Gerdas kleine Weltbühne feiert 40. Jubiläum

So schwer waren die Anfänge für Travestie-Show in der Provinz

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Gerda Ballon

Mühlheim – Travestie in der Provinz? Der damalige Kneipenwirt Gerd Stein, alias Gerda Ballon, machte es möglich. Er und Jürgen Peusch, besser bekannt als Jutta P. gründeten vor 40 Jahren Gerdas kleine Weltbühne, die heute eine echte Institution ist. Von Dirk Beutel

Doch bis es soweit war, mussten sich die Künstler gegen Schwulenhasser durchsetzen.

Ein Schlappmaul hatte Gerda Ballon schon immer. Auch als Wirt des Marktecks. Damals noch auf Cola-Kisten unterhielt er seine Kundschaft mit frechen Späßen und witzigen Einlagen. Und weil immer mehr Menschen seine Darbietungen sehen wollten, kam ihm die Idee einer Travestie-Show. Gerdas kleine Weltbühne war geboren und wird im September 40 Jahre alt.

Es war ein Spießrutenlauf

Doch die Anfänge für Gerda und Jutta P. waren alles andere als einfach. Ein echter Spießrutenlauf. Es kam zu Machtkämpfen an der Tür, die Hauswand wurde mit Kot und Hakenkreuzen beschmiert. „Jetzt hauen wir den Schwulen aus Mühlheim mal auf´s Maul haben sie früher gesagt“, sagt Gerda. Doch die ließ sich trotz der Anfeindungen und der Gewalt nicht ins Bockshorn jagen.

Heute blickt er gelassen auf die Vergangenheit, versteht diese Zeit als eine Art „Missionsarbeit“ auf dem Weg für mehr Toleranz gegenüber anderen Schwulen in der Stadt und im Umkreis.

Wie Karneval oder Fastnacht

Gerds Mutter allerdings war es sehr unangenehm: Die Leute tuschelten, wenn sie durch die Stadt ging und Einkäufe und ähnliches erledigte. Erst nach einigen Jahren, nach dem das Theater von einer Kneipe zu einem kleinen Theater für etwa 45 Personen professionell umgebaut wurde, habe sie sich eine Show angesehen:„Das ist ja gar nicht so schlimm, eigentlich wie Karneval oder Fastnacht.“

Gerdas Weltbühne ist mittlerweile wieder umgezogen, in die Dietesheimer Straße. Dort erzählt Gerda in jeder Show von den Anfängen der Weltbühne. „Heute kann sich das kaum noch jemand vorstellen, wie schlimm das damals war“, sagt Gerda.

Travestie-Show zieht um

Zum 40. Geburtstag wird die bekannte Rosa-Wölkchen-Sitzung im nächsten Jahr vom Frankfurter Titus-Forum nach Mühlheim ziehen. Im Januar besuchten etwa 1000 Gäste die drei Sitzungen. „Mal sehen wie sich das in Mühlheim bewährt“, sagt Jutta P.. Natürlich zieht auch der Große Rat der Frankfurter Karnevalsvereine mit. „Egal ob Homo oder Hetero, wir wollen mit allen unseren Spaß haben“, sagt Jutta P. und gibt noch einen Tipp: Wer sich Karten für die Rosa-Wölkchen-Sitzung sichern möchte (Verkauf startet im Juli), sollte sich für den Newsletter unter www.rosa-woelkchen.com anmelden. Für auswärtige Gäste, die ohne Auto anreisen, ist geplant, einen Shuttle-Bus vom Bahnhof zur Halle anzubieten.

So schminkt sich Jürgen Peusch zu Travestie-Künstlerin Jutta P.

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