Law-Ra Vicious und Kandee Rude schockiert

Die schwule Szene trauert um das Pulse

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Die Drags Law-Ra Vicious (links) und Kandee Rude trauern um das schwule „Wohnzimmer“.
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Frankfurt – Nach dem Bericht des EXTRA TIPPs, dauerte es genau zwei Wochen und die Pulse-Betreiber gaben das Aus bekannt. Szene-Insider und regelmäßige Gäste des Clubs – die Drag Queens Law-Ra Vicious und Kandee Rude – sind schockiert, weil der Szene nun ein Treffpunkt fehlt.  Von Angelika Pöppel

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„Wir haben kein Wohnzimmer mehr. Die Szene hat ihr Zuhause verloren“, sagt Drag Queen Law-Ra Vicious zur Schließung des Pulse in Frankfurt. Zwölf Jahre versammelte sich jeden Samstag dort das schwule Party-Volk. Die Stimmung in der Szene sei trotz mancher Kritik, insgesamt traurig. Law-Ra Vicious und Kandee Rude haben nicht nur ihren Treffpunkt, sondern auch ihre Bühne verloren: Die Drag Queens veranstalteten Partys im Club und standen mit ihrer Show auf der Bühne. Im Interview mit den beiden wird die Stimmung ein wenig wehmütig: „Jeder trägt ein Stück vom Pulse mit sich. Eine ganze Generation hat ihre Jugend dort verbracht. Ich erinnere mich noch wie ich mich mit 14 Jahren zum ersten Mal raus schlich und im Pulse landete“, erzählt Law-Ra. Dramen, Liebesgeschichten, Sex-Eskapaden und Alkoholabstürze spielten sich in dem schwulen Club ab – „alles was in einer guten Telenovela nicht fehlen darf“, scherzt die Frankfurter Drag Queen.

Kein Interessent gefunden

Das Pulse schien immer gut besucht, dennoch fehlte der Umsatz: „Wir hatten konstant einen Rückgang von 25 Prozent“, sagt Ex-Betreiber Jochen Eberhardt von Gastro Consult 2000. Von heute auf morgen machte der Club dicht. „Nur wenige Tage zuvor, ist uns der Interessent abgesprungen. Und im Februar hätte ich die Zahlung der Löhne nicht mehr gewährleisten können. Deshalb gab es keine Abschiedsparty“, sagt Eberhardt. Es laufe darauf hinaus, dass die beiden Häuser getrennt vermietet werden.

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Diese Clubs haben seit 2012 dicht gemacht oder eröffnet

„Für uns ist das Pulse bereits gestorben, als Steffen Lopenz ging“, sagt Kandee Rude. Der Veranstalter von zahlreichen Partys, darunter auch dem Drag-Queen-Contest Diva Deluxe, verabschiedete sich Anfang 2012. „Er war offen für Neues und hat uns mitreden lassen.“ Mit ihm planten die Drags auch eine neue Partyreihe, ähnlich der Vorgänger-Reihe „Sieben“.

"Bermuda-Dreieick ist kein Dreieick mehr"

Das Pulse in Frankfurt hat von einen Tag auf den anderen zu gemacht.

„Das Pulse hat einfach den Trend verpasst“, sagt Law-Ra. Doch der Club hinterlasse eine riesige Lücke. Diese versucht die Le Bar am Liebfrauenberg zu schließen: Am 16. Februar eröffnet die Bar neu als Le Bar Homme für das schwule Publikum. Der Zeitpunkt sei perfekt. In den ersten Wochen werde die schwule Szene die Bar stürmen, aber langfristig müsse sich zeigen, ob die Bar akzeptiert werde, so die Drags. Überzeugt sind sie davon nicht. „Die Bar ist sehr klein und liegt auch nicht im Schwulenviertel – das Bermuda-Dreieck braucht definitiv einen neuen Club, sonst ist das Dreieck kein Dreieck mehr“, sagt Law-Ra. „Wir brauchen wieder einen Club mit Wohnzimmer-Atmosphäre, aber mit viel Unterhaltung, Shows und guten DJs“, sagt Kandee. Law-Ra schaut schon in die Zukunft: Der Weg ist geebnet für etwas Neues!“

Angelika Pöppel

Angelika Pöppel

E-Mail:angelika.poeppel@extratipp.com

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