Abschlusskonzert in Langen

Kult-Band Cashma Hoody: 20 Jahre Spaß haben ein Ende

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Die Hoodys lösen sich auf: Boris Eckert (von links), Niels Wendt, John Abdelsayed, Sebastian Wehr, Carsten Reiter, Stefan Wißman.
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Region Rhein-Main – Die Kult-Band Cashma Hoody löst sich auf. Diese Entscheidung haben die sechs Musiker schon länger mit sich herumgetragen. Jetzt soll nach zehn Alben und 22 Jahren auf Tour am 10. Oktober tatsächlich Schluss sein. Von Dirk Beutel

Mit ihrem Reggae-Crossover haben sie Generationen begeistert und zum Feiern gebracht. Ganz gleich ob vor der Bühne 20 oder 2000 Menschen standen. Zahlreiche Fans haben mit Chasma Hoody ihre Jugend verbracht. Aber jeder wird irgendwann mal erwachsen. Das gilt auch für die Hoodys, für die es in den vergangenen Jahren immer schwerer wurde, gemeinsam Musik zu machen. „Diese Entscheidung stand schon seit längerem im Raum, weil es immer schwieriger für uns wurde, uns zu den Proben zu treffen, weil sich jeder nun mal auch privat weiterentwickelt“, sagt Niels Wendt, der bei den Hoodys die Percussions bearbeitet und singt. Am Ende habe man sich bislang aber immer zusammengerauft und weiter gemacht. Auch wenn jeder Einzelne immer mehr Kompromisse eingehen musste.

Man habe sich lange auf den Lorbeeren ausgeruht

Das haben sie anfangs noch mitgemacht. Wegen der Musik, wegen des Gefühls. Denn sie sechs Musiker sind nicht nur Bandkollegen, sie sind Freunde. Freunde, die zusammen über viele Jahre lang zusammen harmonierten, vor allem bei ihren Live-Auftritten. „Wir sind emotional extrem aneinandergewachsen. 22 Jahre ist eben eine lange Zeit für eine Beziehung“, sagt Niels Wendt. „Bei uns lag von Anfang an eine enorme kreative Kraft drin, die ist zwar immer noch da, aber durch die persönlichen Umstände kommen wir nur noch ganz selten dazu, sie freizulassen. Wir stehen eben an einem ganz anderen Punkt im Leben als vor 20 Jahren“, sagt Sänger John Abdelsayed. „Die ersten fünf, sechs Jahre haben wir noch zweimal die Woche geprobt und am Wochenende zwei Konzerte gespielt. Jetzt schaffen wir es einmal alle vier Wochen, da hatten wir schon Zeitdruck um ein Set vorzubereiten oder neue Songs auszuprobieren“, sagt Wißmann. Man habe sich zu lange auf seinen Lorbeeren ausgeruht, sagt Sänger Abdelsayed. Keine neuen Songs, immer weniger Auftritte: „Bevor wir einfach verschwinden, wollen wir es selbst in der Hand haben und nocheinmal ein Zeichen setzen.“ Und das soll am Samstag, 10. Oktober, in der Neuen Stadthalle Langen sein, dort soll der letzte Hammer fallen.

Schon als die letzte Setlist an die Bandmitlieder verteilt wurde, machte sich schnell der Wehmut breit. Man gehe aber mit einem weinenden und einem lachenden Auge: „Für eine kurze Zeit waren wir Teil von diesem großen Musikapparat. Auf einer Bühne mit Gentleman oder Jan Delay beim Sommer Jam. Diese Momente nehmen wir für uns mit.“, sagt Wendt.

Durchbruch stand kurz bevor

„Wir sind froh, dass wir überhaupt so lange Musik machen durften. Aber damit endet ein weiterer Teil für uns, den wir mit unserer Jugend verbinden“, sagt Wißmann.

Der absolute Erfolg stand immer wieder kurz bevor. Doch so richtig groß sind Cashma Hoody doch nicht herausgekommen. „Wir hatten zwar mal den Fuß in der Tür, aber wir waren wohl mit unserem Reaggae-Crossover unserer Zeit voraus“, sagt Wendt. Geld hat die Band nie mit ihrer Musik verdient, war dafür aber auf den Bühnen in ganz Deutschland unterwegs, 2001 waren sie Vorband der Musikgruppe UB40. Ihr persönlicher Höhepunkt war ihr Auftritt 1999 bei Sound of Frankfurt vor rund 10.000 Menschen auf der Hauptbühne. Und das als einzige Band ohne Plattenvertrag, zwischen Musikgrößen wie Laith al Deen oder der Band Echt.

Jetzt wollen sie alle ihrer Wege gehen. Dass die Band nocheinmal zusammenkommen könnte, und Konzerte spielt, wollte man nicht ausschließen. Wendt: „Unseren Proberaum behalten wir noch so lange wie möglich. Wir wollen uns nicht aus den Augen verlieren, das ist wie mit alten Freunden.“

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Dirk Beutel

Dirk Beutel

E-Mail:dirk.beutel@extratipp.com

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