Ist Jesus der erste Superheld?

Blasphemie-Vorwürfe gegen Superman-Film

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Eine Szene aus dem neuen Superman-Film "Man of Steel"

Los Angeles - Um Christen in den Action-Streifen "Man of Steel" zu locken, vergleicht die Filmfirma Warner Bros. Jesus Christus mit Superman. Viele Gläubige empfinden das als Gotteslästerung.

Ein Pfarrer steht heute mehr denn je unter Druck, sich jeden Sonntag etwas Neues einfallen zu lassen, um seine schrumpfende Gemeinde zum Kirchgang zu überreden. Warner Bros., das US-Filmstudio, das den aktuellen Superman-Blockbuster "Man of Steel" produziert hat, rät Geistlichen jetzt, ihre Predigt mit Bildern und Ausschnitten aus der Comic-Verfilmung aufzupeppen und ihren Schäfchen zu erklären: Jesus war der allererste Superheld. Viele Christen sehen durch diesen Vergleich ihre religiösen Gefühle verletzt.

Die Geschichte von Superman soll "helfen, die Leidenschaft für den größten Helden, der jemals lebte, starb und von den Toten auferstand, zu wecken". So steht es in "Jesus: The Original Superhero" ("Jesus: Der allererste Superheld"), einer neunseitigen Broschüre, die sich Pfarrer zusammen mit Material aus dem Blockbuster herunterladen können. Hier werden den Geistlichen die Parallelen zwischen der muskelbepackten Schmalzlocke im roten Cape und dem Erlöser der Christen erklärt:

  • Wie Jesus wird auch Superman als Baby auf die Erde gesandt - vom Planet Krypton.
  • Beide werden von Ersatzeltern großgezogen.
  • Beide müssen erst lernen, mit ihren außergewöhnlichen Kräften umzugehen. Auf seine Frage, ob diese "von Gott kommen", antwortet sein Erden-Vater dem heranwachsenden Superman: "Da draußen hast du noch einen Vater und der hat dich aus einem besonderen Grund auf die Erde geschickt." Wie Jesus muss auch Superman seine Aufgabe erst noch erkennen und annehmen.
  • Beide opfern sich mit 33 Jahren selbst, um die Menschheit zu retten.

Dass Regisseur Zack Snyder tatsächlich diesen Vergleich im Sinn hatte, wird in vielen Szenen des Streifens deutlich. Drei Beispiele:

  • Supermans "richtige" Eltern prophezeihen ihm, er werde mit seinen Superkräften für die Menschen "ein Gott sein". 
  • Als Superman den Rat eines Priesters sucht, ist im Hintergrund deutlich ein Jesus-Bild zu sehen.
  • Später "steigt Superman in den Himmel auf" und hält dabei die Arme in der gleichen Position wie Jesus am Kreuz.

Natürlich ist diese Starthilfe für die Predigt von Warner Bros. nicht uneigennützig: Die Christen sollen von der Kirchenbank direkt in den Kinosessel gelockt werden. Während so mancher Geistliche froh ist, dass ihm die Vorbereitung für den nächsten Gottesdienst abgenommen wird, sind viele Geistliche und Christen entsetzt, berichtet CNN.

Denn die "Botschaft der Hoffnung", die die Produktionsfirma in dem Streifen erkennt, wird nicht mit Liebe, sondern mit knallharter Action transportiert. Beim finalen Showdown geht halb Metropolis zu Bruch - laut der Studie eines Experten für Risikoforschung würden im wahren Leben 129.000 Menschen bei der Superhelden-Prügelei sterben: als Kollateral-Schäden. Und schließlich tötet der "Mann aus Stahl" seinen Gegenspieler, den bösen General Zod, am Ende des Films! Auch wenn das zum Wohl der Menschheit passiert: Jesus hätte diese gewaltsame Konfliktlösung sicher nicht befürwortet. 

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"Der Pfarrer, der diese Werbe-Aktion für eine gute Sonntags-Strategie hält, hat entweder keine Ahnung, was auf dem Spiel steht oder sehr wenig Vertrauen in das Wort und den Geist Gottes", schimpft Diakon P.J. Wenzel aus Ohio. Pastor Quentin Scott aus Baltimore klagt, er fühle sich benutzt.

Viele Christen empfinden den Vergleich als Gotteslästerung: "Ist denn nichts mehr heilig?", fragen sie etwa in den Kommentaren des "Daily Mail"-Berichtes zu dem Thema - und rufen zum Boykott des Streifens auf. "Ekelhaft, arrogant und herablassend" nennen manche die Aktion. "Christus hat die Händler aus dem Tempel geworfen - ich frage mich, in welchem Tempel diese Werbeidee entstand?", so ein bibelfester User.

Gemäßigtere Gläubige geben zu bedenken, dass praktisch alle Helden-Mythen Parallelen zum Leben und Leiden von Jesus Christus aufweisen. Wie man es auch betrachtet: "Man of Steel" hat alleine am ersten Wochenende über 200 Millionen Dollar und damit seine gesamten Produktionskosten bereits wieder eingespielt.

hn

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