So genervt kann ein Seewolf sein

Sebastian Koch, Hauptdarsteller im „Seewolf“ des ZDF, im Publikum in Dieburg.

Dieburg – Sebastian Koch, der in dieser Woche als hochintelligenter Robbenschlächter im TV-Zweiteiler „Der Seewolf“ Mitglieder seiner Crew fast totschlug oder Meuterer dem Meer überließ, ist gestresst. Von Jens Dörr

„Er ist müde, packen Sie die Kartoffel besser wieder weg“, sagt Martin Wünderlich, Pressesprecher der Hochschule Darmstadt, auf dessen Einladung Koch am Montag auf den Campus Dieburg kam. „Gestern war der schönste Abend der Woche, weil mich mal niemand auf Kartoffeln angesprochen hat“, sagt der Schauspieler.

Der Bart des brutalen Kapitäns Wolf Larsen, den Koch nun spielte, ist zwar wieder ab. Die sechs, sieben Kilo Muskelmasse, die sich der 47-Jährige für die Rolle antrainiert hatte, sind allerdings noch da. Ob Koch die rohe Kartoffel mit bloßer Kraft seiner Hand zerdrücken kann – so die Kultszene in der Verfilmung und auch im Buch von Jack London – wagt jedenfalls niemand mehr zu fragen.

Nein, er habe weder einen Lieblingsfilm noch eine Lieblingsband, ohnehin sei er für Lieblinge jeder Art ohnehin zu beschäftigt wegen der Promo für den „Seewolf“. „Ich bin kein Lieblings-Typ“, sagt Koch – und macht sich mit seinem recht distanzierten Auftreten auch nicht überall beliebt. Vielleicht ist aber das sein Rezept, so gibt er es jedenfalls später auch als Ratschlag an die Studenten weiter: „Bleibt bei euch, geht nicht so viele Kompromisse ein“, sagt er, um aber gleich zu ergänzen: „Doch eigentlich bin ich auch kein Ratschlags-Typ, denn wer hört schon auf Ratschläge?“

Im Foyer der Aula auf dem Campus-Gelände warten bereits hunderte Studenten und Neugierige auf den Star. Der offenbar alles richtig gemacht hat in seiner Karriere: Rollen in „Das Leben der Anderen“, „Stauffenberg“ oder auch „Speer und Er“ hat jedenfalls nicht jeder vorzuweisen.

„Der Seewolf“ jedenfalls habe sich für Koch im Nachhinein als „Traumrolle“ erwiesen. Den Drang nach Freiheit, den konsequenten Einsatz für etwas könne man von Kapitän Wolf Larsen lernen, auch wenn der ein äußerst gewalttätiger Zeitgenosse ohne Moral sei. Von Sebastian Koch lernen, wie der Weg vom Medien-Campus Dieburg nach Hollywood klappe, können die Studenten an diesem Tag indes nicht: Den Ratschlag, wie das funktioniere, erteilt ihnen der Schauspiel-Star nicht.

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