Nach fast acht Jahren ist Schluss bei Gerdas Weltbühne

Stephan Mündelein, der Mann für alle Fälle, hat neue Ziele

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Auch die Schauspielerin Uschi Glas besuchte die Weltbühne in Mühlheim.

Mühlheim  - Stephan Mündelein  verlässt Gerdas kleine Weltbühne. Das älteste Travestietheater  im Rhein-Main-Gebiet verliert damit sein Mädchen für alles und den guten Geist hinter den Kulissen. Von Dirk Beutel

Er brachte die Stars der Region und Prominenz auf den roten Teppich von Gerdas kleiner Weltbühne. Und dass, obwohl er auf der Theaterbühne nur selten zu sehen war. Seine Plattform war davor, dahinter und nebenan. Stephan Mündelein war der gute Geist von Gerdas kleiner Weltbühne, dem ältesten Travestietheater im Rhein-Main Gebiet.

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Während Gerda Ballon, Jutta P. und René sich um das künstlerische Programm kümmern, war der 42-Jährige für alles andere zuständig: PR-Arbeit, Service, Einkauf, Kartenverkauf, Dekoration bis hin zum Staubwischen. Fast acht Jahre war er das Mädchen für alles, das auch fast alles konnte. Das ist aber vorbei. Mündelein hört auf. Der gebürtige Gießener will sich neuen Herausforderungen stellen und zurück in seine alte Branche, dem Gesundheitswesen. Was nicht viele wissen: Mündeleins Passion ist eigentlich die Pflege.

Ausbildung zum Pfleger in Frankfurt

In Frankfurt hat er seine Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger abgeschlossen, hat nebenbei im Bürgerhospital und im Rettungsdienst gearbeitet. Danach ging er sofort in die Selbstständigkeit, gründete mit einem Kompagnon den ambulanten Pflegedienst Quo vadis, der sich auf Krebspatienten spezialisiert hatte. Dann kam 2007 der Wendepunkt: Burn out, Mündelein konnte nicht mehr, brauchte Abstand vom menschlichen Leid, mit dem er täglich konfrontiert war. „Ich musste etwas völlig anderes machen“, sagt Mündelein, der als Jugendlicher schon Gastronomieerfahrung im Dortmunder Eck oder Zur Linde gemacht hatte – Gastwirtschaften, die seine Eltern betrieben.

"Der passt hier genau rein"

Während Mündelein als Pflegedienstleitung ausstieg, zogen Gerda Ballon und Jutta P. mit ihrer Weltbühne gerade ein. Nämlich von der Offenbacher Straße in die Willy-Brandt-Halle. Dort sollte es neben der Bühne auch einen Gastro-Bereich geben, den er übernehmen sollte. Man kannte sich bereits im Vorfeld gut, da der 42-Jährige oftmals als Gast zu Besuch war. „Da gab es nie große Gespräche. Es hieß nur: Der passt hier genau rein“, sagt Mündelein. Daraus entstand eine innige Freundschaft. Fast acht Jahre rührte er die Werbetrommel für die Weltbühne. Und wie.

Und die Promis kamen

„Stephan, du nervst“, soll er sich regelmäßig angehört haben müssen, weil er ständig am Smartphone oder Laptop hing und die sozialen Netzwerke mit Neuigkeiten aus der Weltbühne fütterte. Aber es hat sich gelohnt: Nicht nur zahlreiche Prominente aus Unterhaltung und Politik, wie Uschi Glas, Corny Littmann, Bernd Reisig, Bodo Bach, Boris Rhein, Petra Roth  oderVolker Bouffier  sahen sich die Shows an. „Viele kannte ich überhaupt nicht. Ich habe mich einfach frech bei denen gemeldet und sie eingeladen.“ Und sie kamen.

Die Tür steht ihm immer offen

Zu Mündeleins Höhepunkten zählen außerdem der große Prinzenauflauf  mit den Tollitäten der Region, die Rosa Wölkchen Sitzungen und vor allem die große Show zum 40. Jubiläum der Weltbühne. Kein Wunder, dass Gerda und Jutta vor Schreck erstmal alles aus den Händen gefallen ist, als sie bei einem Samstags-Frühstück vor einigen Tagen von Mündeleins Zukunftsplan erfuhren. Sie wissen, was sie an ihrem langjährigen Kollegen haben. Mündelein: „Immerhin haben mir beide die Tür offen gelassen. Wenn ich will, kann ich jederzeit wiederkommen.“

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