Ausverkauf des Model-Traums

Patrick Schmitt ist Inhaber einer Modelagentur ("Peel Models" www.feelpeel.de), ein Insider der Branche und ist in Köln bei der Miss Galaxy Wahl drei Tage anwesend gewesen. Auch, weil er Priscilla Banks betreut.

Die 21-Jährige ist bei ihm festangestellt für die Modelbetreuung zuständig. Die dunkelhäutige Schönheit hat mit Konfektionsgröße 34 bis 36 und einer Körpergröße von 1,82 Metern selbst das Zeug, Model-Juroren zu begeistern. "Weil ich sehen wollte, wie so eine angeblich angesehene Wahl abläuft und uns von einem Bekannten zugesichert wurde, dass alles kostenlos ist, haben wir teilgenommen", sagt Schmitt.

Der erste Schock: Es gibt eine Startgebühr von 185 Euro für jede Teilnehmerin. Und damit es sich lohnt, nehmen insgesamt 116 Misses teil. Die Qualifikation ist einfach: Wer sich anmeldet, ist dabei. So geschieht's auch bei Priscilla. Durch bloßes Erscheinen wird sie zur Miss Hanau. Eine Vorauswahl findet nicht statt. Schmitt: "Dadurch waren Mädels dabei, die keine 1,70 Meter groß waren und Cellulite hatten. Aber das musste so sein, denn der Veranstalter brauchte Teilnehmer, damit es in der Kasse klingelt." Der weitere Verlauf wird zum Model-Horror: Der Laufsteg ist mit acht Metern gegenüber den ansonsten üblichen 25 bis 30 Metern viel zu kurz, die Bühne ist aus Holz ohne Filzbelag aber mit Eisenstangen, und der Empfang erinnert er an einen schlecht besuchten Regionalbahnhof in der Provinz. Es gibt keine spezielle Beleuchtung und auch keine Dekoration, außer den Faschingsmasken, die noch von einer Karnevalsveranstaltung in der Halle hängen.

Zu essen gibt's Brötchen. Dann tauchen die Visagistinnen auf und fordern laut Schmitt die Mädels auf, zum Schminken zu kommen. Schmitt: "Die haben gesagt, entweder essen oder schminken. Wenn ihr essen wollt, lauft ihr eben ungeschminkt." Am ersten Tag hat es im ersten Stock Mineralwasser für die Teilnehmerinnen gegeben. "Am zweiten Tag, dem eigentlichen Tag der Show, war nix mehr da. Die Mädels wären verdurstet, wenn sie sich nichts selbst gekauft hätten. Aber das gehörte auch zur Abzocke, weil sie dann bezahlen mussten."

Schmitt erzählt, wie manche Mutter der Teilnehmerinnen an diesem Wochenende mit Übernachtung und Getränken 600 Euro ausgegeben hat. Schließlich ist Ausdauer gefragt gewesen: Die Wahl beginnt am frühen Samstagmittag und dauert bis in den späten Abend â?? klar bei 116 Models. Der Veranstalter der Miss-Galaxy-Wahl Maik Severin versteht die Aufregung nicht. "Das war eine hochseriöse Veranstaltung. Ist doch klar, dass bei so einer Dimension die eine oder andere Teilnehmerin mal nicht das Mittagessen findet", sagt er und ergänzt: "Die 185 Euro sind berechtigt. Sie beinhalten neben zwei Frei-Eintrittskarten die Möglichkeit, sich vor Ort als Miss-Galaxy-Teilnehmerin selbst zu vermarkten." Dem widerspricht Schmitt: "Das stimmt nicht. In der Anfangszeit müsste Priscilla trotzdem einen Anteil an Severin abführen. Außerdem. Wie soll man sich vermarkten, wenn man nirgendwo als Miss Hanau im Internet auftaucht." Schmitt warnt alle Models, nicht auf Nepper reinzufallen. Ein Shooting oder eine Teilnahme darf generell nichts kosten.

Priscilla Banks ist nicht unter die Top 25 gekommen. Ihre Teilnahme hat sie teuer bezahlt. Zwei Tage auf High-Heels, auf einer Holz-Bühne ohne Filzbelag, von der sogar eine Treppe zum Laufsteg herunterführte â?? das hat ihr Knie nicht mitgemacht. Sie wird derzeit wegen einer Meniskusverletzung behandelt. Dem EXTRA TIPP gesteht sie: "Es war der Horror."

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