Und: Welche Tricks er Ihnen abkaufen wollte

Das verbindet die Ehrlich Brothers mit David Copperfield

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Die Ehrlich Brothers.

An manchen Illusionen arbeiten die Ehrlich Brothers jahrelang. Die beiden Magier verraten, welche Nummern Zauberlegende David Copperfield ihnen abkaufen wollte und warum Las Vegas für sie nicht interessant ist. Von Dirk Beutel 

Wie schwer ist es noch das Publikum zum Staunen zu bringen?

Andreas: Man denkt, es ist in der heutigen Zeit gar nicht mehr möglich, Menschen zu verblüffen. Aber ob es nun die Großmutter mit dem Enkel oder ein verliebtes Pärchen ist, jeder sehnt sich nach diesem Staunen. Je älter du wirst, umso mehr gerät das nun mal ins Hintertreffen. Trotz aller modernen Technik und Informationen sehnen sich ganz viele danach, sich ein Stück fallen lassen zu können und Kind zu werden.

Wie sieht eure tägliche Arbeit abseits der Bühne aus?

Andreas: Wir proben und arbeiten in einer Werkzeughalle, in unserer Zauberwerkstatt sozusagen. Die ist im Laufe der vergangenen Jahre auf 1000 Quadratmeter angewachsen. Bei unserer neuesten Nummer, dem Teleporter, haben wir zunächst mit Skizzen gearbeitet, dann hat mein Bruder das Ganze in einem 3D-Programm visualisiert. Dann fangen wir an, das zu konstruieren und fragen im Freundes- und Familienkreis nach, wo man etwas verbessern könnte. Wenn man sich mehrere Wochen nur mit so einem Projekt beschäftigt, wird man betriebsblind.

Illusionist bekommt man eher selten als Berufseignung mitgeteilt. Wie hat das mit der Zauberei bei euch angefangen?

Andreas: Ich war acht Jahre alt und habe einen Zauberkasten zu Weihnachten bekommen. Das war mein einziger Wunsch. Ich bin schon eine Woche vor der Bescherung auf die Suche gegangen, habe den Kasten im Schlafzimmerschrank meiner Eltern gefunden und heimlich geübt. An Heiligabend konnte ich schon die Hälfte der Tricks vorführen. Mich hat das total fasziniert und die Reaktionen natürlich. Wann kann man schon als Achtjähriger den eigenen Papa mal verblüffen?

Und dich Chris, hat er dann magisch angesteckt?

Ich war früher seine Assistentin. Wobei ich am Anfang so gar keine große Lust hatte, da mitzumachen. Ich musste aber herhalten für einige Entfesslungssachen und einmal war ich Testperson für eine Konstruktion mit der ich schweben konnte, die aber vor versammelter Familienkulisse in sich zusammengebrochen ist und mit einer Platzwunde am Kopf endete. Ein Schlüsselerlebnis hatte ich aber mit 15 Jahren, als ich zum Austausch in Frankreich war und dort nicht so recht den Anschluss gefunden habe. Da habe ich Andreas angerufen und ihn um ein paar Zaubertricks gebeten, um bei den Mädels etwas besser anzukommen.

Welcher Magier hatte den größten Einfluss auf euch?

Andreas: In der Kindheit auf alle Fälle David Copperfield. Das war schon die prägendste Figur für uns. Wir hatten schon in unserer Kindheit immer eigene Ideen, die wir selbst verwirklichen konnten, mit Hilfe unseres Vaters, der uns beim Bauen im Werkkeller behilflich war. Dadurch kamen wir sehr früh an dieses handwerkliche Element des Zauberns heran. Den Vorbildern haben wir nachgeeifert, aber ohne sie zu kopieren. Umso stolzer waren wir, als Copperfield später gefragt hat, ob wir ihm nicht die Aufführrechte zwei unserer Nummern verkaufen möchten.

Habt ihr sie ihm überlassen?

Christian: Nein. Wir haben lange verhandelt und intern diskutiert. Letzten Endes haben wir uns gesagt. Wenn die Illusionen so gut sind, dass selbst Copperfield sie haben will, dann ist das genau der Grund, warum wir sie aufführen müssen. Rückwirkend war das die richtige Entscheidung. Die Menschen spüren, dass das unsere Babys sind.

Welche Nummern wollte Copperfield?

Andreas: Es könnte etwas mit wachsenden Pflanzen und mit Schnee zu tun haben.

Greift ihr heute immer noch selbst zum Hammer und Säge?

Christian: Das ist ein großer Bestandteil unserer Arbeit. Und da sind wir voll integriert. Wir haben jetzt natürlich ein ganzes Team mit 30 Mann auf Tour. Schlosser, Werkzeugmacher, Ingenieure arbeiten uns dabei zu, aber die Ideen, die Architekten einer Idee, das sind immer noch wir.

Ablenkung gehört zur Show. Wie wichtig ist eine sexy Assistentin und warum habt ihr keine?

Andreas: Klar, Ablenkung ist ein wichtiges Mittel mit dem man arbeitet, man könnte es aber nennen, den Focus bewusst auf etwas lenken. Wie bei einem gutem Film: Da kann man sich zwei Stunden fallen lassen und du saugst die Effekte dort auf, als wären sie echt. Wir versuchen selbst mit wenig Ablenkung zu arbeiten, damit der Zuschauer den Eindruck bekommt: Ich habe es doch mit eigenen Augen gesehen.

Wann habt ihr eure eigene Show in Las Vegas?

Christian: Es gibt Anfragen aus Las Vegas. Aber wir fühlen uns pudelwohl mit unserem Rock´n´Roll-Tournee-Leben. Abgesehen davon ist Las Vegas nicht so attraktiv, wie es von außen den Anschein haben mag. Für Siegfried und Roy war Las Vegas das Größte, für uns nicht, dafür fühlen wir uns viel zu wohl in Deutschland.

Magische Momente beim EXTRA TIPP

Die beiden berühmten Zauberkünstler und Magier „Ehrlich Brothers" gehen auf Deutschland-Tournee, am 9. Dezember sind sie auch in der Offenbacher Stadthalle. Uns haben sie vorab in der Redaktion besucht und und mit einigen ihrer Tricks verblüfft.

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