Vom Niemand zu Frankfurts Top-DJ

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Leonardo Aquino (Mitte) mit seinen Mit-Veranstaltern Olgay Özkan (links) und Ettore Catino.

Region Rhein-Main - Als er mit der Party-Reihe „fuck my beatz“ anfing, kannte ihn niemand. Jetzt ist Leonardo Aquino einer der beliebtesten DJs in Frankfurt. Seit Donnerstag läuft die Doku „fuck my beatz“ im Kino. Im Gespräch mit dem EXTRA TIPP erzählt er, warum es die Partys nie wieder geben wird. Von Julia Renner

Warum hast du überhaupt angefangen mit „fuck my beatz“?

Angefangen habe ich, weil ich jung war, frischer Single, ich wollte mich austoben und ich wollte auflegen, ich wollte unbedingt DJ werden. Dadurch, dass mich keiner kannte und somit auch keiner gebucht hatte, dachte ich: Ich mache einfach eine Party, auf der ich selbst der DJ bin. Wir hatten unsere Clique und aus dem Nichts heraus haben wir angefangen, Werbung zu machen, und immer mehr Leute sind von Party zu Party auf uns aufmerksam geworden.

Du hast also als gänzlich unbekannter DJ damit angefangen und jetzt hast du eine ziemlich große Fangemeinde.

Als gänzlich unbekannter Niemand, ja. In sechs Jahren aktiv im Nachtleben ohne Pause, da lernt man jede Menge Leute kennen. Und wenn man seinen Job gut macht, freuen sich die Leute ja und so entwickelt sich das über die Jahre.

In der Doku kommen Leute wie Daniel vor, der scheinbar weder ohne Drogen, noch ohne Musik leben kann: Weißt du, was aus ihm geworden ist? Habt ihr noch Kontakt?

Der Film „fuck my beatz“ ist noch bis Mittwoch, 20. Juni, im Kino Orfeo’s Erben, Hamburger Allee 45, in Frankfurt zu sehen. Infos und Spielzeiten gibt’s im Internet auf www.orfeos.de.

Ich hab natürlich noch Kontakt zu ihm. Er ist auf jeden Fall ruhiger geworden. Schade, dass man das im Film nicht mehr sehen konnte. Er hat sich, wie auch viele andere, langsam Schritt für Schritt nach dem Ende von „fuck my beatz“ aus dem Nachtleben zurückgezogen. Und ist somit weit weg von jeglichen Drogen und schlaflosen Nächten.

Man könnte generell auch sagen, der Film ist drogenverherrlichend. Ist das so?

Wir haben die Hoffnung gehabt, dass man beide Seiten des Nachtlebens sieht. Also ich selbst bin komplett gegen Drogen. Ich wusste auch nicht, was Daniel im Interview mit dem Regisseur erzählen würde. Aber es ist natürlich eins zu eins aus dem Leben gegriffen und die Sachen wurden genau so erlebt. Wir hatten anfangs bei den Partys auch überlegt, alle Leute zu filzen und so den Drogenkonsum zu verhindern. Aber mit der Zeit mussten wir auch leider lernen, dass man Drogen von den Partys nicht absolut trennen kann. Das ist genauso wie mit Alkohol. Wir haben gelernt diesen Zustand zu akzeptieren, aber trotzdem haben wir nie öffentlichen Drogenkonsum toleriert. Die Leuten konnten machen was sie wollten, solange sie es nicht vor unseren Augen machten.

Also hast du dich nicht direkt gegen Drogen ausgesprochen?

Wir wollten eine gute Party feiern. Und, wie schon erwähnt, du kannst Drogen nicht zu 100 Prozent aus den Clubs verschwinden lassen. Manche Menschen brauchen das, um gänzlich aus ihrer Realität zu flüchten, um für einige Stunden all ihre Sorgen zu vergessen. Uns war es im Endeffekt egal, solange wir damit nicht in direkten Kontakt kamen.

Im Film kommt gut rüber, dass viele geschockt und traurig waren, als du das Ende von „fuck my beatz“ verkündet hast. Was waren die heftigsten Reaktionen?

Ich habe viele Leute weinen sehen und viele Mails erhalten, warum wir denn nicht weitermachen. Selbst heute noch ist die Nachfrage so groß.

Wird es jemals wieder eine „fuck my beatz“-Party geben?

Nein, niemals wieder. Es würde nie mehr genau das werden, was es mal war. Wir waren damals alle drei Single und hungrig, jetzt sind wir glücklich vergeben, satt und im Reinen mit uns selbst. Abgesehen davon: Welchen Sinn würde es machen, im Leben etwas so großes zweimal zu machen? Die Welt steht offen für noch so viele andere Erlebnisse.

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