Auf Tournee

Talkmaster Reinhold Beckmann über sein neues Rock-Star-Leben

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Talkmaster Reinhold Beckmann macht jetzt Musik.

Jetzt singt er auch noch und geht auf Tournee: Talkmaster und Sportreporter Reinhold Beckmann verrät, wie viele BH´s er schon von der Bühne aufsammeln musste und warum Thomas Schaaf der Richtige für Eintracht Frankfurt ist. Von Dirk Beutel

Sie waren Sportchef bei Premiere und Sat1, haben Ihre eigene ARD-Talksendung. Aber auf Ihrer neuen Platte prophezeien Sie „Das Beste kommt noch“. Was soll das noch sein, in Ihrem Fall?

Irgendein kluger Mensch hat einmal gesagt: Das Leben beginnt erst dann, wenn die Kinder aus dem Haus sind und der Hund gestorben ist. Das ist vor vier Wochen bei uns tatsächlich passiert. Meine Kinder sind beide weg und der Australian Shepard Tony, unser Familienhund, der auch auf dem Albumcover zu sehen ist, ist mit 14 Jahren gestorben. Trotzdem: „Das Beste kommt erst noch“, ist ja nicht ganz ernst gemeint. Es gibt im Song einen Therapeuten, der mir Tipps für das richtige Leben gibt. Am Ende ist er der Verrückte, dem nicht zu helfen ist.

Sie machen Musik seit Sie 13 Jahre alt sind. Warum machen Sie ausgerechnet jetzt mit 58 Jahren professionell Musik?

Ich habe schon immer Musik gemacht, nur eben nicht öffentlich. Naja, und als Gast der ersten Sendung von „Inas Nacht“ vor vielen Jahren habe ich mit Ina Müller zusammen einen Bossa Nova gespielt. Nach dieser Sendung kam ihr Schlagzeuger Helge Zumdieck zu mir und fragte, ob wir nicht etwas gemeinsam versuchen wollen. Er gab mir den liebevollen Tritt in den Hintern. Wenn ich heute zurückblicke, denke ich: Musik machen ist reines Glück. Hätte ich doch vielleicht ein bisschen eher damit begonnen.

Und jetzt sind Sie mit Ihrem ersten eigenen Album unterwegs.

Ich wollte am Anfang nicht mit einer CD um die Ecke kommen, sondern mir mein Publikum in kleinen Theatern und Kulturhäusern erspielen. Man muss diese Erfahrung machen, auch mal vor 50 Leuten. Und das ist genau das, was am Ende den Konzertabend gut macht. Wenn man Erfahrungen sammelt, wenn man als Band richtig zusammenwächst. Bisher haben wir in den vergangenen dreieinhalb Jahren um die 80 Konzerte gespielt. Jetzt haben wir eine ganz andere Sicherheit, ein anderes Selbstverständnis. Ich höre am 25. September mit der Talkshow auf. Das neue Reportage-Format in der ARD beginnt erst im nächsten Jahr. Also kann ich ab dem 10. Oktober die Chance wahrnehmen auf Tour zu gehen.

Wieviel Beckmann steckt in den Geschichten, die Sie erzählen?

Das sind kleine persönliche Beobachtungen. Ob nun die Begegnung mit „Charlotte“, der Fleischwarenfachverkäuferin in meiner Kindheit so oder ähnlich stattgefunden hat, sei dahingestellt. Bei dem Stück „Bremen“ habe ich ein bisschen dazu gedichtet, aber so könnte es gewesen sein. Ich fuhr damals einen Käfer und war gut begleitet zum ersten Mal Richtung Bremen ins Steintorviertel unterwegs. Das wirklich Erlebte kommt mit dem Erfundenen zusammen. Etwas herum zu fantasieren, ist ein großer Spaß.

Äußerlich haben Sie sich verändert. Schwarze Lederjacke, keine Brille. So kennt man Sie aus dem Fernsehen nicht...

Das ist eher zufällig. Ab und an nehme ich meine Brille ab. Ich bin nicht so wahnsinnig kurzsichtig. Manchmal ist es ganz gut sogar, diffus in den Raum zu schauen, da ist man weniger nervös, wenn man sein Publikum nur unscharf erkennt. Aber keine Sorge, auch die Lederjacke hat nichts Programmatisches, die hängt seit Jahren bei mir im Schrank.

Sie geben aber weniger den Rockstar als vielmehr den Singer/Songwriter.

Ich fände es lächerlich, in meinem Alter auf die Bühne zu gehen mit einer tief hängenden E-Gitarre um den Hals. Mich interessieren inzwischen andere Klänge und Sounds. Die Phase der österreichischen Songschreiber um Ludwig Hirsch und Georg Danzer fand ich immer gut. Ein unaufgeregter, lässiger, tiefenentspannter Vortrag, aber trotzdem waren die Texte leicht vergiftet. Immer war eine Pointe drin. Ich bin auch ein großer Fan von Element of Crime oder Funny van Dannen und schätze die poetische Erzählweise von Reinhard Mey.

Auf Ihrer Platte finden sich zwölf Songs. Wie groß ist Ihr Live-Repertoire?

Ich habe so zirka 40 Stücke geschrieben, davon spielen wir live etwa 25 Songs. Eigentlich könnten wir morgen ins Studio gehen und eine zweite Platte aufnehmen. Das werden wir wahrscheinlich dann nächstes Jahr auch machen.

Wie oft fliegen BHs oder Plüschtiere zu Ihnen auf die Bühne?

Bisher noch nie, wir haben es auch nicht vermisst. Aber unter vier, fünf Zugaben kommen wir nicht nach Hause. Es ist ein schönes Gefühl, dass sich die Leute in den Geschichten wiederfinden. So schräge oder sentimentale Erlebnisse hat offenbar jeder mal und erinnert sich gerne daran, wenn er die Songs hört.

Sie sind Fan und Vereinsmitglied von Werder Bremen. Was halten Sie davon, dass Thomas Schaaf Eintracht Frankfurt trainiert?

Eine kluge Entscheidung, ihn zu holen. Man muss aber damit rechnen, dass man vom ihm nicht viele Worte hören wird. Er ist das beste Beispiel, dass man mit einfachen, intelligenten fußballerischen Mitteln, aber mit einem ganz großen Herzen viel erreichen kann.

Kritiker behaupten, außer Bremen könne er nichts.

Wenn es den weiten Blick braucht, wird ihn Heribert Bruchhagen schon an die Hand nehmen und ihm klarmachen, dass er am Main und nicht mehr an der Weser arbeitet. Schaaf hat einen guten Instinkt, man darf ihn auf keinen Fall unterschätzen. Er passt schon sehr gut zur Eintracht.

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