Frankfurter Max Weinberg hat sein ganzes Leben der Kunst gewidmet

„Malen ist wie Rauschgift für mich“

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Max Weinberg mit einem seiner schrillen Bilder in seinem Frankfurter Atelier. Mehr Fotos aus dem Atelier auf www.extratipp.com.

Frankfurt – Eine Frau mit drei Beinen begegnet einem gleich am Eingang. Ein pinker Drache leistet ihr Gesellschaft. Schon ist man in Max Weinbergs Welt eingetaucht. In seinem Frankfurter Atelier schafft er sonderbare Wesen, die die Phantasie der Menschen wieder anregen sollen. Von Fabienne Seibel

 

Es scheint, als sei ein Wirbelsturm durch sein Atelier gefegt. Nur drei Schritte geradeaus, und schon ist man auf eines von Weinbergs unzähligen bunt bemalten Bildern getreten, die den Boden seines Ateliers leuchten lassen .

„Wer die Geister ruft, wird sie nicht los.“ Mit diesem Zitat aus Goethes „Der Zauberlehrling“ beschreibt Weinberg seine Leidenschaft zum Malen. Der 85-Jährige hat sein komplettes Leben der Kunst gewidmet. „Malen und die Kunst sind wie Rauschgift für mich“, sagt er.

Frühe Liebe zur Kunst

Schon als Kind stand für ihn fest, dass er nie etwas anderes machen will. „Ich habe im Schulunterricht immer gemalt und eines Tages hat mein Lehrer meine Stifte aus dem Fenster geworfen“, so Weinberg.

Beeinflusst von großen Künstlern wie Picasso und van Gogh fand Weinberg mit der Zeit seine eigene Richtung. „An diesen beiden Künstlern hat mir gefallen, dass sie mit ihren Werken die Kunst revolutioniert und etwas völlig anderes als andere gemacht haben“, sagt er.

Bilder aus dem Atelier von Max Weinberg

Bilder aus dem Atelier von Max Weinberg

Beim Besuch in Weinbergs Atelier, das er selbst „Spielraum der Phantasie“ nennt, merkt man schnell: Auch der 85-Jährige ist irgendwie anders. Er malt täglich bis zu zehn Stunden und genießt es, tun und lassen zu können, was er will. „Ich könnte niemals einen normalen Beruf ausüben. Es ist ein großes Glück, dass ich mein eigener Herr sein kann. Ich bewundere Menschen, die jahrelang richtig berufstätig sind. Aber ich denke, gerade dieser Druck macht die Menschen unzufrieden.“

Aufweckende Bilder

Genau das ist es, was Weinberg mit seinen grellen Werken kritisiert. „Meine Kunst weckt auf, weil sie anders ist. Ich will den Leuten zeigen, dass es nicht schlimm ist, anders zu sein und mit meinen Bildern einen Ausgleich zur gesellschaftlichen Steifheit schaffen“, so der Frankfurter Künstler.

Der normale Lauf der Dinge ist nichts für Weinberg. „Auf Partys oder anderen Veranstaltungen langweile ich mich. Die Gespräche sind immer die selben. Das ist nichts für mich, ich lebe eben auf einem anderen Planeten“, meint Weinberg.

Dieser Planet ist geprägt von knalligen Farben, kreativem Chaos und lauter Beethoven-Musik. „Die Musik von Ludwig von Beethoven spiegelt die Stimmung meiner Bilder wider. In seinen Werken gibt es Dramatik, Spannung und Reibung mit dem Alltäglichen, genau wie bei mir.“

Malen ohne Vorgabe

Wenn Weinberg malt, dann ohne Ziel und Vorgabe, sondern von innen heraus. Aus Öl, Kreide oder Aquarell entstehen zum Klang von Beethovens Sonaten schrille Gestalten mit vielen schwarz umrandeten Augen, mehreren Beinen und auch Brüsten. „Ich male nur was mir gefällt. Oft lasse ich Bilder monatelang liegen und warte ab, ob ich noch weitere Ideen habe“, sagt der freischaffende Künstler.

Die meiste Freude bereitet es dem Paradiesvogel, mit seiner Kunst zu schockieren: „Mir macht es Spaß, mit meiner Kunst Normen infrage zu stellen.“

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Wer die Werke von Max Weinberg bestaunen will, hat noch bis zum Montag, 26. August, die Möglichkeit dazu. Solange ist noch die gemeinsame Ausstellung von ihm und der Fotografin Elisabeth Baron im Frankfurter Literatur-Cafe Wiesengrund, Am Weingarten 14, zu sehen.

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