bauer.

Totalschaden für die Modehaus-Markise

Der Grund für die ungewöhnlichen Unfälle: Die Lastwagen weichen den parkenden Kollegen aus, dazu sind die Fahrer unter Zeitdruck. Die Straße ist eng und sie müssen auf Fußgänger achten, da streift mancher auf der 270 Meter langen Straße öfter die Modehaus-Markise.

Doch mit dem Problem steht das Geschäft nicht alleine da. Auch die Sonnenblenden der anderen Geschäftsleute aus der Einkaufsmeile, wurden bereits mehrfach von Last- und Lieferwagen gestreift: „Wir hatten unsere neue Markise gerade mal zwei Wochen, dann ist schon einer dran gefahren“, berichtet Patrick Mohr von Sugar Six. „Es war nicht dramatisch, repariert werden musste sie aber trotzdem“, so der Geschäftsinhaber. Für Rosa Costa vom Modegeschäft Minx aus der Zuckerstraße ein altbekannter Hut: „Das passiert ganz oft. Mindestens schon fünf Mal bei uns. Wir lassen sie auch immer wieder reparieren“, erzählt sie.

Auch bei Katharina Graf vom Modehaus Graf wurde in den vergangenen Jahren die Sonnenblende schon an-, ab- oder umgefahren. Ebenso bei Ingrid Weicker vom Obst- und Gemüseladen: „Das ist wirklich kurios. Aber das ist nicht nur in Dieburg so. Auch in unserem Laden in der Groß-Zimmerner Kirchstraße nieten die Fahrer alles um. Ob Werbeschilder, Sonnenschirme oder die Eingangstreppe. Erst am Mittwoch hat einer wieder die Stein-Stufen vor dem Geschäft übersehen“, so die Obstladen-Besitzerin.

Kollision mit Schattenspendern geht ins Geld

Bis zehn Uhr morgens dürfen die Paketzusteller ihre Waren in die 6,50 Meter breite Flaniermeile anliefern. Danach herrscht Durchfahrverbot. Im Eiscafé Venezia ist man deshalb mittlerweile vorsichtig: „Wir fahren die Markise erst nach der Lieferzeit aus. Unsere Sonnenschirme wurden aber schon öfter angekratzt“, sagt Inhaber Franceso Zanin. Auch Döndü Eligül vom Modehaus Mona Lisa musste schon oft die Handwerker kommen lassen. „Unsere Markise war in den letzten Jahren so oft kaputt, da haben wir sie abgemacht“, so Döndü.

Während die Schattenspender nach manchen Kollisionen auch noch zu richten sind, verursachen andere Unfälle regelrechte Totalschaden. Die Geschäftsleute aus der Zuckerstraße könnten darüber lachen, wenn nicht jede neue Beschädigung mit Kosten und Aufwand verbunden wäre. „Auf die Dauer ist es ärgerlich. Vor allem, da manche Fahrer einfach weiter düsen. Da muss ich dann schnell hinterher oder schreibe das Nummernschild auf. Selbst die Markisen-Fachmänner lachen schon, weil sie dauernd zur Reparatur kommen müssen“, sagt Pieplow-Mitarbeiterin Bauer.

Kommentare