Kein Rückgang der legalen Registrierungen

21.000 Waffen registriert: Wie schießwütig ist Frankfurt?

+
21.000 Waffen sind in Frankfurt registriert.

Region Rhein-Main – Schießereien machen Schlagzeilen – aber auch, dass die Zahl registrierter Waffen zurückgeht. Das liegt aber an einer Gesetzesänderung. Von Angelika Pöppel 

In den vergangenen drei Wochen wurden allein in Frankfurt zwei Menschen lebensbedrohlich verletzt. Eines haben alle Taten gemeinsam: Die Täter richteten eine Waffe auf ihre Opfer. Vor zwei Wochen sorgte die Hinrichtung mit mehrern Kopfschüssen in einem Frankfurter Park für Schlagzeilen, und am vergangenen Wochenende ist ein 23-Jähriger vor einer Bar am Bahnhof mehrfach ins Bein getroffen und schwer verletzt worden.

Straftaten werden meist mit illegalen Waffen begangen

Hier geht`s zum Kommentar:

 "Keine Waffe per Mausklick!"

Bei den Bluttaten handelte es sich immer um illegale, nicht registrierte Waffen. „Im Normalfall werden bei solchen Straftaten generell illegale Waffen benutzt“, sagt  André Sturmeit, Pressesprecher der Frankfurt Polizei. Wie hoch die Dunkelziffer illegaler Waffen ist, dazu können Polizei und Ordnungsamt keine belegbare Aussage treffen. Eingeführt wurden viele noch zur Zeit des ehemaligen Jugoslawien. „Aus dem heutigen Mazedonien, Kroatien und Serbien sind Einwanderer einfach mit Schusswaffen eingereist ohne sie anzumelden. Die Waffen stammen noch aus Militärbeständen“, erklärt Sturmeit. Aber auch heute gelangen noch Waffen illegal über die Grenzen.

Doch auch legal registrierte Schusswaffen sind nicht weniger gefährlich.

Jeder 31. Frankfurter besitzt eine Waffe

Lesen Sie auch:

Schießerei im Bahnhofsviertel

Hinrichtung durch Kopfschüsse in Frankfurter Park

Schießerei auf offener Straße: Sozialarbeiter verletzt

In Frankfurt sind 21.000 Schusswaffen registriert. Das bedeutet: Jeder 31. Frankfurter besitzt eine Waffe. Zum Vergleich: In Berlin hat von rund 3,5 Millionen Einwohnern nur jeder 76. eine Waffe. Laut Statistik sind die Zahlen des Waffenbesitzes im Vergleich zum vergangenen Jahr gesunken. Doch: „Die Gesetzesänderung, dass Waffen die vererbt werden, nicht einfach behalten werden dürfen, war dabei ausschlaggebend“, sagt Oliver Eifert vom Offenbacher Ordnungsamt. Und: „Es werden nicht weniger angemeldet, als im Vorjahr“, unterstreicht Eifert. In Offenbach sind derzeit 4101 Waffen registriert. Auf 1000 Einwohner kommen also 39 Waffen. Im Kreis sind es 4619 – also kommen 55 Waffen auf 1000 Einwohner.

Internet-Verkauf ist "unverantwortlich"

Auch Waffenhändler aus der Region bestätigen: „Der Verkauf von Waffen ist nicht zurückgegangen.“ Das Geschäft habe sich lediglich ins Internet verlagert, sagt ein Händler, der anonym bleiben will. Andreas Engels, der Waffen im Bahnhofsviertel an den Mann bringt, sieht das anders: „Die Krise hat auch unsere Branche getroffen.“ Immer weniger Schützen können sich noch eine Waffe leisten. Das Internet-Geschäft hält der Inhaber für unverantwortlich. „Wenn ich im Internet eine Schusswaffe bestelle und der Postbote gibt das Paket beim Nachbarn ab, der keine Genehmigung hat – dann habe ich mich bereits strafbar gemacht.“ Außerdem sei der Betrug zu einfach. Viele Nachweise, wie für das Alter seien leicht zu fälschen. Dazu kommt: „Die Beratung fällt komplett weg. Dabei sind die Gesetzte heute noch komplizierter und umfangreicher. Nicht einmal Beamte kennen jede Vorschrift“, sagt Engels.

Kommentare