"Manipulation beim ESC"

Conchita Wurst: Partei wittert Verschwörung

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Conchita Wurst.

Zürich - Die Hysterie um ESC-Gewinnerin Conchita Wurst nimmt allmählich ab - das sollte man zumindest meinen. Doch in der Schweiz regt man sich teilweise offenbar noch immer über den Sieg der Österreicherin auf.

Update vom 21. Mai 2015: Ein Jahr nach ihrem grandiosen Sieg beim Eurovision Song Contest steht Conchita Wurst auch dieses Mal in Wien wieder auf der Bühne - oder besser gesagt im Green Room. Von dort aus wird sich die Dragqeen als Moderatorin melden und mit den Kandidaten sprechen. Fans dürfen sich also auf eine große Portion Conchita Wurst beim ESC-Finale in Wien freuen.

Update 1 vom 20. Mai 2015: Brücken bauen lautet das diesjährige Motto beim Eurovision Song Contest. Conchita Wurst, die durch ihren Auftritt mit dafür verantwortlich ist, dass Europa mit seiner Musik Brücken bauen möchte, ist auch wieder dabei. Was Sie sonst noch zum ESC wissen müssen, lesen Sie hier.

Update 2 vom 20. Mai 2015: "Kein Grund, uns schlecht zu fühlen oder zu weinen", sagte Frontmann Pertti Kurikka von der finnischen Punk-Band Pertti Kurikan Nimipäivät. Die Jungs, von denen drei das Down-Syndrom haben und einer Autist ist, haben sich nicht fürs Finale qualifiziert. Was Sie vor der großen Show am Samstag noch wissen müssen, lesen Sie in unserem Newsblog.

Update vom 18. Mai 2015: Ein doppelter Toleranz-Test wird dem ESC-Publikum beim Auftritt der finnischen Band Pertti Kurikan Nimipäivät (PKN) abverlangt. Drei der Mitglieder haben das Down-Syndrom, einer ist Autist - und zu Viert machen sie krachigen Punk. Die Buchmacher sagen: PKN hat die besten Chancen auf den Sieg.

Die heftigsten Reaktionen auf den Sieg von Conachita Wurst beim Eurovision Song Contest waren unmittelbar nach dem Wettbewerb aus Russland gekommen. Von "Europas Ende" war dort die Rede gewesen, als "Euro-Homos" wurden die Wurst-Fans bezeichnet. Die Zuschauer, die Conchita Wurst gewählt haben, hätten "eine abnormale Psychologie", hatte der russische Bahnchef Waldimir Jakunin unter anderem geätzt.

Ein paar Tage später hatte sich die große Aufregung um die transsexuelle Sängerin dann schon wieder etwas gelegt. Nicht so in der Schweiz, wo sich die Nachwuchspartei "Junge SVP Solothurn" jetzt dazu veranlasst sah, eine öffentliche Mitteilung herauszuschicken. Inhalt: Eine Verschwörungstheorie rund um den Eurovision Song Contest. "Der Gesangswettkampf von der Eurovision gilt als manipuliert", schrieb der Nachwuchs der Schweizerischen Volkspartei.

So freizügig präsentiert sich Conchita Wurst

So freizügig präsentiert sich Conchita Wurst

Und weiter: "Der/die merkwürdige Sieger/in wurde von der Gender-Elite aufgestellt und durchgewunken." Will heißen: Ziel der gesamten Mission sei es gewesen, "die naturgegebenen Geschlechter" anzugreifen. Die Junge SVP Solothurn empfindet Wursts Auftritt und Sieg als "Angriff auf die Ehe, auf die Heterosexuellen und auf die natürliche Lebensweise".

Die Mitteilung sei erst jetzt, über zweiejnhalb Wochen nach dem ESC, verschickt worden, weil man zuerst die Sachlage habe prüfen wollen, sagte ein Sekretär der Partie dem Portal "20minuten.ch". "Die Sache ist relativ klar: Der Contest wurde dazu missbraucht, um das traditionelle Familienmodell in die Ecke zu treiben", heißt es weiter. Der Sieg von Conchita Wurst sei eine abgekartete Marketing-Aktion einer Gender-Lobby, die solche Lebensformen als normal verkaufen wolle, um politische Anliegen durchzudrücken. Man habe sogar Beweise dafür gesammelt.

Von diesen ist in der Mitteilung allerdings nichts zu lesen. Dafür reagierte die Mutterpartei SVP auf die Verschwörungstheorien ihres Nachwuchses mit Distanz. "Der ESC hat für mich nichts mit Politik zu tun. Wenn die Junge SVP Solothurn das anders sieht, ist das ihre Sache", so Martin Baltisser, Generalsekretär der SVP Schweiz.

Ende der ESC-Wurststrecke: Österreich siegt - Bilder

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