Die Guttenbergs: Ein Traumpaar der Deutschen?

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Nach Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg ist auch seine Frau Stephanie ins Rampenlicht geschossen.

Berlin - Nach Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg ist auch seine Frau Stephanie ins Rampenlicht geschossen. Der Minister beteuert unermüdlich, dass ihm der ganze Wirbel ungelegen kommt. So sind die Guttenbergs privat.

Es gibt manchmal Ärger im Hause Guttenberg. Als sich Karl-Theodor im Juli spontan entschloss, auf einer Afghanistan-Reise die sicheren Mauern der Feldlager zu verlassen und einen Abstecher ins Kampfgebiet zu machen, erfuhr seine Frau Stephanie aus dem Radio davon. Zwar wurde der Besuch an der Front wegen eines schweren Gefechts in letzter Minute abgesagt. Zu Hause erwartete “KT“ trotzdem eine Standpauke.

Aus Fehlern lernt man: Als der Verteidigungsminister die Expedition in die Kampfzone zwei Monate später nachholte, hielt er seine Frau per SMS auf dem Laufenden. Unstimmigkeiten sind bei den Guttenbergs die Ausnahme. Karl-Theodor und Stephanie sind das erfolgreichste politische Ehepaar des Landes. Die Kehrseite des Erfolgs: Manche Neider in der Union halten den Baron für einen überschätzten Angehörigen des deutschen Tiefadels mit Schwurbelneigung - die Guttenberg-Gegner wittern einen gemeinsamen Angriff aufs Kanzleramt.

Seit Wochen überschlagen sich die Medien mit Jubelarien über die beiden, die sich vor 15 Jahren auf der Loveparade in Berlin kennenlernten und seit 10 Jahren verheiratet sind. “Zeit“-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo hat den Lobeshymnen buchstäblich die Krone aufgesetzt. Die Guttenbergs befriedigten “die Sehnsucht der Deutschen nach einer Königsfamilie“, sagte er kürzlich in der Talkshow “Beckmann“. Der Minister saß neben ihm und wirkte etwas geschockt. Ihm sind solche Äußerungen ebenso unangenehm wie die ständig wiederkehrende Frage nach einem möglichen Einzug ins Kanzleramt. “Darüber mache ich mir genauso viele Gedanken wie über meine Chance, Kapitän der deutschen Curling-Nationalmannschaft zu werden“, hat er zur Kanzlerfrage einmal gesagt. Offen ist, wie sich Bundeskanzlerin Angela Merkel verhält, wenn Guttenberg ihr eines Tages wirklich gefährlich werden sollte.

Die Kanzlerin hat im Laufe ihres politischen Lebens schon mehrere einflussreiche Unions-Männer kalt gestellt, wie ein CSU-Politiker anmerkt. Zwei Drittel der Bundesbürger glauben, die Guttenbergs könnten Deutschland gemeinsam gut repräsentieren. So viel Rummel um ein Politikerpaar hat es in Deutschland bisher nicht gegeben. Die Guttenbergs passen nicht in das bisherige Schema einer Politpromi- Ehe. Sie sind jung, gutaussehend, adelig und erfolgreich. Mit ihren zwei Kindern stehen sie für die konservative Wunschvorstellung von der heilen Familie genauso wie für eine moderne Ehe, in der beide Partner Karriere machen. Wegen ihrer adeligen Herkunft bevölkern die Guttenbergs auch die Spalten der Klatschpresse, die Politikern sonst verschlossen bleiben.

Stephanie, geborene Gräfin von Bismarck-Schönhausen, steht inzwischen ebenso im Rampenlicht wie ihr Mann. In derselben Woche, in der Karl-Theodor der Durchbruch bei der Wehrreform gelang, startete auch seine Frau durch. Mit ihrem Buch “Schaut nicht weg!“ und kernigen Zitaten zu Lady Gaga & Co schaffte sie es auf die Titelseite der “Bild“-Zeitung. Inzwischen ist sie mit ihrem Engagement gegen Kindesmissbrauch in die Negativ-Schlagzeilen geraten, weil sie als Gast-Moderatorin in der umstrittenen RTL-2-Sendung “Tatort Internet“ auftrat. Auf entsprechende Fragen reagiert ihr Mann unwillig. Die beiden wirken so gut zusammen, dass Guttenberg-Gegner inzwischen vermuten, dass beide gemeinsam ins Kanzleramt streben - obwohl der Bundesverteidigungsminister alle derartigen Ambitionen weit von sich weist. Falls Stephanie zu Guttenberg jemals Kanzlergattin werden sollte, wäre das ein historisches Kuriosum: Mehr als 120 Jahre nach Otto von Bismarcks Rückzug wäre die Bismarck-Sippe wieder im Kanzleramt.

dpa

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