Palast stellt königlichen Schwiegersohn bloß

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ARCHIV - König Juan Carlos (l) und sein Schweigersohn Inaki Urdangarin, aufgenommen in Barcelona (Archivfoto vom 23.05.2009).

Madrid - Spaniens König Juan Carlos ist in Sorge darüber, dass der Skandal um seinen Schwiegersohn Urdangarín einen Schatten auf die Monarchie werfen könnte. Das Königshaus legt nun sein Verhalten in der Affäre offen.

Spaniens König Juan Carlos scheint seit Jahren geahnt zu haben, dass an den Geschäften seines Schwiegersohns Iñaki Urdangarín etwas nicht stimmte. Um den drohenden Skandal in Zaum zu halten, schickte der Monarch seine Tochter Cristina und deren Mann vor mehreren Jahren in die USA. Das Kalkül, die heikle Angelegenheit auf diese Weise zu entschärfen, ging jedoch nicht auf. Die für das Königshaus peinliche Affäre beschert tagtäglich neue Schlagzeilen.

Dies bewog den Zarzuela-Palast nun dazu, in die Offensive zu gehen. Er legte sein Verhalten in der Affäre offen, um zu verhindern, dass die Monarchie weiteren Schaden nimmt. Danach hatte das Königshaus bereits vor fünf Jahren einen Rechtsexperten damit beauftragt, die Geschäfte der von Urdangarín geleiteten Stiftung Nóos zu untersuchen. Das Ergebnis: Die Organisation erwies sich - im Gegensatz zu ihren Statuten - nicht als gemeinnützig, sondern war nach dem Bericht des Juristen auf Geldgewinn aus.

Auf Aufforderung des Königshauses legte Urdangarín 2006 den Vorsitz der Stiftung nieder. Dies konnte allerdings nicht verhindern, dass die Staatsanwaltschaft Ermittlungen aufnahm. Die Justiz hegt den Verdacht, der Ex-Handball-Star und ein Geschäftspartner könnten die Stiftung dazu benutzt haben, an staatliche Fördergelder zu kommen und einen Teil davon in die eigene Tasche zu wirtschaften.

Urdangarín wollte damals nach dem Abschied von Nóos eine neue Stiftung für "Kultur und Sport" gründen. Wie das Königshaus jetzt verlauten ließ, fanden die Rechtsexperten des Palastes jedoch heraus, dass auch bei diesem Vorhaben nicht alles mit rechten Dingen zuging.

Mit diesen Offenlegungen geht der Monarch weiter auf Distanz zu seinem Schwiegersohn. Vor einer Woche bereits hatte der Zarzuela-Palast das Verhalten Urdangaríns als "nicht vorbildhaft" eingestuft und den 43-Jährigen von der offiziellen Agenda des Königshauses gestrichen.

Damit ist die Affäre für den König aber längst nicht ausgestanden. Im Gegenteil. "Wenn das Königshaus von den Umtrieben Urdangaríns wusste, warum hat es ihn nur gebeten, Spanien zu verlassen?", fragte die Zeitung "El Mundo" am Sonntag. "Warum forderte es ihn nicht obendrein dazu auf, unterschlagene Steuergelder zurückzuzahlen?" Die Zeitung "Público" bezichtigte den Palast gar der Mitwisserschaft. "Das Königshaus wusste von der Sache", titelte das Blatt.

Das Madrider Wachsfigurenmuseum zog aus der Finanzaffäre seine eigenen Konsequenzen: Es entfernte die Figur des Schwiegersohns von Juan Carlos aus dem Saal, der der königlichen Familie gewidmet ist. Der Figur des Ex-Handballers wird der Gala-Anzug ausgezogen, sie wird in ein Sport-Dress gesteckt und soll künftig in der Abteilung der Sportler ausgestellt werden. Dies dürfte kaum den FC Barcelona freuen, für den Urdangarín gespielt hatte.

 

Von Hubert Kahl, dpa

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