Ein gemeiner Schlag, der in aller Gedächtnis blieb

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Boxer Freddy Wegner wird 80 Jahre alt.

Frankfurt – Manfred Wegner hat in seiner Box-Karriere den ein oder anderen Niederschlag einstecken müssen. Aber einer ärgert ihn besonders, auch weil er außerhalb eines Boxrings auf der Mitgliederversammlung von Eintracht Frankfurt stattfand. Am 11. März wird Wegner 80 Jahre alt. Von Norman Körtge

Es ist der 14. November 1988. Die Stimmung auf der Mitgliederversammlung von Eintracht Frankfurt im Gesellschaftshaus des Palmengartens ist aufgeheizt. Es geht um die Zukunft des umstrittenen Präsidenten Klaus Gramlich. Ein Fan steht am Rednerpult. Seine Redezeit ist überschritten, aber er denkt gar nicht daran, die Bühne zu verlassen. Deshalb tritt der als Ordner eingesetzte Manfred Wegner an ihn ran, fordert ihn auf zu gehen: „Geh runner!“, sagt er energisch. Doch da holt der Fan urplötzlich mit der Rechten aus, trifft den unvorbereiteten Wegner am Kopf, der zu Boden stürzt.

Wegner mag diese Szene, die sogar in den Tagesschau gezeigt wurde, nicht mehr sehen. Aber sie hat sich in das kollektive Gedächtnis von Eintracht-Fans eingebrannt. Es ist ein Stück Zeitgeschichte.

Wegner, der am 11. März seinen 80. Geburtstag feiert, ärgert es, dass in Rückblenden immer nur die Szene des Niederschlags gezeigt wird. Das er ruckzuck wieder auf dem Beinen stand und dem feigen Schläger nachsetzte, geht unter. „Hätten mich meine Kollegen nicht zurückgehalten, wäre es ihm schlecht ergangen“, erzählt er. Auch gehe unter, dass sich die beiden später versöhnten.

Vom Straßenschläger zum Box-Sportler

Freddy Wegner in jungen Jahren. 

Mit einem Schlag ins Gesicht und einem Veilchen begann allerdings auch sein Einstieg in ein neues Leben. „Ich war so eine Art Straßenschläger, der versuchte, sich mit Schlägen Respekt zu verschaffen“, berichtet er aus seiner Jugend. Dass ändert sich, als er einen Boxer herausforderte. „Es war im Günthersburgpark. Die anderen hatten einen Kreis um uns gebildet und ich habe wie wild versucht auf hin einzuschlagen, ihn aber nie richtig getroffen. Nach zwei Minuten war ich platt. Der andere aber noch fit. Und dann hat er mir eine verpasst“, erzählt Wegner als wäre es gestern gewesen. Es war aber 1948. Und der Boxer nahm ihn mit zu seinem Verein: Eintracht Frankfurt.

Seither ist er in der Boxabteilung. Viele kennen ihn unter seinem Spitznamen Freddy oder wie in Medien tauften: Rocky aus Niederrad. Viele Jahre war er aktiver Boxer. Bis heute ist er als Boxtrainer tätig. Sein Ziel: „Jugendliche von der Straße runterholen.“

Pionier des Frankfurter Mädchenfußballs

Wegner mit einer seiner Mädchen-Teams.

Bedeutender sowohl für ihn als auch für den Sport in Frankfurt ist allerdings die Tatsache, dass er zu den Pionieren des Mädchen- und Frauenfußballs gehört. Zu einer Zeit, als das ganze noch sehr belächelt wurde, wenn nicht sogar verpönt war. Selbst für ihn war das Ende der sechziger, Anfang der siebziger Jahre eine Sache, mit der er sich erst anfreunden wollte. „Ich glaube du spinnst. Du bist ein Mädchen“, sagte er zu seiner Tochter Angelika, als sie 14-Jährig mit dem Wunsch an ihn herantrat, Fußball zu spielen. Doch Wegner sprang über seinen Schatten und etablierte 1970 Mädchenfußball bei Union Niederrad. Mittlerweile hat er drei Generationen an Fußballerinnen trainiert. „Jetzt kommt die Frauen-Fußball-WM nach Frankfurt und alle werben damit“, sagt er mit einem zufriedenen Lächeln im Gesicht.

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