Huch, "Bobbelsche" wirkt gar nicht mehr wie ein TV-Kasper

Von Axel Grysczyk/Offenbach - Mark Medlock zupft an seinem Ziegenbärtchen. Die Fingernägel sind bedrohlich weit runtergeknabbert. Aufmerksam hört er der Frage zu seinem eigenen Drogenkonsum zu. Als er antwortet treten die gut sichtbaren Äderchen an seinem Hals noch weiter hervor.

"Ich werde mich dazu nicht äußern", sagt er und fügt hinzu: "Es gibt genug Leute, die einem den Erfolg nicht gönnen und dazu noch irgendetwas in die Welt setzen. Warum müssen Künstler immer dazu etwas sagen, warum befragt er nicht mal die Arschlöcher, die so etwas behaupten?" Sagt's, nimmt einen Schluck Latte Macchiato und lehnt sich mit der Gewissheit zurück, auf dem Weg von der flippigen Kunstfigur Medlock zu einem charakterlich gereiften Künstler zu sein.

Ein Fragen-Feuerwerk von zehn Journalisten aus dem Rhein-Main-Gebiet brasselt auf den 30-jährigen Ex-Offenbacher (insgesamt elf Jahre im Lohwald und in Lauterborn gelebt) nieder. Schließlich beginnt seine neue Tour am 5. November in der Neu-Isenburger Hugenottenhalle. Und obwohl sein ganzes Erscheinen sich noch immer von der Theatralik des Mark Medlock aus Deutschland sucht den Superstar nährt, besticht er mit Manieren und Tiefgang: Die Frage nach seinem Reichtum werde er nicht beantworten, weil man einen Fremden nicht nach seinem Einkommen fragt. Eine Fernseh-Kritik wie jüngst Reich-Ranicki (siehe Seite acht) würde er sich nicht anmaßen. So etwas gehöre sich nicht vor so vielen Leuten. Und auf sein hessisches Pendant bei Germanys next Top-Model, Gina-Lisa, befragt, ringt er zunächst mit Worten, um dann zu sagen, dass er dazu lieber schweigt, weil er nicht frech antworten möchte.

Medlock wirkt nicht mehr wie das wahr gewordene Märchen des Sängers von der Straße, der großen Ruhm erntet. Viel reifer ist er geworden. Erklärt, dass er seit seinem Emporschießen in den Gesangshimmel (ein Instrument beherrscht er nicht) keine Freunde sucht, weil es zu schwer geworden ist, ehrliche Absichten zu erkennen. Und fügt hinzu, dass er nie aufhören wird zu singen und für seinen Erfolg zu kämpfen, weil es das war, was ihn "aus der ganzen Kacke rausgebracht hat."

Da sitzt er nun mit seinen weißen Turnschuhen mit roten Schnürbändern, der Lederjacke mit dem Ed-Hardy-T-Shirt drunter und der weißen Baseballkappe mit dem Austria-Schriftzug, leichten Akne-Rückständen aus der Jugend auf der Wange und erzählt vom neuen Medlock-Leben: Von seiner Wohnung mit den fünf Katzen in Berlin, seiner engen Freundschaft zu Dieter Bohlen und seiner Weiterentwicklung. Sein Fazit: "Kommt am 5. November in die Hugenottenhalle, dann werdet ihr den Unterschied schon merken." Und man spürt, dass er nicht nur die Musik meint. Mark Medlock, 5. November, 20 Uhr Hugenottenhalle Neu-Isenburg, Eintritt: 33 Euro. Karten an allen bekannten Vorverkaufsstellen. (Mark Medlock äußert sich auch in unser Serie "So halte ich mich fit" auf Seite 13).

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