Weg vom Straßen-Rap: Obertshausener will aufklären

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Rapper Spectaculum zeigt im Club Hoppla,, was er drauf hat.

Obertshausen/ Frankfurt – Hip-Hop muss von Sex, Drogen und Gewalt handeln? Nicht, wenn es nach dem Obertshausener Rapper Benjamin Kralisch alias Spectaculum geht. Der frisch gebackene Abiturient will weg von diesen Klischees. Er will die Menschen zum Nachdenken bringen – über den Klimawandel und über Politik. Gestern Abend feierte er die Veröffentlichung seines ersten Samplers „Royal Flush“ im Frankfurter Nachtleben. Von Jennifer Dreher

„Die einzige Person, mit der ich über Politik reden kann, ist meine Freundin und ein paar Bekannte, die schon älter sind“, bedauert Kralisch. „Was es bedeutet, dass es Erdbeben gibt, dass sich das Klima so extrem ändert, darüber denken viel zu wenig Menschen nach“, fügt er hinzu. Bisher habe auch er sich zu wenig um diese Themen gekümmert. Das soll sich ändern. „In Zukunft werden meine Texte noch kritischer als bisher“, verspricht der 20-Jährige.

Auf seinem aktuellen Sampler „Royal Flush“ hat er sich mit vier Bekannten ausgetobt. Zwei Lieder auf dem Album, das kostenlos im zum Download angeboten wird (www.myspace.com/spectaculum), sind von ihm. Beeinflusst sind die durch seinen Alltag. „Frankfurter Rapper fühlen sich noch mit dem Straßen-Rap verbunden und meinen, sie müssten über harte Themen schreiben, aber das finde ich nicht spannend“, sagt er.

Kanada wird seine neue Heimat

Die steigende Aggressivität und Gewaltbereitschaft unter Jugendlichen bereiten ihm schlechte Laune. Deswegen zieht er bald zu seiner kanadischen Freundin. „Die Kanadier können noch ohne Probleme die Türen ihrer Häuser offen lassen. Sie brauchen nicht einmal das Auto abschließen und sind immer hilfsbereit“, schwärmt der 20-Jährige. Ob er für immer dort bleiben wird, weiß Kralisch noch nicht. Doch zunächst hat er noch einen Auftritt in Frankfurt. Auch ohne harte Texte kommt er gut an.

Im Frankfurter Nachtleben gewann er einen Hip-Hop-Nachwuchs-Wettbewerb. Weil er das musikalisches Talent bewies, haben ihn die Nachtleben-Macher als Vorgruppe des Berliner Aggro-Berlin-Rappers Fler empfohlen. Mit ihm wird Kralisch nun am Mittwoch, 8. September auf der Bühne stehen. Und vielleicht wird er nicht als Specataculum, sondern als Benjamin Kralisch in naher Zukunft in die Öffentlichkeit zurückkehren. Denn Kralisch kann sich vorstellen, das Mikro gegen ein Parteibuch zu tauschen und in die Politik zu gehen.

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