Moses Pelham im Interview: Inspiriert von den Böhsen Onkelz

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Moses Pelham

Region Rhein-Main – Nach acht Jahren Sendepause wirft Moses Pelham am 9. November mit „Geteiltes Leid 3“ ein neues Album auf den Markt. Am Freitag wurde die Single „Für die Ewigkeit“ ausgekoppelt. Der EXTRA TIPP sprach mit der Rap-Ikone über sein Werk, Castingsshows und alte Weggefährten. Von Niclas Weiland

Aus dem Opener „Ich lass’ Dich nicht zurück“ könnte man schließen, dass der Album-Titel „Geteiltes Leid 3“ nicht unbedingt den Inhalt des Albums widergibt. Ist da was dran?

Absolut. „Geteiltes Leid 3“ trug mal den Untertitel „Vom Durchbrechen des Teufelskreises“. Ich will, dass die Trilogie mit einem Happy End aufhört und ich glaube, der einzige Weg, dieses Leid zu überwinden, ist, wie es am Ende von „Bilder“ heißt: „Wer in Freude existieren will, muss den Teufelskreis durchbrechen.“ Da muss eine Änderung in der Haltung stattfinden. Das ist jetzt keine künstlerische Frage, sondern eine menschliche, eine die ich mir für mich persönlich in meinem Leben gestellt habe und die dann einfach Einzug in die Platte gehalten hat, weil wovon soll diese Platte handeln, wenn nicht von mir als Mensch?

In den Neunzigern sah man dich bei Konzerten auch schon mal im Onkelz-Shirt auf der Bühne. In deiner ersten Single „Für die Ewigkeit“ sampelst du den Refrain aus dem Song „Koma – Eine Nacht, die niemals endet“ von den Böhsen Onkelz. Was verbindet dich mit den Onkelz? Würdest du dich als Fan bezeichnen?

Ja klar. Richtig heftiger Fan! Nach meiner ersten Platte, damals noch auf Englisch, war mir klar, dass wenn irgendjemandem hier meine Texte das bedeuten sollten, was sie mir bedeuten, sie in der Sprache der Menschen sein müssten. Für mich schien aber alles auf Deutsch Schlager oder Faschingsmusik zu sein. Musik mit guten, ernsthaften Texten, die auch noch wirklich gut klang, kannte ich nicht. Bis ich bei meinem Kumpel Eddy Hartsch zuhause zufällig das Album „Es ist soweit“ gehört habe. Das war das erste Mal, dass ich ernsthafte deutschsprachige Musik gehört habe, die mich wirklich berührt hat. Das hat mir gezeigt, dass es eben doch auf Deutsch geht und mich letztendlich dazu motiviert, das ab sofort auch zu machen.

Vor über zehn Jahren hast du dir mit Xavier Naidoo, den du damals zum Star gemacht hast, einen großen Streit geliefert. Heute singt er auf deiner Platte. Wie kam das zustande?

Naja, ich hab’ nie einen Hehl daraus gemacht, dass ich Xavier für einen der besten Sänger, wenn nicht den besten Sänger dieses Landes halte. Den dann auf seiner Platte zu haben ist sicher nicht schädlich, siehe auch „Geteiltes Leid I“. Der Rest ist wirklich ein menschliches Ding. Wir haben uns bei einem gemeinsamen Freund wiedergetroffen und es hat sich sehr gut angefühlt. Daraus ist eben auch ein Track entstanden, der wunderbar zu der ganzen Versöhnlichkeit dieses Albums passt.

Wird es ein Release-Konzert oder sogar eine Tour zu „Geteiltes Leid 3“ geben? Wenn ja, wann?

Ein Release-Konzert schaffen wir nicht mehr, aber wir basteln gerade an einer kleinen Tour, die im Februar nächsten Jahres starten soll.

Niemand will ein Opfer sein. Auch Tiere nicht. „Moses Pelham ist Vegetarier“ liest man zurzeit auf Plakaten in ganz Deutschland. Was bestellst du, wenn es etwas zu feiern gibt oder du dich einfach mal belohnen willst?
Schnaps für alle

Du strahlst aktuell eine große positive Energie aus, bei „X Factor“ schaffst du es regelmäßig, klar deine Meinung zu sagen, jedoch nie verletzend zu sein, im Gegenteil du bringst den Kandidaten großen Respekt entgegen. Das hätten viele sicher nicht erwartet, sondern mehr mit harten, gnadenlosen Worten des Rüpel-Rappers gerechnet. Die Fans des Rüpel-Rappers hingegen konnten es kaum glauben, dass Moses Pelham sich jetzt in eine Casting-Show setzt. Hättest du das vor zehn Jahren auch schon gemacht? Wenn nein: Was ist passiert, dass du es jetzt machst?

Der respektvolle Umgang mit den Menschen, die da auf die Bühne kommen, war für mich Grundbedingung, das überhaupt zu machen. Bei Anfragen von ähnlichen

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Formaten hatte ich immer das Gefühl, dass die Leute dort dachten „da haben wir einen, der richtig Bock hat, die Leute runterzumachen“. Aber das liegt überhaupt nicht in meiner Natur. Das liegt mir wirklich extrem fern. Ich glaube ich bin in der Wahrnehmung dieser Menschen zu dem Aso geworden, den die in mir sehen, weil ich keinen Bock hab’, diesen Scheiß mitzumachen und dann vielleicht mal sag’: „Pass auf, das kannst du machen mit wem du willst, aber nicht mit mir“. Ich habe zuhause kein Fernsehen, aber man sieht ja auf Facebook oder sonstwo im Internet immer mal den einen oder anderen Ausschnitt aus diversen Casting-Shows. Da sieht man teilweise schon Szenen, die menschenverachtend sind. Und damit will ich absolut nichts zu tun haben. Daher rechnete ich bei „X Factor“ zunächst auch mit einem Missverständnis, aber da kam von den Machern der Sendung die klare Aussage: „Nein, wir wollen einfach, dass du deine Meinung sagst, und zwar auf die Art und Weise, wie du das möchtest.“ Von daher, wäre so eine Anfrage schon vor zehn Jahren gekommen, hätte ich das auch vor zehn Jahren gemacht.

Woher kommt einfach dieser positive Wandel?

Ich hab’ mich nicht wirklich verändert. Lediglich mit Situationen, die mir missfallen, gehe ich heute etwas anders um. Klingt vielleicht komisch, aber ich halte mich für sehr sensibel und es gibt einfach Situationen, in denen ich mich ungerecht behandelt fühle und da hatte ich halt eher diesen Hang, sehr deutlich zu machen, dass ich das grad für unangebracht halte. Ich glaub’ da hat sich so ’n bisschen was beruhigt bei mir.

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