„Kopierst du nur, bist du raus“

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In Aktion: Gabor Kovacs im London T.G.I. Friday‘s Flair-Lokal.

Region Rhein-Main – Wenn Gabor Kovacs in London eine Bar betritt, hört jeder Barkeeper sofort auf zu mixen. Er hat Angst. Angst, Gabor könnte ihn beklauen. Aber Gabor ist kein Dieb und hat es nicht nötig Ideen zu klauen. Gabor Kovacs gehört zu den weltbesten Flair-Barkeeper. Sein Handwerk hat er in Egelsbach gelernt. Von Mareike Palmy

Jeder Barkeeper hat Ehrfurcht vor Gabor Kovacs und seiner Gruppe Flairmotion, denn die Jungs verstehen ihr Handwerk: Flairbarkeeping. Das ist das kunstvolle, artistische Jonglieren mit Flaschen, Gläsern und Barkeeperutensilien. Ein Cocktail wird so auf künstlerische und unterhaltende Art gemixt. Es entstand Anfang der 80er Jahre in den USA als zusätzliche Attraktion für Gäste in Bars.

Neben der Arbeit an der Theke, wo viele Bartender ihre Arbeit durch Flaireinlagen unterstreichen, gibt es weltweit Wettkämpfe. Schon lange ist ein Kampf in der internationalen Szene um Stile, Tricks und Bewegungen entfacht. Gerade im Flair Mekka London, wo Gabor die letzten acht Jahre verbracht hat. Nach seiner Ausbildung bei Alfons Schuhbeck in Egelsbach ging's sofort nach England.

Die Luft ist dünn auf internationaler Ebene

Hier spielt man in der Champions League des Flairbartendings mit Städten wie Las Vegas um die Krone des Flairs: „Auf internationaler Ebene ist die Luft dünn geworden, kopierst du wirst du nicht akzeptiert“, sagt der 28-Jährige. Daher lautet auch das Motto von Gabor und seiner vierköpfigen Gruppe „Don't be a copy machine, find your own moves and your own style“, was soviel bedeutet wie: Kopierst du, bist du raus, also sei kreativ und du bekommst Anerkennung.

 „Flairmotion“ hat sich die Gruppe um Gabor getauft, die sich 2002 gründete. Kopf des Flairmotion-Unternehmens ist der Franzose Nicolas St. Jean. Er arbeitete gemeinsam mit Kovacs in London als Kellner und entdeckte schnell seine Talent zum Flairbartender. Die Karriere der Beiden startete im Flairlokal T.G.I. Friday's in Bayswater. Auch bekannt aus dem Tom Cruise Film „Cocktail“.

Gruppe kommt aus der ganzen Welt

Die Jungs kommen aus der ganzen Welt. Nicolas aus Frankreich, Florian aus Deutschland, Illias aus England und Gabor, der in Ungarn geboren wurde. Monaco, Paris, Kapstadt – überall hat das Team seine Auftritte. Zurzeit sind alle Flairmotion-Mitglieder auf dem ganzen Erdball verteilt. Jeder geht seinen Plänen nach. Nur für gebuchte Auftritte kommen sie zusammen. MTV-Spots, Nokia- und Langnese-Werbung, Red-Bull Veranstaltungen – die Jungs sind schon oft für große Veranstaltungen geordert worden.

Stets auf der Suche nach Neuem

Gabor Kovacs vor der Küste Monacos beim Red-Bull Trainingscamp.

Flairmotion bedeutet der Feinsinn, das Gespür für die Bewegung, die Körpersprache beim Flair. Im Fokus steht das Prinzip der Kreativität: „Flairmotion versteht sich als Flair einer neuen Schule. Barkeeping auf eine ganz neue Art und Weise“, erklärt Gabor. Die Philosophie des Teams ist die Suche nach Neuem: „Flair ist nicht nur mit den Flaschen jonglieren, der ganze Körper kommt zum Einsatz“, erklärt Gabor.

Jedes Mitglied hat seinen eigenen Stil. „Den zu finden, bedeutet hartes Training. Viele denken, einen Trick zu kopieren und abzuwandeln wäre schon eine Eigenkreation“, sagt der Profi. Kovacs ist bekannt für seinen Boomerang-Trick. Dabei hält er die Flasche zwischen den Fingern. Dreht sie kurz an und sie bewegt sich wie ein Hubschrauber-Propeller. So hat jedes Mitglied seinen „Move“. Manchmal trainieren sie stundenlang und probieren neue Würfe und Tricks aus.

Wer Gabor in Aktion sehen möchte, kann sich sein Video auf youtube.com anschauen und staunen.

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