In 60 Minuten: Wie aus Jürgen Peusch die glamouröse Jutta P. wird

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Viel Puder, Make-Up und Theaterschminke sind nötig, um aus Jürgen Peusch (links) Kult-Blondine Jutta P. (rechts) zu machen. Diese Wandlung dauert insgesamt eine Stunde.

Mühlheim – Wenn Travestie-Star Jutta P. in ihrem Mühlheimer Theater auftritt, ist nicht mehr viel übrig vom Mann, der unter der Perücke steckt. Seit 30 Jahren mimt Jürgen Peusch die Jutta P. Dem EXTRA TIPP hat er  gezeigt, wie er die Wandlung vollzieht. Von Jennifer Dreher

Es ist 16.15 Uhr. Jürgen Peusch trägt ein schwarzes Hemd und eine Jeans. Seine Haut ist noch gerötet vom Rasieren. Ein Muss vor dem Schminken. „Die Show zwingt mich zum Rasieren. In der Sommerpause trage ich auch mal Bart“, sagt er.
Seit er 20 Jahre alt ist, schminkt sich der heute 49-Jährige zur Frau. „Damals noch lange nicht so gut wie heute“, sagt Peusch und lacht. Bis 18 Uhr hat er noch Zeit. Dann kommen die Gäste in das Theater und wollen begrüßt werden – natürlich persönlich von den Travestiekünstlern Gerda Ballon und Jutta P.

Doch die markanten Züge des Männergesichts gilt es vorher noch mit Puder zu modellieren. Dabei kommen dunkle Töne zum Einsatz und viel pink. Um 16.44 Uhr ist die Grundierung perfekt, und auch die Augenumrandungen hat Peusch mit schwarzer Farbe und einem Pinsel vorgezeichnet (siehe zweites Bild von links).
Knifflig wird es dann bei den Wimpern (siehe drittes Bild von links). „Die haben auch schon mal an der Wange geklebt“, erinnert sich Peusch. Doch das passiere nicht häufig. „Zum Glück, sonst hätten wir auch nicht seit Jahren Erfolg mit unserer Show“, vermutet der Travestiekünstler. Denn er ist Perfektionist. Kein Staubkorn darf auf den Fensterbänken im Foyer liegen. Die Vorhänge müssen ideale Falten werfen und alle der dutzenden Lämpchen, Birnen und Strahler müssen leuchten. Darauf legt Peusch wert. Da müssen auch die Konturen der Lippen symmetrisch und genau gezeichnet werden (siehe viertes Bild von links).
Mittlerweile ist es 17.15 Uhr. Genau eine Stunde hat Peusch zur Vollendung des Make-Ups gebraucht. Mitsamt blonder Walle-Perücke ist die Wandlung perfekt (siehe Bild rechts). Jutta P. klatscht in die Hände und ruft: „Dann kann die Show ja losgehen!“

Angefangen hat die Geschichte des erfolgreichen Travestie-Theaters Gerdas Kleine Weltbühne im Jahr 1974 in einer Kneipe an der Offenbacher Straße in Mühlheim. Gerhard Stein überrascht zum Einjährigen mit einem Auftritt als Frau. Gerda Ballon war geboren. Einzigartiges Merkmal: Ihr freches Mundwerk. Die kommt so gut an, dass 1985 aus der Kneipe ein Travestie-Theater wird. 2005 zog Stein mit seinem Theater in die angrenzenden Räume der Willy-Brandt-Halle an der Dietesheimer Straße 90 in Mühlheim. Dort steht er mit seinem Partner Jürgen Peusch als Jutta P. mehrmals die Woche auf der Bühne. Weitere Infos: www.gerdas.de

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