Im Interview: Janina Picard über ihre Rolle als rappende Julia und Kellnerin

Weniger nackte Haut, dafür mehr Stimme

+
Janina Picard als leidende Julia auf der SWR-Bühne.

Obertshausen – Mit der Finalteilnahme beim Nachwuchskomponistenwettbewerb „Dein Song“ machte Janina Picard vor drei Jahren auf sich aufmerksam. Ab Montag, 1. Oktober, ist die 17-Jährige aus Obertshausen wieder auf KiKa zu sehen: In der 20-teiligen Daily-Doku „Romeo feat. Julia“. Von Norman Körtge

In den nächsten Wochen wird die Doku montags bis freitags um 15 Uhr zu sehen sein, in der Picard die Hauptrolle der Julia hat. Das Rap-Projekt mündet in einen Auftritt mit dem SWR-Sinfonie-Orchester vor mehr als 1000 Zuschauern in Freiburg (hier nachlesen: "Janina rappt sich zur Julia"). Im Interview erzählt die 13. -Klässlerin vom Heusenstammer Adolf-Reichwein-Gymnasium über das Projekt und ihre Zukunftspläne.

Schaust du dir eigentlich die verschiedenen Castingformate im Fernsehen an?

Ne, schaue ich gar nicht. Interessiert mich auch nicht, weil es für mich Zeitverschwendung ist. Da ist einfach zu viel von allem: Zu viel nackte Haut, zu viel Oberflächlichkeit. Ich würde mich da nie bewerben.

Die Ausnahme ist „Dein Song“ auf KiKa?

,Dein Song’ sehe ich gar nicht in dieser Sparte. Da will zwar auch jeder gewinnen. Aber es geht eben nicht darum, jemanden zu verheizen oder mit jemandem Geld zu verdienen. Kindern und Jugendlichen soll der Spaß an der Musik vermittelt werden.

Drei Jahre sind seit „Dein Song“ vergangen: Was hat es dir rückblickend gebracht?

,Dein Song’ hat mir total viel gebracht. Ich war 14 Jahre alt. Ich hatte damals Klavierunterricht, habe klassische Stücke geübt, gesungen habe ich auch, aber meine Begeisterung war am Abflauen. ,Dein Song’ hat meine Motivation aber dann krass angekurbelt. Da wusste ich: Musik ist genau das, was ich machen will. Es hat mich motiviert, mehr Songs zu schreiben. Ich wusste, ich kann das. Wenn ich schlecht gewesen wäre, dann wäre ich ja gar nicht so weit gekommen.

Kannst du dich eigentlich noch an deinen ersten Bühnenauftritt erinnern?

Das muss mit dem Kinderchor gewesen sein. Da war ich so drei Jahre alt. Mein erster großer Bühnenauftritt, an den ich mich wirklich erinnern kann, war bei Michael Schanze. ,Kinderquatsch mit Michael’ hieß die Sendung. Ich war fünf Jahre und hatte keine Schneidezähne im Mund. Auf Englisch habe ich ,He’s got the whole world’ gelispelt.

Wie muss man sich die Arbeit an deiner Gesangskarriere vorstellen?

Ich habe zwar einen Nebenjob als Kellnerin angenommen, aber in meiner Freizeit beschäftige ich mich fast nur noch mit Musik. Montagabends habe ich Klavierunterricht und zweimal in der Woche bin ich bei Leon Taylor (Viertelfinalist in der Castingshow ,Unser Star für Oslo’, Anmerkung der Redaktion), der mir Gesangsunterricht gibt, aber auch Songwriting unterrichtet und mit mir Stagecoaching macht. Er bringt mir eigentlich so alles bei, was ich brauche, um meinen Traum verwirklichen zu können. Wir sind ein super Team.

Bodenständig bist du geblieben. Ein Job als Kellnerin?

Ich brauche ja auch ein bisschen Geld so nebenbei. Können ja nicht immer Mama und Papa zahlen. Ich mag außerdem nicht, dann immer rumzuschnorren. Deshalb kellnere ich im Chez-Ima-Restaurant im Levis-25-Hours-Hotel in Frankfurt.

Am Montag startet auf KiKa die Daily-Doku „Romeo feat. Julia“. Du hast dich davor als Popsängerin hervorgetan. Jetzt rappst du. War das nicht schwer?

Es war eine riesige Herausforderung. Ich wurde gecastet als Mädel, das Musikalität mitbringt. Sie wussten, ich kann singen, aber sie wussten auch, ich kann nicht rappen. Ich glaube, sie haben mich auch ein bisschen als Experiment genommen. Am ersten Workshop-Abend, an dem wir einen Rap einüben sollten, saß ich vor dem Text und wusste überhaupt nicht, was ich damit anfangen soll. Sie hätten mir alle möglichen Partituren von Mozart hinlegen können. Da hätte ich mit den Noten was anfangen können. Aber da standen einfach Wörter und ich wusste nicht, wie man das rappt. Ich war ein bisschen verzweifelt. So ein geiles Projekt und ich kann es einfach nicht. Ich habe die ganze Nacht dann mit Calvin, dem Romeo-Darsteller, geprobt. Am nächsten Morgen hatte es sich dann langsam eingegroovt.

Eigentlich weißt du ja, was in der Doku zu sehen sein wird. Bist du trotzdem aufgeregt?

Ja, und wie. Die haben total viel gedreht und viele Interviews geführt. Auch in der WG, in der wir gelebt haben. Wir haben uns ja auch mal gezofft. Keine Ahnung, was die drin gelassen haben und was nicht. Ich bin wahnsinnig gespannt und aufgeregt.

Was steht bei dir als nächstes an Projekten an?

Ich mache was für die ,Sendung mit dem Maus’. Ich werde zu drei Sängern oder Bands aus verschiedenen Genres reisen und mit ihnen den neuen Maus-Song aufnehmen. Ich bin der rote Faden. Vielleicht singe ich auch einen Part, aber hauptsächlich bin ich die Moderatorin.

Schon Pläne für die Zeit nach dem Abi?

Ich habe mich bei ganz vielen Schauspielschulen in Deutschland beworben: Berlin, Hamburg, München, Potsdam. Demnächst habe ich die ersten Vorsprechen. Darauf bereite ich mich gerade ganz fleißig vor.

Du siehst deine Zukunft auf jeden Fall auf der Bühne?

Auf jeden Fall. Da steht kein Fragezeichen dahinter, sondern eher drei Ausrufezeichen.

Kommentare