Ihr Leben nach dem Schlaganfall

Gaby Köster: Von wegen Schluss mit lustig

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Der Humor war Gaby Kösters wichtigste Waffe nach dem Schlaganfall.

Sechs Jahre ist ihr Schlaganfall her. Für Gaby Köster ist mit lustig aber noch lange nicht Schluss. Die Kölnerin verrät, wie ihr der Humor geholfen hat, wann sie noch einen Rollstuhl  braucht und wie sie über eine Patientenverfügung denkt. Von Dirk Beutel 

Wie funktioniert momentan Ihr Alltagsleben? Was hat sich abseits der Kameras und Bühnen nach dem Schlaganfall für Sie verändert?

Ich muss immer noch dreimal die Woche zur Therapie. Aber mittlerweile komme ich wieder ganz gut im Alltag zurecht. Meine Mutter muss mir immer noch helfen, aber nicht mehr so viel wie früher. Trotzdem wäre ich ohne sie total aufgeschmissen. Wenigstens kann ich wieder alleine auf Toilette gehen. Es ist ein schönes Gefühl, dass man auf dem stillen Örtchen wieder alleine sein kann – gerade auch auf Tour.

Hatten sie vor Ihrem Schlaganfall körperliche Signale gespürt? Wie sind sie damit umgegangen?

Ich hatte immer wieder Kopfschmerzen und mein linker Arm ist ständig eingeschlafen. So lange bis schließlich der Knall kam. Ich habe mir nie wegen dieser Symptome einen Kopf gemacht. Ich bin eben nicht der typische Arztgänger.

Sie sind als „Ulknudel“ und „Powerfrau“ im deutschen Fernsehen bekannt geworden. Fehlt Ihnen Ihre Agilität von damals heute sehr?

Ich bin halt in der Bewegung eingeschränkt. Das fehlt mir schon sehr, zumal ich ja schon immer so ein Hibbel war. Aber ich habe mich damit arrangiert. Und das muss man auch machen, ansonsten versaut man sich selbst die Stimmung. Ich bin einfach froh, über die Dinge, die ich wieder machen kann.

Wie sehr hat Ihnen ihr Humor auf Ihrem Leidensweg geholfen?

Der Humor hat mir sehr geholfen das alles zu ertragen. Was den angeht, bin ich nach wie vor die Alte. Ohne Lachen geht es nicht, dass hilft ungemein. Ich mache mich ja selbst über meine Handicaps lustig. Schließlich gibt es genug ernste Dinge auf der Welt.

Ihr Arm ist immer noch vollständig gelähmt. Besteht die Hoffnung, dass er jemals wieder voll funktionsfähig sein wird?

Die Ärzte schließen eine Besserung nicht aus, aber an eine Prognose will sich natürlich keiner heranwagen. Was mir bleibt, ist auf das Beste zu hoffen.

Sind Sie immer noch auf den Rollstuhl angewiesen?

Also beim Kampfshopping brauche ich den Rollstuhl definitiv. Eben immer, wenn ich längere Strecken unterwegs bin, ist es eine enorme Erleichterung, wenn man sich kurz mal hinsetzen und verschnaufen kann.

Wo hatten Sie besondere Probleme mit der Barrierefreiheit?

Was mich vor allem stört ist, dass viele Bordsteine einfach viel zu hoch sind. Da muss was gemacht werden. Wenn man die Parkhaus-Einfahrten für irgendwelche Porsche Cheyenne aufstockt, sollte man auch das Geld aufbringen und Gehwege an bestimmten Stellen absenken.

Sie sind den souveränen Weg gegangen und haben eine Vorsorgevollmacht für Ihre Mutter und ihren Sohn ausgestellt. Ein unangenehmes Thema für viele, obwohl es eine Vorbereitung für den Ernstfall ist. Können Sie das nachvollziehen?

Also ich habe selber auch nicht gewusst, dass es sowas überhaupt gibt. Wieso sollte sich auch ein gesunder Mensch mit diesem Thema beschäftigen? Grundsätzlich ist so eine Verfügung eine wichtige Sache, besonders für die Angehörigen, die im Ernstfall nicht ganz alleine dastehen und wissen, was zu tun ist. Auf jeden Fall ist so eine Vorbereitung sinnvoll.

BAP-Frontmann Wolfgang Niedecken hatte ebenfalls einen Schlaganfall. Haben Sie sich beide mal ausgetauscht?

Natürlich. Und wir haben herausgefunden, dass Geduld nicht unser beider Vorname ist. Aber die gehört nunmal dazu. Als ich von Wolfgangs Schlaganfall gehört habe, habe ich ihn angerufen und wollte ihm Tipps geben, wie er am Besten zurecht kommt. Zum Glück hat es ihn ja nicht so hart erwischt. Er hatte keine Bewegungseinschränkungen wie ich.

Niedecken sagte: Er habe die Message verstanden und würde von nun an bewusster leben. Wie halten Sie das mit dem bewusster Leben?

Naja, ich versuche nicht mehr auf allen Hochzeiten gleichzeitig zu tanzen. Trotzdem lebe ich einfach weiter.

Werden wir Gaby Köster wieder in irgend einer Form im TV sehen?

Ich hoffe es sehr. Zumindest arbeite ich momentan daran. Genauso wie an einem neuen Buch. Darin wird es aber diesmal um ein völlig anderes Thema gehen.

Was erwartet die Besucher auf Ihrer Lesetour?

Auf jeden Fall ein lustiger Abend. Ich lese natürlich aus meinem Buch vor und werde einige Sketsche machen. Danach gibt´s eine Fragerunde, in der mich die Zuhörer alles fragen können.

Als Sie nach Ihrem Schlaganfall wieder im TV auftraten, trugen Sie Dreadlocks. Nun ist kurzes Haar angesagt. Was ist aus den filzigen Strähnen geworden?

Die habe ich aufgehoben. Kann gut sein, dass ich mir die Teile mit 90 Jahren nochmal an den Kopf tackere. Die würde ich aber noch tragen, wenn der Friseur im Chemieunterricht aufgepasst hätte.

Für alle Schlaganfall-Patienten: Haben Sie einen Tipp parat?

Es ist wichtig, dass man die körperlichen Vorboten schnell erkennt, dann können einem die Ärzte gut helfen. Man soll jetzt aber nicht wie ein Hypochonder ständig zum Arzt rennen.

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