Gedankenleser ohne magische Kräfte

Ein Magier, der offen zugibt, mit Tricks zu arbeiten: Nicolai Friedrich.

Frankfurt – Er lässt Tische schweben, kann Gedanken lesen und diese sogar beeinflussen: Nicolai Friedrich ist Weltmeister der Mentalmagie. Durch seine Auftritte bei der TV-Show „The next Uri Geller“ wurde er einem Millionen-Publikum bekannt. Bei Auftritten in Friedrichsdorf und Frankfurt ist er heute bzw am 3. Oktober zu sehen. Der EXTRA TIPP erreichte den Magier auf seiner Tourneereise. Von Dirk Beutel

 Herr Friedrich, Sie sind Weltmeister der Mentalmagie und können Gedanken lesen. Was denke ich gerade?

So funktioniert das leider nicht. Um Gedanken lesen zu können, muss ich der Person gegenüberstehen.

Bei ihren Zaubertricks stellt sich das Publikum immer die Frage, wie sie das eigentlich schaffen. Sie machen aber keinen Hehl daraus, dass Sie tatsächlich nur mit Tricks arbeiten.

Genau. Ich arbeite mit Methoden aus der Psychologie, der Suggestion, die ich mir angelesen und abgewandelt habe. Natürlich sind das Tricks. An meinen Darbietungen ist nichts Übersinnliches. Statt dessen bin ich aufmerksamer Beobachter. Wenn ich wirklich Hellsehen könnte, würde ich jeden Tag im Casino verbringen.

Sie haben ungefähr mit vier Jahren angefangen, sich für die Zauberei zu begeistern. Wie kamen Sie dazu, sich als Mentalist zu spezialisieren?

Ich habe ganz klassisch mit einem Zauberkasten angefangen. Danach kamen Kartentricks dazu, wie sie jeder kennt. Bis ich merkte, dass diese Tricks besser beim Publikum ankommen, wenn man sagt ‚Denk dir mal ´ne Karte‘ und die richtige dann präsentiert. Das Staunen ist umso größer, weil die Erklärung der Fingerfertigkeit komplett wegfällt.

Sogar David Copperfield hat die Rechte an einem ihrer Mental-Tricks erworben. Wie groß ist das Thema Konkurrenz unter Zauberern?

Obwohl an der Spitze immer die Luft ein bisschen dünner ist, sind wir eine große Familie.

Keine Angst, dass ein Magier-Kollege versucht, einen ihrer Tricks abzukupfern?

Klar, gibt es auch hier schwarze Schafe. Das geht bis zum versteckten Mitfilmen. Ich bleibe da aber gelassen, weil sogar Fachleuten meine Vorstellungen ein Rätsel sind.

Wie würden Sie ihre Zauberei umschreiben?

Wer war nicht schon einmal in einer Situation und hat sich gewünscht, zaubern zu können? Meine Tricks stammen aus dem täglichen Leben. Eine Frau in zwei Teile zu zersägen ist nicht so sinnvoll, wie einen Rubiks Cube (Anm. d. Red.: Zauberwürfel aus den achtziger Jahren) in die Luft zu werfen und diesen dann wieder nach Farben sortiert zu fangen.

Das Staunen der Menschen ist ihr täglich Brot. Trotzdem arbeiten Sie im Nebenjob als zugelassener Rechtsanwalt in Frankfurt.

Nicht etwa wegen des Geldes, wenn Sie das jetzt denken. Die Zauberei ist finanziell durchaus interessanter. Ich habe Jura studiert, um meine Mutter zu beruhigen und einen sagen wir mal, krisenfesten Job in der Hinterhand zu haben. Allerdings hast du es als Anwalt nur selten mit verblüfften Kinderaugen zu tun.

Spätestens seit der Zauber-TV-Show mit Uri Geller sind Sie dem deutschen Publikum ein Begriff. Er wurde mit dem Verbiegen von Löffeln per Gedankenkraft weltberühmt. Haben Sie das auch im Repertoire?

Na, klar. Aber ich mache Ihnen sogar noch zusätzlich den berühmten Maggie-Knoten rein.

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