Warum das Urteil gerecht ist, aber nicht fair

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Nadja Benaissa und ihr Anwalt Oliver Wallasch.

Dreieich – Der in Dreieich und Langen aufgewachsene Popstar Nadja Benaissa ist am Donnerstag zu zwei Jahren auf Bewährung und 300 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt worden. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die No-Angels-Sängerin bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr einen ihrer Sexpartner angesteckt hat. Dieser wusste nichts von ihrer HIV-Infizierung, und sie hat es ihm auch verschwiegen. VonAxel Grysczyk

Benaissa hat ihre gerechte Strafe bekommen, weil in der Verhandlung klar wurde, dass sie sehr wohl verantwortungsvoll mit ihrer Krankheit umgegangen ist. Mehrere Zeugen haben ausgesagt, dass sie ihnen im Vorfeld gesagt hat, dass sie mit dem Aids-Virus infiziert sei. Doch dann hätten sich die Dinge überschlagen. Sie sei Popstar geworden und habe Angst gehabt, dass wenn sie mit der Wahrheit rausrückt, alles zusammenbricht.

Rücksichtsvoller Umgang mit der Krankheit

Dazu kommt ihr Geständnis, ihre schwere Jugend mit Drogen-Sucht und der Geburt der Tochter als sie 17 Jahre alt war. Alles zusammen fließt in das Urteil ein: Nicht hinterhältig, ohne Vorsatz, mehr im Affekt und letztlich auch wegen des öffentlichen Drucks. Die Bewährungsstrafe ist eine gerechte Strafe.

Fair ist sie nicht. Weil‘s in Deutschland wie so oft nur um die Täter geht. Was wird aus dem Leben des Mannes, der sich infiziert hat? Welche Einschränkungen erlebt er jetzt, welche Ängste muss er bis zu seinem Lebensende durchstehen? Doch das Opfer spielt – wie so oft in Deutschland – nur eine untergeordnete Rolle. Vielmehr noch: Benaissa wird selbst als Opfer dargestellt – ihre Sucht, die Belastung als junge Mutter, der Popstar-Rummel. Das ist nicht fair. Ihr Sex-Partner hätte sich selbst mit einem Kondom schützen können, das steht außer Frage. Aber sein Leben würde nun mal anders verlaufen, wenn er nicht mit Benaissa ins Bett gegangen wäre. Dieses Schicksal wird für immer sein Leben bestimmen.

Wer fragt nach dem Opfer?

Rache oder Genugtuung sorgen nicht für Gerechtigkeit. Aber trotzdem: 300 Stunden gemeinnützige Arbeit als Strafe, wenn man einem so ins Leben gepfuscht hat, sind nicht fair.

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