Schweiz schickt Heilsarmee zum ESC

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Die Schweiz schickt die Heilsarmee zum Eurovision Song Contest

Zürich - Die Reihe Schweizer Misserfolge beim Eurovision Song Contest ist lang. Beim ESC 2013 in Malmö setzen die Eidgenossen nun auf christliche Nächstenliebe und einen „Ohrwurm hoch zehn“

Nach etlichen Flops beim Eurovision Song Contest schickt die Schweiz 2013 in Malmö die Heilsarmee ins ESC-Rennen. Eine Popgruppe aus barmherzigen Helfern soll mit dem eingängigen Song „You and Me“ in ganz Europa Fanherzen erobern. Die sechs Bandmitglieder im Alter zwischen 20 und 94 Jahren wurden Samstagabend beim Schweizer Endausscheid für Malmö vom Fernsehpublikum der Alpenrepublik als Sieger gekürt.

„Wir haben gewonnen, weil wir das Gefühl von Freude rüberbringen wollten“, sagte Bandleader und Sänger Christoph Jakob (31) der Schweizer Online-Zeitung „20 Minuten“. Er vermutet, dass auch „viel Goodwill der Menschen ein Grund für den Sieg“ war. Auf der Webseite der Heilsarmee, für die alle sechs Hobby-Musiker tätig sind, gibt sich Jakob selbstbewusster: „Unser Lied ist ein Ohrwurm hoch zehn!“

Mit „You and Me“ - einer Mischung aus Gitarrenrock und Schlager aus der Schweizer Songschmiede Hitmill - setzten sich die zwei Frauen und vier Männer in der Bodensee-Arena in Kreuzlingen gegen acht andere Finalisten durch. Gitarrist Emil Ramsauer - mit 94 Jahren vermutlich ältester ESC-Teilnehmer aller Zeiten - sieht die Kandidatur der Band für Malmö als prima Werbung für seine Freikirche. „Ich wünsche mir, dass die Heilsarmee wieder bekannter wird“, erklärt er auf deren Website. Es sei eine gute Sache, dass sie „so ins breite Publikum kommt“.

Das stört allerdings manchen. Die deutsche TV-Unterhalterin Hella von Sinnen (53), die beim Schweizer ESC-Endausscheid als Mitglied einer internationalen Expertengruppe Auftritte der Kandidaten kommentierte, zeigte sich enttäuscht. Sie hätte den Ex-„Deutschland sucht den Superstar“-Kandidaten Jesse Ritch als Sieger vorgezogen. Ob die Schweiz „nun mehr Erfolg damit haben wird, alte Leute und die Heilsarmee zu schicken, weiß ich nicht“, sagte von Sinnen. Als bekennende Homosexuelle sehe sie zudem die christlich-konservative Einstellung der Heilsarmee als Problemfaktor.

Dass die Schweizer Jesusrocker bei den ESC-Halbfinals und dann sogar beim großen Finale am 18. Mai 2013 punkten, erscheint längst nicht so sicher. Laut „20 Minuten“ wurde nach dem Heilsarmee-Sieg in Kreuzlingen die Frage aufgeworfen, ob nicht eigentlich die Teilnahme politischer oder religiöser Organisationen am ESC ausgeschlossen sei.

dpa

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