Interview

Verona Pooth: „Ich wollte einen Mann und keinen zweiten Papi“

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Verona Pooth wollte nie ein Weibchen von irgendjemand sein, sondern immer ihr eigenes Geld verdienen. Da ist sie genauso wie ihre Mutter. 

Früher haftete an Verona Pooth das Dummchen-Image. Diese Zeiten sind lange vorbei. Wie sie es schaffte, die Marke Verona 30 Jahre erfolgreich zu etablieren, erzählt sie im Interview.

Für Verona Pooth gibt es keinen Plan B. Das weiß sie schon als 15-Jährige. Damals trägt sie noch ihren Mädchennamen Feldbusch und entscheidet sich bewusst gegen einen Plan B, in diesem Fall: den Schulabschluss. Heute als Mutter akzeptiert die 51-Jährige dies aber nicht: „Von meinen Söhnen erwarte ich, dass sie studieren. Aber sie wachsen auch unter ganz anderen Umständen auf als ich. Das Zimmer meines Sohnes San Diego ist größer als meine erste Wohnung“, erzählt Verona Pooth beim Interview in einem Düsseldorfer Luxushotel.

Ihre Eltern lassen sich scheiden, da ist sie zehn Jahre alt. Sie lebt in Hamburg zusammen mit ihrer bolivianischen Mutter, die einen Friseur- und Kosmetiksalon betreibt. Die finanziellen Verhältnisse der Familie sind bescheiden. „Mein Ziel war es, viel Geld zu verdienen, Karriere zu machen und so unabhängig zu sein. Ein Plan B hätte mich gebremst“, sagt sie. „Also habe ich die Schule abgebrochen, sonst hätte ich vielleicht doch einen soliden Job ergriffen. Wenn man aber alles auf eine Karte setzt, muss man den Bungee-Sprung einfach machen. Da gibt es kein Zurück mehr.“

Verona Pooth: Die mit dem „Blubb“

Verona Pooth trägt Leggins und ein Sweatshirt, auf dem Kate Moss mit aufgemaltem Schnurrbart gedruckt ist. Sie sieht in Realität natürlicher und hübscher aus als im Fernsehen oder in den Klatschzeitschriften. Lustig ist sie, ein wenig aufgedreht auch, wie früher in ihren bekannten Werbespots. Der mit dem „Blubb“-Spinat. Oder mit dem zum Kult gewordenen Slogan für eine Telefonauskunft „Da werden Sie geholfen“.

Als Moderatorin von TV-Sendungen wie der erotisch-lustigen RTL2-Show „Peep“ oder „Veronas Welt“, aber vor allem mit ihrem Werbeverträgen, hat sie Millionen verdient. Beide Sprüche, also den mit dem „Blubb“ und den Satz „Da werden Sie geholfen“, haben sich übrigens keine Werbetexter überlegt. Es waren ihre eigenen Ideen.

Neben Verona Pooth sitzt ihre Assistentin Chantal, die sie liebevoll „Chanel“ nennt. Sie kommen gerade aus Pooths Büro im Düsseldorfer Stadtteil Meerbusch. Dort, wo sie auch mit ihrem Mann Franjo und den gemeinsamen Söhnen* San Diego (15) und Rocco Ernesto (8) lebt. Während des Gesprächs holt Pooth plötzlich die frisch gedruckten Flyer für ihre anstehende Lesetour aus ihrer Tasche und verteilt sie auf dem Sofa. Fasziniert schaut sie die Zettelchen an. Im Frühjahr ist Pooths Autobiografie „Nimm dir alles, gib viel – Das Verona-Prinzip“ erschienen, ein Spiegel-Bestseller. Abgeben sei ihr sehr wichtig, sagt sie. In Bolivien, wo sie geboren wurde, hat sie das SOS-Kinderdorf „Veronas Casita“ (Veronas Häuschen) in El Alto mit aufgebaut, Spenden gesammelt und mitfinanziert „112 Waisenkinder leben dort, das war mir eine Herzensangelegenheit.“

Oliver Pocher als Gaststar

Dann schaut sie wieder aufs Sofa. „Wenn ich die Flyer so sehe, klopft mein Herz wirklich sehr stark. Und es gibt nicht so vieles, was mich in Aufregung versetzt. Ich bin gewohnt Menschen zu unterhalten und liebe das auch. Aber eine Lesetour ist schon etwas anderes. Das ist mein Tagebuch, das ich veröffentlicht habe.“

Klar, sie wird vorlesen. Aber eben nicht nur. Zur Premiere in Bingen kommt als Gaststar Oliver Pocher, mit dem sie befreundet ist. „Wir haben so eine gewisse Power miteinander. Keiner gönnt dem anderen die Butter auf dem Brot“, sagt sie und lacht. „Und ich werde auf der Bühne die Geschichten zwischen den Zeilen erzählen.“

So wird sie vielleicht auch erzählen, dass sie nicht ganz blauäugig die Schule abbrach. Denn dank ihres hübschen Gesichts, ihrer schrägen Art, ihrer Modelmaße von 1,78 Meter und „damals mit von Natur aus sehr schlanken 50 Kilogramm“ wird sie als 15-Jährige mehrmals täglich in Hamburg angesprochen und gefragt: „Kannst du singen?“ – „Kannst du modeln?“ – „Kannst du tanzen?“ – Pooth sagt: „Ich sammelte Visitenkarten wie andere Seesternchen am Strand.“ Da habe sie gemerkt, dass sie in den Medien bestimmt was erreichen könne.

Verona Pooth sieht sich als emotionalen Menschen

Das klingt ein bisschen nach Disney-Romantik, aber Verona Pooth betont: Alle Geschichten seien zu 100 Prozent echt. Das Buch sei schließlich auch für ihre Söhne so etwas wie ein Stück Zeitgeschichte, ein Blick in das Leben ihrer Mutter. „Ich erzähle, wie ich mein erstes Geld als Model und Sängerin verdient habe, wie ich mich in Dieter Bohlen und später in Franjo verliebt habe, aber auch wie ich mich um ihre kranke Omi gekümmert habe oder mich mit der Boulevard-Presse rumgeschlagen habe.“ Sie wisse nicht, was emotional auf der Bühne passieren wird, „wie das sein wird, mein Leben mit meinem Publikum zu teilen“. Das sei ein bisschen wie bei einem Therapeuten auf der Couch. „Ich bin ein sehr emotionaler Mensch. Je länger man darüber spricht, je intensiver geht man in diese Zeit zurück, desto mehr kommen die Gefühle von früher hoch.“

Ein sehr trauriger Moment ihres Lebens sei gewesen, als sie bei ihrer Hochzeit mit Franjo ohne ihre geliebten Eltern vor den Traualtar musste. Ihr Vater war zuvor mit erst 75 Jahren gestorben. Pooths mittlerweile verstorbene Mutter war damals schwer an Demenz erkrankt. „Die Boulevard-Presse schrieb, ich habe sie nicht eingeladen, weil sie nicht salonfähig sei. Das hat mich sehr verletzt. Sie war nicht da, weil sie so krank war.“ Aber sie wollte ihre Mutter schützen. Deswegen habe sie ihre Krankheit nicht öffentlich gemacht, wehrte sich nicht gegen die Schlagzeilen.

Verona Pooth wollte nie berühmt werden

Einige Journalisten der Klatsch-Heftchen nutzen die Krankheit der Mutter, ihrer „Mamita“, schamlos aus. In ihrem Buch beschreibt sie, wie ein „Schmierreporter“ die kranke Mutter vor dem Supermarkt abgefangen habe. Er sagte ihr, er habe ein Geschenk für sie, und drückte der Frau, die nie in ihrem Leben Alkohol getrunken habe, eine Schnapsflasche in die Hand. Dann fotografierte er sie mit dem Schnaps. Die Überschrift des Artikels lautete: „Verona Feldbuschs Mutter verwirrt, alleine vor dem Supermarkt, total betrunken.“ Das Kapitel hat sie die „Fratze des Boulevards“ genannt. Es sei eine Antwort auf die Frage, was die Kehrseite der Promi-Medaille sei. „Das mit meiner Mutter war einfach sehr gemein. Sie war eine Person, die nie das öffentliche Leben gesucht hat, und dann noch eine kranke Frau, die sich nicht wehren konnte.“ Zumal es auch ohne diese Schlagzeilen eine harte Zeit für die Familie war, wie Pooth betont: „Die Krankheit ist einfach sehr brutal, denn der selbstbewusste, gestandene Mensch, den man kannte, schwindet dahin.“ Ihre „Mamita“ habe sie immer sehr geliebt, denn sie habe immer an ihre Tochter geglaubt und ihr den schlausten Karriere-Ratschlags ihres Lebens mitgegeben: „Geht nicht, gibt’s nicht.“ Ihre Mutter sei auch ihr Vorbild gewesen, um eine emanzipierte Frau zu werden. „Ich habe an meiner Mutter immer schon sehr bewundert, dass sie ganz alleine entscheiden konnte, was sie macht. Und wie sie es schaffte, mich alleine großzuziehen.“ Irgendwann, sagt sie, werde sie vielleicht ein Buch über ihre Kindheit schreiben.

In ihrer Autobiografie gehe es vor allem um ihr Leben als erwachsene Frau. „Wenn man zu mir sagt, du bist ein Star, dann ist das charmant. Aber es war nie meine Intention, berühmt zu werden. Ich habe immer nur gedacht, je mehr ich durch meine eigene Leistung verdiene, desto mehr kann ich das machen, was ich will.“ Bis heute lebe sie nicht im Prunk. „Ich habe keinen eigenen Flieger oder einen Pool, in dem meine Initialen stehen.“ Wenn sie geheiratet habe, dann immer nur, weil sie wirklich verliebt war. Sie sei nie ein Affärentyp gewesen.

Verona Feldbusch war früh eine Marke

Sie wollte auch nie einen Mann heiraten und ihn lieb fragen müssen, ob sie sich was kaufen dürfe. Sogar ein Prinz aus Nigeria hielt einmal um ihre Hand an, aber sie lehnte ab. „Ich wollte immer einen Mann und keinen zweiten Papi heiraten.“ Ihr Mann Franjo war, als sie sich kennenlernten, noch Architekturstudent. Da war sie als Verona Feldbusch schon längst eine Marke, wie sie sagt. Und trotzdem nahm sie seinen Namen an, weil sie da traditioneller und altmodischer sei, als man denke. Als Franjo Pooth im Jahr 2008 mit seiner Firma Maxfield Insolvenz anmelden musste, hätten viele spekuliert, dass sie ihn verlässt. Er habe damals als Unternehmer Mist gebaut. Dazu stehe er. In ihrem Buch steht: „Als mein Ehemann hingegen hat er sich in keinerlei Hinsicht etwas zu schulden kommen lassen.“

Zurück in die 90er, zu ihrem Karriere-Beginn. Dass das Model-Sein nur der Einstieg war und nicht der Traumjob, war ihr schnell klar. „Das fängt schon damit an, dass man als Model nicht sprechen darf“, sagt sie und lacht. Denn schon da habe sie die Klappe nicht halten können, immer Ideen gehabt, wie man das Fotoshooting noch besser machen konnte. Die Fotografen hätten gesagt: „Die Kleine ist kreativ, ein tough Cookie.“

Verona Pooth: Karriere zu 90 Prozent Fleiß

Mit 19 wird sie in der Diskothek gefragt, ob sie singen kann. Ihre Mamita hatte ihr gesagt: „Wenn du gefragt wirst, ob du irgendwas kannst, sag‘ immer ganz selbstbewusst Ja – und hinterher regelst du das schon.“ Das tat sie, obwohl sie kaum singen konnte. „Bei vielen Dingen wird man aber nur einmal im Leben gefragt, diese Chance muss man nutzen“, so Pooth. „Meine Musikkarriere bestand zu 90 Prozent aus Fleiß und zu zehn Prozent aus Gesang. Ich habe gewusst, ich werde niemals über eine Oktave singen können, also nicht annähernd. Also gebe ich alles in puncto Tanz, Kostüm, Pünktlichkeit und Auftritt.“

Die Musikproduzenten hätten über sie gesagt: „Die Kleine mit der viel zu hohen Stimme und den dünnen Beinen, die hat einen Schuss. Aber sie hat zumindest das gewisse Etwas. Also nehmen wir uns die Zeit, um aus ihr zumindest einen gesungenen Satz rauszuholen.“ Dieser Satz lautete dann „Ritmo de La Noche“ – und wird 1990 zum Sommerhit in ganz Europa. 

Fünf Jahre tourt sie mit zwei Rappern als Formation Chocolate durch Diskotheken und verdient damit viel Geld. Sogar in Asien touren sie.

Dieter Bohlen will Verona sofort heiraten

Das war alles bevor Dieter Bohlen in ihr Leben trat. „Bei meinem allerletzten Song ‚Love of my life’ lernte ich ihn erst kennen.“ Der Musikproduzent ist von Anfang verrückt nach ihr, will sie unbedingt heiraten. Irgendwann verliebt sie sich auch in ihn, seine Hartnäckigkeit und ihr gemeinsamer Humor überzeugen sie. Aber die Ehe scheitert, endet damit, dass sie nach einem Streit mit einem geplatzten Trommelfell im Krankenhaus landet. Sie reicht nach nur vier Wochen die Scheidung ein. Aus mehreren Gründen. „Aber vor allem wollte ich mich nicht als schickes Hausmütterchen von Dieter installieren lassen.“ Dass sie weiter arbeiten gehen wollte, Karriere machen, das habe ihm nicht gepasst. 

Verona Pooth und ihr Image des naiven Dummchens

Und auch, wenn manche ihr unterstellten, sie habe ihn nur wegen des Geldes geheiratet, betont sie: „So raffiniert kann ich nicht gewesen sein, schließlich hatten wir keinen Ehevertrag, da wäre ich doch länger bei ihm geblieben und hätte mehr Geld bekommen.“ 

Das Image des naiven Dummchens habe lange an ihr gehaftet, aber „irgendwann kippte es. Plötzlich war ich raffiniert“, sagt sie und lacht. Dabei habe sie zwar gerne mit dem Image gespielt, aber nie was vorgespielt. Die Versprecher und Wortdreher seien Teil von ihr. Und auch ihre Dativ-Genetiv-Schwäche ist echt. Aber: „Ich verändere ausschließlich Dinge, die mich stören.“

Ein Techtelmechtel mit Donald Trump?

Bei ihrer Lese-Tour wird sie auch Videoausschnitte zeigen: Alte Werbespots, Ausschnitte aus ihren Zeiten als „Peep“- Moderatorin, Musikvideos. Und sie will auch Bilder von ihrer Prinzessinen-Hochzeit im Wiener Stephansdom präsentieren. „Ich bringe zudem das schönste Hochzeitskleid der Welt, das mir Karl Lagerfeld damals designt hat, mit.“ Zieht sie es dann auf der Bühne auch an? „Wer weiß“, sagt sie und lacht. Man habe bei Lagerfeld nicht einfach ein Kleid bestellen können, egal wie viel man zahlte. Aber sie mochte er. „Er wurde mal in einem Interview gefragt, wie er eigentlich Verona Feldbusch so findet. Und er sagte: ‚Die ist super, die spricht genauso schnell wie ich und geht ihren Weg.‘“ Sie zeigt Fotos auf ihrem Handy, Fotos von ihr und Karl Lagerfeld bei der Anprobe des Hochzeitskleids in seinem Pariser Atelier. Einmal habe sie gefragt: „Wie kann ich in dem Kleid Walzer tanzen? Bei dem Volant…“. Er habe geantwortet: „Das zeige ich dir, mein Kind.“ Auf einem Foto sieht man, wie sie zusammen im Atelier Walzer tanzen.

Apropos berühmte Männer: Was lief da eigentlich mit Donald Trump?* Kürzlich erzählte sie in der TV-Show „Promi Shopping Queen“, sie habe ein „Techtelmechtel mit Trump“ gehabt, als sie ihn 1995 bei der Wahl zur Miss American Dream kennenlernte. Das war aber nur ein Scherz, oder? „Vielleicht.“ Aber das bleibe „ein Geheimnis zwischen mir und Donald“, sagt sie – und lacht laut los. An ihrem Lachen merkt man, da ist auf keinen Fall etwas gelaufen.

Als sie sich beruhigt hat, ist noch Zeit für eine letzte Frage. Drei Jahrzehnte steht sie in der Öffentlichkeit. Wie sehr hat die Marke „Verona“ den Menschen Verona in den vergangenen 30 Jahren geprägt oder verändert? „Manche Leute sagen: ‚Mit meinem 20-jährigen ‚Ich‘ habe ich weder vom Charakter noch von der Lebenseinstellung her etwas gemeinsam.‘ Bei mir ist das anders. Ich habe mich nicht so sehr verändert. Würde man jetzt hier auf dem Sofa die 20, 30, 40 und 50 Jahre alte Verona nebeneinander setzen, wären die vier Veronas sich ziemlich ähnlich.“

Tickets, Lesung und Verlosung

Mit ihrer Autobiografie ,„Nimm dir alles, gib viel – das Verona-Prinzip“ geht Verona Pooth auf Lesetour. Bingen (27. September) mit Oliver Pocher, Neu-Isenburg (28. September) mit Kabarettistin Lisa Feller, Augsburg (29.September). Tickets unter: www.konzertbuero-leipzig.de

Die FR* verlost 5x2 Tickets für Pooths Lese-Show in Neu-Isenburg, sowie fünf signierte Exemplare von Verona Pooths Autobiografie.

Wer gewinnen möchte, registriert sich online bis zum 13. September, 10 Uhr, unter https://fr.de/gewinnspiel*. Das Lösungswort für die Lesung in Neu-Isenburg lautet „Verona Tour“. Wer die signierte Autobiografie gewinnen möchte, gibt als Lösungswort „Verona Buch“ ein. Das Los entscheidet. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Nur die Gewinner/innen werden per E-Mail informiert. (rose)

*fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Redaktionsnetzwerks.

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