Anklage gegen Böhse-Onkelz-Sänger

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Ein Feuerwehrmann löscht in der Nacht zum 01.01.2010 auf der A66 in Frankfurt einen brennenden Kleinwagen, in dem zwei 19 und 21 Jahre alte Männer lebensgefährlich verletzt wurden. Gegen den Böhse-Onkelz-Sänger Kevin Russell hat die Staatsanwaltschaft ein halbes Jahr nach dem Verkehrsunfall in Frankfurt Anklage erhoben.

Frankfurt/Main - Böhse-Onkelz-Sänger Kevin Russell muss sich sechs Monate nach einem schweren Verkehrsunfall mit zwei Schwerverletzten vor Gericht verantworten. Was ihm vorgeworfen wird:

Gegen den Böhse-Onkelz-Sänger Kevin Russell ist ein halbes Jahr nach einem Verkehrsunfall mit zwei Schwerverletzten Anklage erhoben worden. “Der 46-jährige Ire ist angeschuldigt, eine fahrlässige Straßenverkehrsgefährdung, eine fahrlässige Körperverletzung und eine Unfallflucht begangen“ zu haben, heißt es in einer Mitteilung der Staatsanwaltschaft Frankfurt vom Donnerstag.

Polizeifotos von US-Stars

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Dem Rocksänger, der unter Drogeneinfluss gefahren sein soll, wird auch vorgeworfen, gegenüber der Polizei einen anderen Mann als Unfallfahrer bezeichnet zu haben. Dieser soll sich in Begleitung von Russells Manager auch selbst bei der Polizei als Fahrer ausgegeben haben.

Russell wird beschuldigt, am Silvesterabend unter dem Einfluss der Rauschmittel Kokain, Methadon und des Psychopharmakons Diazepam mit Tempo 230 in einem geliehenen Luxuswagen über die vielbefahrene Autobahn Frankfurt-Wiesbaden (A66) gerast zu sein. Dabei streifte er auf der rechten Fahrspur ein Auto, das mit etwa Tempo 100 vor ihm fuhr. Beide Fahrzeuge gerieten durch den Zusammenstoß ins Schleudern und prallten gegen die Leitplanke. Der Opel, in dem zwei junge Männer saßen, geriet in Brand.

“Der Fahrer trug Verbrennungen an mehreren Körperstellen, eine Leberblutung, eine Milzruptur sowie eine Verletzung der linken Niere davon“, heißt es in der Mitteilung der Staatsanwaltschaft. Der Beifahrer habe Verbrennungen erlitten, ihm habe außerdem eine Hand amputiert werden müssen.

Versuchte Tötung

“Der Angeschuldigte soll kurz auf das brennende Fahrzeug geschaut und dann zu Fuß die Unfallstelle verlassen haben“, so die Anklagebehörde. An dem Unfall unbeteiligte Verkehrsteilnehmer zogen früheren Berichten zufolge die beiden 19 und 21 Jahre alten Männer aus dem brennenden Opel.

Russell sei erst geflüchtet, als bereits Ersthelfer vor Ort waren. “Daher musste er nicht davon ausgehen, dass er die Unfallopfer in einer hilflosen Lage zurücklassen werde“, so die Staatsanwaltschaft. Deshalb sei der Musiker nicht wegen versuchter Tötung durch Unterlassen und unterlassener Hilfeleistung angeklagt. Wegen der besonderen Bedeutung des Falls hat die Staatsanwaltschaft Anklage vor dem Landgericht und nicht vor dem Amtsgericht erhoben.

Engagement gegen Rechtsextremismus und Rassenhass

Im Fall einer Verurteilung drohen dem Musiker bis zu fünf Jahre Haft. Der Angeschuldigte, der mangels Haftgründen auf freiem Fuß ist, habe sich zum Tatvorwurf bislang nicht geäußert. Russell war am Neujahrstag 2010 in einem Luxushotel im Taunus festgenommen und nach der Sicherheitsleistung von 50 000 Euro wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Gegen den Sänger soll auch eine Bewährungsstrafe wegen eines früheren Drogendeliktes bestehen.

1980 ursprünglich als Punkband gegründet, veröffentlichten die Böhsen Onkelz in den 80er Jahren als Kultgruppe der Skinhead-Szene rechtsradikale Texte. In vielen Städten wurden daraufhin Konzerte abgesagt. In den 90er Jahren ging die Band jedoch dazu auf Distanz und engagierte sich auch bei Konzerten gegen Rechtsextremismus und Rassenhass. 2005 traten die Onkelz zum letzten Mal gemeinsam auf.

dpa

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