55.000 Klicks: Feuerwehr-Spot begeistert Netz-Gemeinde

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Kelkheim – Seit Jahren kämpfen Freiwillige Feuerwehren gegen den Mitgliederschwund. Auch in Kelkheim. Deshalb haben die Kelkheimer Wehren einen professionellen Werbefilm gedreht und ins Internet gesetzt, den allein in den ersten zwei Tagen mehr als 40.000 Menschen gesehen haben. Von Julia Renner

Stefan Kunisch

Vom Erfolg waren die Macher selbst überrascht. „Damit haben wir nicht gerechnet“, sagt Stefan Kunisch. Der 36-Jährige ist stellvertretender Wehrführer in Kelkheim-Münster und einer der Initiatoren der Werbeaktion. Zusammen mit vier anderen Feuerwehrkameraden hat Kunisch nicht nur den Kurzfilm auf die Beine gestellt, sondern auch eine Facebook- und eine Internet-Seite unter dem Motto „Sei dabei“ eingerichtet.

Es hat damit angefangen, dass wir mal einen Film über die Feuerwehr drehen wollten“, sagt Kunisch. Darin sollte auch die Problematik der schwindenden Mitgliederzahlen dargestellt werden. Zwei Feuerwehrleute aus Kelkheim haben schon in der Filmbranche gearbeitet, sagt Kunisch, die haben das Drehbuch und ein Storyboard geschrieben. Kameraführung und Schnitt hat ein Freund von Kunisch übernommen, der eine kleine Produktionsfirma hat. So war es überhaupt erst möglich, einen solchen Film für kleines Geld zu drehen. „Wir haben Angebote eingeholt und die lagen zwischen 40.000 und 60.000 Euro.“ Geld, das die Wehr nie hätte aufbringen können.

Dank guter Kontakte hat der zwei Minuten und 25 Sekunden lange Spot nur rund 2400 Euro gekostet. Die Stadt Kelkheim hat zudem die Kosten für eine Veröffentlichung im örtlichen Kino übernommen, dort wird der Werbefilm jetzt in gekürzter Fassung vor den Hauptfilmen gezeigt.

Vier Tage lang wurde insgesamt gedreht, der letzte Drehtag war erst Mitte Januar. An diesem Tag waren etwa 120 Feuerwehrleute aus allen sechs Kelkheimer Wehren dabei – ob als Darsteller vor oder als Helfer hinter der Kamera.

Ehrenamt oft schwer mit Privatleben vereinbar

Am Freitag, 9. März, wurde der Film schließlich auch bei YouTube eingestellt. In den ersten beiden Tagen wurde der Film bereits mehr als 40.000 mal angeklickt, schon jetzt sind es mehr als 55.000 Klicks.

Doch das Video ist nur der Höhepunkt einer Werbeaktion, sagt Stefan Kunisch. Es gibt eine Facebook-Seite und das Portal www.sei-dabei.info. Dort wird auch auf die Problematik hingewiesen, dass eine „24-stündige Einsatzbereitschaft oftmals nur schwer mit dem Privatleben zu vereinbaren“ ist. Die Seite soll nicht nur Feuerwehren in ganz Deutschland ansprechen, sondern auch Menschen, die sich vorstellen können, der Freiwilligen Feuerwehr ihres Heimatortes beizutreten. „56 Feuerwehren aus ganz Deutschland haben schon Interesse gezeigt“, sagt Kunisch. Und vier Feuerwehr-Anfänger, die sich über die Seite meldeten, wurden bereits an die Wehren in ihrer Heimatstadt vermittelt. Für Kunisch ein Zeichen, dass „wir wirklich einen Nerv getroffen haben“.

Auch Joachim Dreier, Kreisbrandinspektor im Main-Taunus-Kreis, ist begeistert von dem Film. Dass die Wehren im Kreis deshalb aber jetzt einen Mitgliedersprung machen glaubt er nicht. „Dafür ist der Personalmarkt zu sehr abgegrast“, sagt der oberste Feuerwehrmann. Trotzdem sei der Werbefilm ein guter Baustein auf dem Weg zu mehr freiwilligen Brandschützern. „Die Kelkheimer haben da etwas Tolles auf die Beine gestellt.“

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