Jan Delay‘s neues Album: „Kopf aus - Arsch an“

+
Am 14. August erscheint Jan Delays neues Album "Wir Kinder vom Bahnhof Soul".

Hamburg - Eineinhab Jahre hat sich Jan Delay mit seiner Band im Studio eingesperrt - herausgekommen ist er mit dem dritten Soloalbum “Wir Kinder vom Bahnhof Soul“.

“Es ist wieder eine Tanzplatte, es geht in erster Linie darum, den Kopf aus und den Arsch anzuschalten“, erklärt der 32-Jährige. Sie erscheint am 18. August, die erste Single-Auskoppelung “Oh Jonny“ ist bereits seit Ende Juli erhältlich. Dass die Produktion etwas länger gedauert hat, liege an seinem Perfektionismus. “Ich werde lieber wahnsinnig, bevor ich nicht zu 100 Prozent zufrieden bin.“ Die Strapazen der vergangenen Monate sieht man dem Hamburger aber nicht an. Sichtlich entspannt und braungebrannt erscheint er zum Interview. Er habe sich eine kurze Auszeit gegönnt. “Ich komme grade aus dem Urlaub, eine Woche Ibiza.“

Delays zweites Funk-Album zeigt aufs Neue die stetige Entwicklung des vielfältigen Musikers, der bereits in den 1990ern mit seiner HipHop Band Beginner (damals Absolute Beginner) Erfolge feierte. Später folgte eine Solo-Reagge-Platte und dann der gelungene Sprung zum Tanz- und Funkalbum “Mercedes Dance“ (2006). Sein jüngstes Werk knüpfe an den Vorgänger an. “Die neue Platte wäre ohne “Mercedes Dance“ nicht möglich gewesen. Man muss sich die Kinderschuhe anziehen und rumtrampeln, umfallen, wieder aufstehen, wachsen, Erfahrungen sammeln und größer werden“, erklärt er.

Neu ist diesmal, dass “ein Tick weniger Politik und mehr Gefühl“ dabei ist, etwa bei “Mindestens Ein Leben Lang“, “Hoffnung“ oder “Little Miss Anstrengend“. Früher habe er bei “Schmonzetten“ lieber die Texte anderer Musiker wie Nena oder Rio Reiser genommen. “Da habe ich mich nicht so geschämt“, erklärt Jan Delay. “Inzwischen bin ich lockerer und älter geworden.“

Bei seinen Texten stellt Jan Phillip Eißfeldt - so der gebürtige Name - erneut seine Kreativität unter Beweis: “Ein Laster voller Laster, so läuft das wenn wir feiern“, heißt es bei “Abschussball“. Der Song “Showgeschäft“ beschreibt, dass man Geduld, Disziplin und “100 Kilo Talent“ braucht, um in jenes zu gelangen: “Doch von 100 kommt nur einer nach oben, der Rest landet bei Neunlive oder auf Drogen.“ Besonders wichtig sei ihm der Text von “Kommando Bauchladen“, erklärt der Musiker. Das Lied kritisiere die zunehmende Gleichförmigkeit der Innenstädte, die von großen Konsumketten vereinnahmt werden: “Tante Emma wurde umgebracht, von Onkel H und Onkel M....Nie mehr verlaufen egal wo ich bin, denn in jeder Innenstadt ist es das gleiche.“

Nach Festivalauftritten in diesem Sommer tourt Jan Delay im Herbst mit seiner Band durch Deutschland. Das Zusammenspiel sei großartig, die Atmosphäre ähnlich einer Klassenfahrt. “Man muss mit all denen gerne in einem Fahrstuhl steckenbleiben, und wir sitzen auch jeden Tag gerne wieder in einem Bus.“ Natürlich sei die Konzertreise auch strapaziös, allerdings nicht wegen der Leute. “Anstrengend ist, was wir da zu wuppen haben. Das gehört aber dazu und ist unser Job.“ Höhepunkt ist dann am 16. März 2010 das große “Heimspiel“ in der Hamburger Color Line Arena.

In welche Musikrichtung es nach “Wir Kinder vom Bahnhof Soul“ weiter gehen soll, weiß der 32-Jährige noch nicht. “Ich bin jetzt voll im Kopf dabei, die neue Platte, live umzusetzen und Videos zu drehen.“ Das werde sicher noch ein Jahr dauern. “Und dann wird wieder eine Idee, ein Flash kommen.“ Auf jeden Fall will er sich mit seinen alten Bandkollegen Dennis und Mad zusammensetzen, um eine Beginner- Platte zu machen.

dpa

Kommentare