Gegen den "Grauschleier-Journalismus"

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Peter Hahne wird vom Brandenburger Tor aus eine neue Talkshow präsentieren.

Berlin - Peter Hahne macht eine neue Talkshow. "Ich habe was gegen den Grauschleier-Journalismus, bei dem es immer fünf vor zwölf ist", sagt er zum Konzept.

Peter Hahne wechselt die Rolle. Vom Brandenburger Tor in Berlin aus präsentiert er eine neue Talksendung. Dabei hat der Nachrichtenmann Zeit für ausführliche Gespräche - und stellt sich auch auf den einen oder anderen bissigen Kommentar gegen ihn ein.

Margot Käsmann ist Hahnes erster Talk-Gast

Elf Jahre war Peter Hahne stellvertretender ZDF- Hauptstadtstudioleiter. Jetzt wechselt der wertkonservative Journalist seinen Arbeitsplatz. Künftig steht Hahne (57) nicht mehr als Reporter vor dem Kanzleramt, sondern moderiert am Sonntagmittag eine Talksendung in einem Studio direkt am Brandenburger Tor. Dort bespricht er mit ein oder zwei Gästen ein Aufregerthema der Woche. Die Sendereihe heißt “Peter Hahne“ und beginnt an diesem Sonntag, 27. Juni, um 13 Uhr im ZDF. Zur Premiere kommt die ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Margot Käßmann.

“Eine halbe Stunde Sendezeit am Stück ist ein Geschenk“, sagt Hahne, der knappe Schaltgespräche und kurze Anmoderationen gewohnt ist. “Man muss die Gäste nicht immer gleich unterbrechen und kann ein Thema vertiefen.“

Lächelnd Biss zeigen

Aber noch ein Talkformat mehr - und das ausgerechnet zur Mittagszeit am Sonntag? Hahne kennt die Skepsis. “Es werden sicher keine super investigativen, konfrontativen, scharfen Interviews“, berichtet er über sein Konzept. “Aber man kann auch lächelnd Biss zeigen. Es geht um die Balance zwischen politischen und persönlichen Fragen, ohne dabei seicht dahinzuplätschern.“ Als Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) im Mai ausfiel, hätte er in seiner Sendung gefragt: “Dürfen Politiker nicht krank werden?“

Unerschütterlich gut gelaunt

Jede Woche bekommt Hahne Hunderte E-Mails von Zuschauern und Lesern seiner Kolumne in der “Bild am Sonntag“. Seine Bücher (“Schluss mit lustig - Das Ende der Spaßgesellschaft“) haben eine Auflage von sechs Millionen erreicht. Er ist stets optimistisch, hat einen unerschütterlichen christlichen Glauben und lächelt auf dem Bildschirm alles Böse weg.

Gegen die Propheten des Weltuntergangs

Zyniker nennen ihn den “guten Menschen vom ZDF“ und seinen neuen Talk “Das Wort zum Sonntag“. Hahne bringt das aber nicht aus der Ruhe und stellt sich auf den einen oder anderen bissigen Kommentar ein. “Ich bin lieber Gutmensch als Giftzwerg“, kontert er. “Und ich habe was gegen den Grauschleier-Journalismus, bei dem es immer fünf vor zwölf ist - und wenn die Sendung zu Ende ist, müssten sich alle umbringen.“

Sommerinterviews für das ZDF

Zu seinem Wechsel meint Hahne: “Ich bin ein Typ, der eine Tür zumachen kann und fröhlich nach vorne blickt.“ Mit einem Bein bleibt er aber im Regierungsviertel verankert. So setzt er die ZDF-Sommerinterviews fort und befragt Politiker in der Reihe “Was nun...?“. Seine Rolle sieht er als “Dienstleister am Zuschauer“ und betont: “Ich stelle Fragen im Namen der Leute, die keine Gelegenheit haben, mit dem Staatsoberhaupt oder der Kanzlerin zu sprechen.“ Einen Wunsch-Gast hat Hahne nicht. “Es gibt fast niemanden - außer dem Papst - den ich noch nicht interviewt habe.“

Merkels Mimik

Merkels Mimik

Die Sendezeit nach dem ZDF-Fernsehgarten hält er für erfolgversprechend und will an die Quote der Show anknüpfen - im Durchschnitt waren das 2009 rund 2,2 Millionen Zuschauer (Marktanteil: 21 Prozent). Dass das ZDF ein Studio von “Spiegel TV“ nutzt und nicht aus den eigenen Räumen wenige Meter entfernt sendet, finden im Sender jedoch nicht alle gut.

Stühlerücken beim ZDF

Seine Karriere begann der gebürtige Westfale (Minden) beim Saarländischen Rundfunk. Von 1991 bis 1998 moderierte er die “heute“- Hauptnachrichten. Sein aktueller Wechsel hängt mit einer größeren Rochade zusammen. Der Berliner Studioleiter Peter Frey wurde ZDF- Chefredakteur, seine Nachfolgerin ist Bettina Schausten, ihr Vertreter ist Thomas Walde; Hahnes Vertrag lief aus. Er ist Mitglied der EKD-Synode und erhielt zahlreiche Auszeichnungen unterschiedlicher Kategorien: So ist er Ehrenkommissar der Bayerischen Polizei, Goldener Winzer und hat das Närrische Steckenpferd erhalten, aber auch einen Bambi, den Goldenen Gong und den Preis für Evangelische Publizistik. Entspannung findet er beim Fahrradfahren im Spreewald und Skifahren im Wallis.

Von Rolf Westermann

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