Im Interview spricht er über das neue Album und Facebook

Produzent Moses Pelham: Frankfurt steht für ernste Musik 

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Produzent und Rapper Moses Pelham will keinen Spaß-Rap.

Seit über 20 Jahren regiert Produzent Moses Pelham von Rödelheim aus die Frankfurter Musikszene. Mit Sabrina Setlur – damals Schwester S. – und Xavier Naidoo feierte er riesige Erfolge. Im Interview spricht er über seine Facebook-Weisheiten und warum man von ihm nie Spaß-Rap hören wird.  Von Angelika Pöppel 

Die erfolgreichen Chart-Hits kamen lange nicht mehr aus Frankfurt. Haben die Frankfurter den Anschluss verpasst?

Vega hat gerade sein neues Album „Kaos“ veröffentlicht – das geht garantiert auf die Eins. Ganz ehrlich, das meiste was es an Deutsch-Rap gibt – und ich meine jetzt nicht das witzige Zeug – alles was so ein bisschen ernsthaft sein will, geht ohne Frankfurt gar nicht. Es gibt Rapper wie Vega oder Credibil, die jüngeren Leute, die ganz tolles Zeug machen.

Also kann Frankfurt nur ernst?

Ernsthaftigkeit ist eine Frankfurter Tradition – im Deutsch-Rap. Auch in Tradition von Goethe, diese Schwere die das alles hat – das ist mein völliger Ernst! So nehme ich das wahr. Frankfurt hat aber auch musikalische Bereiche mit denen ich jetzt nicht so viel am Hut habe – also hat Frankfurt auch ganz offensichtlich noch mehr zu bieten. Stichwort Sven Väth.

Cro ist sehr erfolgreich mit seiner Musik. Auch eure damaligen Erzfeinde, die Fantastischen Vier, haben wieder eine Platte heraus gebracht. Diese Musik kommt an. Wie stehst du heute zu Spaß-Rap?

Ich kenne von Cro nur ein paar Lieder: „Easy“ ist ein eingängiges Lied. Von den Fanta Vier kenne ich auch nur eine Platte „Jetzt geht´s ab“ – und die konnte ich größtenteils auswendig. Ich hab das wirklich gefeiert. Aber es ist nicht das, was ich machen wollte.

Von dir wird es also nie eine Party-Platte geben?

Das halte ich für sehr unwahrscheinlich.

Du sagtest: „Wir waren damals gegen Alles“. Fehlt es deiner Meinung nach, heute an Künstlern, die mit ihrer Musik aufregen?

Ich selbst habe mit dem Rödelheim Hartreim Projekt nicht absichtlich polarisiert. Ich habe nur das gesagt, was ich für richtig hielt und das hat dann eben polarisiert. Ich habe mich nie danach gesehnt, aufzuregen. Ich sehne mich eher danach, dass jemand etwas sagt, das mich bewegt. Wenn man das dann noch auf eine Art und Weise tut, die mich zum Lächeln bringt, dann ist es eine Platte, die ich gerne höre.

Welche Platte hast du zuletzt gekauft, die dich komplett begeistert hat?

Es ist nicht neu, aber das zweite Album von Poliça – „Shulamith“ – hat mich sehr beeindruckt. Die Kombination der Mittel, wie geschmackvoll die Sängerin dabei klingt, das genieße ich sehr. ‘Warrior Lord’ ist eines der schönsten Stücke aller Zeiten für mich.

Wie viele Alben hast du als Musik-Fan auf dem Rechner?

Ich habe nicht so viel Musik auf dem Rechner, außer meiner eigenen unveröffentlichten Musik. Ich höre vieles noch auf CD. Ich stehe schon noch auf das physische Produkt.

Wie stark haben sich die technischen Mittel seit deinen Anfängen verändert?

Im Bereich der Produktion hast du heute einfach ganz andere Mittel. Heute sind Sampler einfach erschwinglich. Jeder kann sein Ding machen. Das war vor 25 Jahren noch ein bisschen anders. Wenn du dir Falcos „Rock me Amadeus“ anhörst – das klingt super. Aber heute hat die Qualität der Rap-Technik einfach zugenommen. Das ist wie beim Fußball: Da hat mal jemand das Tempo gesteigert, dann hat einer gesehen das geht und damit hat das Niveau einfach einen riesigen Sprung gemacht. Dagegen waren wir ja in der Steinzeit.

Verändert hat sich auch die Kommunikation: Stichwort Facebook. Wie nutzt du das soziale Netzwerk?

Facebook ist für mich eine Art Fenster zur Welt. Es gibt Tage da sehe ich niemanden, bin nur mit meiner Kunst beschäftigt. Dann ist Facebook mein einziger Weg zu sozialem Kontakt – das merkt man dann auch an dem einen oder anderen Post. Ehrlich gesagt, im Zusammenhang mit meiner Arbeit, bin ich ja auch darauf angewiesen Input von Außen zu bekommen. Und vielleicht interessiert es auch, was ich selbst für Input erhalte, dass am Ende dann eben diese Platte dabei rauskommt. Aus diesem Grund teile ich meine sogenannten ‘Redlines’ fast täglich auf Facebook.

Was steckt hinter den Redlines – den Zitaten und Sprüchen ?

Alle Antworten auf alle Fragen stehen schon in Büchern. Es gibt wahrscheinlich sehr wenige Dinge zu denen Irgendjemand noch nicht etwas Kluges gesagt hat. Auch witziges. Und ich sammle solche Sachen. Wenn mir so etwas über den Weg läuft, dann archiviere ich das. Ich kann beispielsweise bei vielen Böhse Onkelz Platten sagen, welche Bücher der Stefan (Anm. d. Red.: Stefan Weidner, Textschreiber der Band Böhse Onkelz) offensichtlich zum Zeitpunkt der Entstehung gelesen hat. Deshalb habe ich mich entschlossen solche Dinge zu teilen. Ich mag Sachen, die so ein bisschen nachhallen.

Hast du auch vor, mal ein Buch oder deine eigene Biografie zu schreiben?

Das kann man bestimmt irgendwann mal machen. Jetzt ist dafür aber der falsche Zeitpunkt. Aber tatsächlich hat mir ein Fan zu Weihnachten ein Buch mit den Sprüchen geschenkt, die ich so gepostet habe.

Zurück zur Musik: Dieses Jahr erscheint definitiv das von Fans lang erwartete Album mit Xavier Naidoo. Glaubst du das die Negativ-Schlagzeilen um Naidoo Auswirkungen auf den Verkauf haben könnten?

Das glaube ich nicht. Eine Xavier Naidoo-Platte, die kaufe ich, weil ich von ihm schon mal eine Platte gehört habe, die mich so ermuntert hat, die sich so gut angefühlt hat, dass ich hören will, was er da Neues gemacht hat. Ich habe in den vergangenen zwölf Jahren immer wieder gehört, wir seien so ein Killer-Team, ich solle doch wieder eine Platte mit ihm aufnehmen. Und jetzt machen wir diese Platte. Und ich denke, der Verkauf scheitert nicht daran. Und ich glaube ‘Nicht von dieser Welt 2’ wird viele Menschen tief berühren, es fühlt sich für mich einfach so richtig

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