„Ernste landwirtschaftliche Schäden“

Umweltministerin Schulze will Abschuss von Wölfen erleichtern Agrarministerium für weitere Maßnahmen

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Svenja Schulze will mit einer „Lex Wolf“ klarstellen, dass Wölfe leichter abgeschossen werden dürfen.

In letzter Zeit gab es vermehrt Angriffe von Wölfen auf Nutztiere. Um ernste landwirtschaftliche Schäden zu vermeiden, will Bundesumweltministerin Svenja Schulze den Abschuss von Wölfen erleichtern.

Update vom 4. März 2019: Das Bundesagrarministerium hat die Vorschläge von Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) zum einfacheren Abschuss von Wölfen begrüßt, dringt aber auf weitergehende Maßnahmen. „Wir brauchen eine Bestandsregulierung, die es rechtssicher ermöglicht, einzelne Wölfe eines Rudels zu entnehmen“, erklärte das Agrarministerium am Montag auf Anfrage. Damit sollten bei bereits vorhandenen Schäden vorbeugend weitere Schäden verhindert werden - für Viehhalter wie auch für Hobby-Tierhalter. Andernfalls drohe, dass die Weidetierhaltung in bestimmten Regionen eingestellt werden müsse und Deichpflege durch Schafe nicht mehr möglich wäre.

Im Koalitionsausschuss und auch zwischen den Ministerien seien schon Maßnahmen zum Herdenschutz besprochen worden, die weitergehen als die nun bekanntgewordenen Vorschläge des Umweltressorts. Dass der Wolf nach Deutschland zurückgefunden gefunden habe, sei grundsätzlich zu begrüßen. Andererseits bedeuteten die ansteigende Population der Wölfe und zunehmende Wolfsübergriffe auch Herausforderungen. Menschen in den ländlichen Räumen fühlten sich durch den Wolf verunsichert, Weidetiere würden in zunehmender Zahl von Wölfen gerissen.

Nach vermehrten Attacken: Umweltministerin Schulze will Abschuss von Wölfen erleichtern

Berlin - Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) will den Abschuss von Wölfen erleichtern. Ihr Ziel sei eine entsprechende Änderung des Naturschutzgesetzes, sagte Schulze der „Bild am Sonntag“. „Wenn Wölfe mehrfach Schutzzäune überwinden oder Menschen zu nahe kommen, muss man sie auch abschießen dürfen. Das will ich mit einer „Lex Wolf“ klarstellen.“ Ein Wolf soll demnach künftig bereits dann geschossen werden dürfen, wenn er „ernste landwirtschaftliche Schäden“ verursacht. Bislang sei von „erheblichem Schaden“ die Rede, der von den Gerichten erst bei einer Bedrohung der Existenz gesehen wurde, heißt es in dem Bericht.

Mehrfach Attacken auf Nutztiere in letzter Zeit

„Damit schaffe ich für die Schafhalter Rechtsklarheit und mache deutlich, dass auch Hobbyschäfer entschädigt werden können“, erklärte Schulze. Die Klarstellung solle so schnell wie möglich umgesetzt werden. „Es fehlt nur noch die Zustimmung der CDU“, so Schulze.

Wölfe sind in Deutschland streng geschützt, bisher gab es nur einige wenige Abschussgenehmigungen für auffällig gewordene Tiere. In den vergangenen Wochen waren mehrfach neue Attacken auf Nutztiere bekanntgeworden. Die Umweltminister in Niedersachsen und Schleswig-Holstein gaben kürzlich je einen Wolf zum Abschuss frei.

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Zahl der Risse im Jahr 2017 um fast 66 Prozent gestiegen

Der Schadensbilanz der zuständigen Dokumentationsstelle des Bundes (DBBW) zufolge lag die Zahl der Risse im Jahr 2017 mit 472 dokumentierten Fällen um fast 66 Prozent höher als im Vorjahr. Die Zahl der getöteten, verletzten oder vermissten Tiere - meist Schafe - wurde auf 1667 beziffert, fast 55 Prozent mehr als 2016. Im Monitoringjahr 2017/18 wurden den DBBW-Daten zufolge 73 Rudel, 30 Wolfspaare und einige Einzelwölfe in Deutschland nachgewiesen. Die meisten Wölfe leben demnach derzeit in Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen.

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dpa

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