Interview zum 40. Geburtstag

Frankfurter DJ Julian Smith: „Ich will kein Disko-Opa sein“

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DJ Julian Smith feierte seinen 40. Geburtstag.

Frankfurt - Der Frankfurter Julian Smith ist ein Multitalent. Seit Jahrzehnten mischt er Frankfurt als DJ, Songwriter,Clubbesitzer, Radiomoderator und Sänger auf. Zu seinem 40. Geburtstag spricht er im Interview über lange Partynächte, seine Tochter und das Älterwerden. Von Angelika Pöppel 

Du hast am Freitag deinen 40. Geburtstag gefeiert – wird das Alter langsam ein Grund für dich kürzer zu treten?

Ich muss schon eingestehen, dass ich eine durchzechte Nacht nicht mehr so gut wegstecke, wie mit 18 Jahren. Das hängt einem alles doch ein bisschen mehr in den Knochen. Es tut einfach mehr weh. Das Alter führt aber auch dazu, dass man nicht mehr jeden Quatsch mitmachen muss. Eine durchgemachte Nacht finde ich heute nicht mehr so sinnvoll und damit kann man auch nicht mehr wirklich bei den Freunden punkten.

Was tust du als Erstes, wenn du nach einer langen Partynacht aufwachst?

Momentan ist es so, dass ich um acht Uhr eine süße, kleine Patschehand von meiner 16 Monate alten Tochter im Gesicht habe. Da ist nicht viel mit Ausschlafen. Allerdings nehme ich derzeit lieber den Schlaf-Mangel in Kauf, und verbringe dafür mehr Zeit mit meiner Tochter. Ich möchte ungern etwas verpassen. Das ist wohl das Dilemma eines jeden berufstätigen Vaters.

Doch beruflich machst du ja regelmäßig die Nacht zum Tag. Wie schaffst du das?

Ich bin ein absoluter Nachtmensch! Ich bin sogar mitten in der Nacht geboren, um 3.33 Uhr. Richtig in die Gänge komme ich sowieso erst am späten Nachmittag.

Du arbeitest als Radiomoderator, Produzent, DJ, Bar- und Clubbesitzer und noch mehr. Was hast du eigentlich mal gelernt?

Ich habe tatsächlich mal ein Studium der Meeresbiologie angefangen. Ich fand Biologie und das Meer schon immer interessant. Das hat aber nur vier Semester geklappt. Weil mir klar wurde, dass das Studium eine ziemlich brotlose Geschichte ist. Das Sexualverhalten von Süßwasser-Qualen im Amazonas ist einfach nicht so interessant für die meisten Menschen (lacht).

Man könnte sagen: Was du anfasst, wird zu gold! Das Travolta und auch dein neuestes Projekt, die Bar Chinaski haben bereits Preise abgestaubt. Wie lautet dein Erfolgsrezept?

Ich versuche immer Sachen umzusetzen, an die ich selbst glaube. Das Travolta haben wir als Familienbetrieb gegründet. Und das Chinasky ist geboren mit einem kleinen egoistischen Hintergedanken. Ich hatte selbst nicht so viele Plätze, wo ich gerne hingegangen bin. Die klassische Ü30-Party ist nichts für mich. Wenn man ehrlich zu sich selbst ist, gehört man mit 35 nicht unbedingt mehr in eine Diskothek, hört aber trotzdem noch gerne Musik. Wir haben einen Ort für sie geschaffen und ich gehe auch selbst gerne dort hin.

Also bist du auch selbst dein bester Kunde?

Selbst der beste Kunde – das klingt so als ob ich selbst in meiner Bar ständig betrunken rumhänge (lacht). Aber ich bin schon gerne dort. Das stimmt.

Als Clubbetreiber bist du beim Travolta ausgestiegen. Warum machen du und dein Bruder nicht mehr gemeinsame Sache?

Das ist eine lange Geschichte. Aber kurz gesagt: Wir haben uns zerstritten.

Deine Eltern waren Kneipen-Besitzer in Frankfurt. Eine eigene Gastronomie liegt da nah. Aber wie bist du zur Musik gekommen?

Die Plattensammlung von meinem Vater war einfach unglaublich umfangreich. Das hat damals wahnsinnig Spaß gemacht mit ihm in die Welt von Soul, Funk und Disco abzutauchen. Musik hat einfach immer eine ganz tolle Wirkung auf Menschen. Für mich war es unglaublich befriedigend anderen Leuten mit Musik eine schöne Zeit zu bereiten.

Was ist deine erste Erinnerung an Musik?

Ich kann mich erinnern, dass meine Eltern oft im Wohnzimmer – wahrscheinlich zu James Brown oder Marvin Gaye – abgerockt haben und mich dazu geholt haben.

Wie hast du das Frankfurter Publikum als DJ überzeugt?

Ich habe damals Rock mit Pop, und Pop mit Hip Hop, und Hip Hop mit Soul gemischt. Damit habe ich den Begriff Eclectic Music geprägt. Eclectic bedeutet, das Dinge scheinbar nicht zusammen passen, aber dann doch irgendwie zusammen gehören. Von diesem eclectischen Musik-Mix hatte man vorher einfach nicht gedacht, dass es funktioniert. Viele dachten: Es ist irgendwie seltsam, aber geil. Durch dieses große Musikspektrum, dass mir meine Eltern mitgegeben haben, werde ich oft für große Events und Aftershow-Partys gebucht.

Nicht nur du, auch dein jüngerer Bruder Dennis Ryan ist erfolgreich als DJ unterwegs. Gab es jemals Konkurrenzdenken zwischen euch?

Für mich war es nie Konkurrenz. Ich denke bei meinem Bruder auch nicht, auch wenn er den Wettbewerb viel mehr mag als ich. Aber Brüder untereinander konkurrieren grundsätzlich immer ein bisschen – wie das auch so im Tierreich ist. Und das Testosteron tut dazu seinen Rest (lacht).

Erst Anfang des Jahres hast du ein neues Album rausgebracht. Wie kam es dazu?

Es überkommt mich einfach manchmal und dabei kommt dann eben ein Album raus. Ich werde auch als Rentner noch im Studio sitzen, weil es einfach eine erfüllende Arbeit ist. Ich würde mir sogar mehr Zeit dafür wünschen.

Wirst du als Rentner auch noch an den Plattentellern stehen?

Mit Mitte 40 muss man doch einsehen, dass man auch mal aufhören muss – wenn man dann nur noch gesiezt wird. Und ich will definitiv nicht der Disko-Opa sein – das muss man sich selbst nicht antun. Aber die Leidenschaft wird nie enden. Ich kann mir vorstellen, auch als Rentner noch im Keller weiter meine Plattenspieler zu bedienen.

Bilder von der Geburtstagsparty im Soul Kitchen

DJ Julian Smith feiert 40. Geburtstag mit Tim Mälzer, Mousse T. und Co.

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