Bis zu 1000 Arbeitsstunden für ein filigranes Puppenhaus

"Das ist wie eine Therapie", erzählt der 59-Jährige. Jeden Morgen um sechs beginnt sein Tag in der zwei Meter vom Haus entfernten Werkstatt. Filigran sägt der Rentner einzelne Parkettstücke in winzige ein Zentimeter mal acht Millimeter kleine Teile.

Mit einer Pinzette legt der Bastler aus ihnen den Holzboden im Fischgrätenmuster. Aus alten Musterbüchern schneidet er Tapetenstücke, mit denen er die Innenwände verkleidet. Ein Miniaturfachwerk im Maßstab 1:12 entsteht aus Styropor und Holz. Bis in die Abendstunden tüftelt der Bastler an seinen Werken. Bis zu 1000 Arbeitsstunden stecken in einem Puppenhaus.

"In jedem Haus steckt eine Seele", schwärmt er. "Deswegen kann ich keins verkaufen." Interessenten gibt es zahlreich. Auf der letzten Ausstellung haben die Besucher Schlange gestanden, um ganz nah an die Häuser heranzukommen. Denn: Alle Details lassen sich nur aus unmittelbarer Nähe erkennen. "Eine 95-jährige Nonne war den Tränen nahe, als sie eines meiner Häuser sah", erinnert sich Gärtner. "Das ist es, was mich zusätzlich belohnt."

Seine Ideen entstehen allein im Kopf. Es gibt keine Skizzen, keine Baupläne. Sein erstes Haus hat er 2002 für seine Enkelin gebaut. Doch anfangs ist die clevere Sechsjährige nicht zufrieden gewesen: "Müssen die von einem zum anderen Raum fliegen, Opa?" Mit viel Mühe hat der Großvater Treppen eingebaut.

Inspiration für seine Projekte liefern Filme, alte Häuser oder auch die Plastikfeuerwehrautos im Discounter. "Als ich die sah, wusste ich sofort, was ich machen will." Zu Hause hat er daraufhin eine Straße, eine Feuerwehrwache und einen in Flammen stehenden Dachstuhl nachgebildet. Kleine Wattebäusche simulieren Qualm. In allen seinen Miniaturbauten gibt es auch Licht. Die Elektrik versteckt der findige Rentner im Sockel. Damit erreicht ein Haus eine Höhe von einem Meter dreißig oder achtzig.

Momentan werkelt Gärtner an einem dreistöckigen Herrenhaus. "Manchmal träume ich nachts davon, wie ich es einrichten könnte", gesteht er. Lange Jahre ist er dem stressigen Arbeitsalltag am Frankfurter Flughafen ausgesetzt gewesen. Sein zeitintensives Hobby bringt ihm erstmals Ruhe und Ausgeglichenheit. "Ich bin kreativ und kann meine nicht gelebten Träume ausleben." Leidenschaftlich gern steht der Bastler in der Küche. Früher wollte er einmal Koch werden. Da das nicht geklappt hat, wird sein nächstes Werk eine 100 Jahre alte Gaststätte mit Küche und Marmortresen sein. Mit Liebe und Konzentration wird er sich auch diesem Werk widmen - für sich und sein Herz.

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