Ex-SPD-Chef

Sigmar Gabriel künftig Aufsichtsrat bei Deutscher Bank - klare Ansage an Kritiker: „Was denn dann?“

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Sigmar Gabriel wird nun Aufsichtsrat der Deutschen Bank.

Sie fühlen sich verraten und sind enttäuscht: Viele Sozialdemokraten sind sauer auf den Ex-SPD-Chef Sigmar Gabriel. Der Grund: Sein neuer Job. 

  • Sigmar Gabriel hat offenbar eine neue Aufgabe gefunden. 
  • Er will sich für den Aufsichtsrat der Deutschen Bank zur Wahl stellen.
  • In der Vergangenheit wetterte er übel gegen die Deutsche Bank

Update vom 26. Januar: In einem Interview mit der BamS erklärt Sigmar Garbiel seine Karriere-Entscheidung, Mitglied im Aufsichtsrat der Deutschen Bank zu werden.

Gabriel erklärt seine Entscheidung über Deutsche Bank-Posten im Interview

Er sei einfach gefragt worden, sagt Gabriel einleitend ganz lapidar, um dann auf den Strategiewechsel der Deutschen Bank hinzweisen. Die Deutsche Bank verlagerte 2018 nach mehreren teuren Krisen ihr Kerngeschäft zurück zum „traditionellen Bankgeschäft“ und weg vom viel kritisierten, hochriskanten Handelsgeschäft. Was Gabriel freilich nicht sagt und auch die BamS unterlässt zu erfragen: Teil dieser neuen Strategie waren auch massive Stellenstreichungen bei der Deutschen Bank.

Sei‘s drum. Gabriel freut sich jedenfalls sehr auf seinen neuen Job. Auch die Kritik an dem Gehalt, das er als Aufsichtsrat bekommt, lässt Gabriel nicht gelten. Der Ex-Vizekanzler kriegt laut BamS 100.000 Euro im Jahr plus Sonderzahlungen zwischen 50.000 und 200.000 im Jahr, sollte Gabriel Teil eines Ausschusses werden oder einen leiten.

Gabriel mit klarer Ansage zu Deutsche Bank-Posten: „Was denn dann?“

Gabriel„Wenn es mir ums Geld gehen würde, hätte ich vor ein paar Wochen das Angebot annehmen müssen, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie zu werden. Das wäre ein Vielfaches dessen gewesen, was ein normales Aufsichtsratsmitglied der Deutschen Bank erhält.“

An alle, die seine Entscheidung, in die Wirtschaft zu gehen, generell kritisieren, hat der Ex-SPD-Chef ebenfalls eine klare Ansage: „Was sollen Politiker eigentlich machen, wenn sie ihre Laufbahn beendet haben? Sie sollen keine vorzeitigen Pensionen beziehen, sie sollen nicht zu Lobbyisten werden und eigentlich sollen sie auch nicht in die Wirtschaft gehen. Was denn dann?“

Lesen Sie auch: Die Deutsche Bank hat im Geschäftsjahr 2019 einen Verlust in Milliardenhöhe gemacht. Es ist das fünfte Jahr in Folge mit roten Zahlen. Jetzt drohen Konsequenzen.

Sigmar Gabriel bei Deutscher Bank - „Banken diktieren die Politik“

Update um 21.22 Uhr: Banken manipulieren, zahlen unanständige Gehälter und erpressen die Staaten - angesichts solcher Aussagen ist es gelinde gesagt überraschend, dass SPD-Politiker Sigmar Gabriel nun Aufsichtsrat bei der Deutschen Bank werden will. Vor wenigen Jahren zog der SPD-ler in der Öffentlichkeit unverblümt und gnadenlos über Finanzinstitute her. Doch seine früheren Aussagen halten den 60-Jährigen offenbar nicht davon ab, sich für einen der höchsten Posten bei der Deutschen Bank zur Wahl zu stellen. 

„Ich wusste nicht, ob ich lachen oder wütend sein soll, dass die Bank, die das Spekulantentum zum Geschäftsmodell gemacht hat, sich jetzt zum Opfer von Spekulanten erklärt“, behauptete Gabriel im Oktober 2016 gegenüber waz.de. Außerdem gelangt er zu einem wenig schmeichelhaften Fazit über die damaligen Probleme der deutschen Bank. Sie seien das „Ergebnis verantwortungsloser Manager“, die „Wahnsinn betrieben“ hätten. 

Sigmar Gabriel bei der Deutschen Bank? Vergangene Aussagen sprechen dagegen

Noch 2013 forderte Gabriel Bild.de zufolge, den Banken- und Finanzsektor zu bändigen. Mit acht Thesen, die es in sich hatten, verdeutlichte er seine Forderungen: 

  • Banken erpressen die Staaten“, 
  • „Banken diktieren die Politik“, 
  • „Einige Banken leisten Beihilfe zur Steuerkriminalität
  • „Banken zahlen unanständige Gehälter
  • „Banken spekulieren riskant mit dem Geld ihrer Sparer“
  • „Banken zocken ihre Kunden ab
  • „Banken halten sich nicht an Selbstverpflichtungen“
  • „Banken manipulieren

Sigmar Gabriel bei der Deutschen Bank: So viel wird er bald verdienen

Update vom 25. Januar 2020: Sigmar Gabriel will sich am 20. Mai bei der Hauptversammlung der Deutschen Bank zur Wahl zum Aufsichtsrat stellen. Damit einher geht nicht nur ein finanzielles Schmankerl für den Ex-Politiker, sondern auch ein Schwall an Kritik. Schließlich hatte sich der SPD-Politiker in den vergangenen Jahren immer wieder kritisch gegenüber dem Bankensektor und auch der Deutschen Bank geäußert. 

„Wir freuen uns sehr, mit Sigmar Gabriel einen überzeugten Europäer und Transatlantiker für den Aufsichtsrat der Deutschen Bank gewinnen zu können“, ließ Deutsche-Bank-Aufsichtsratschef Paul Achleitner mitteilen. 

Die Grundvergütung von Aufsichtsratsmitgliedern beträgt 100.000 Euro im Jahr. Hinzu kommen Ausschussgelder in Höhe von 50.000 bis 100.000 Euro für ein einfaches Mitglied. Gabriel soll nach Angaben der Bild-Zeitung einem Ausschuss vorsitzen. Demnach kann er mit Ausschussgelder von 100.000 bis 200.000 Euro rechnen. 

Gabriel soll für den Posten ins Gespräch gekommen sein, als die Berufung von Ex-UBS-Vorstand Jürg Zeltner schiefgelaufen war. Zeltner war, vom Deutsche-Bank-Gremium bereits berufen worden, musste jedoch aufgrund von Einwänden der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) und der Europäischen Zentralbank (EZB) wieder gehen gelassen werden. 

Gabriel bei der Deutschen Bank: Der Ex-SPD-Politiker soll Aufsichtsratsmitglied werden

In der weiteren Suche soll Achleitner dann Gabriel ins Spiel gebracht haben. Das berichtet Bild.de unter Berufung auf einen Insider. Entscheidend soll dann die Familie der Kataris gewesen sein, die bereits Jürg Zeltner vorgeschlagen hatten. Gabriel stehe zwar nicht in direkter Verbindung mit der Familie aus Katar, die acht Prozent der Bank-Anteile hält, soll sie jedoch über aktuelle Entwicklungen n der Bank auf dem Laufenden halten und ihre Interessen in den Ausschüssen vortragen. 

Gegen Gabriels Berufung gibt es von der Finanzaufsicht Bafin keinen Widerspruch. „Aufsichtsichtlich stellt sich nur die Frage der hinreichenden Sachkunde“, sagte Bafin-Präsident Felix Hufeld. „Die kann bei einem ehemaligen Vorsitzenden des KfW-Verwaltungsrates und Wirtschaftsminister ohne Weiteres bejaht werden.“

Deutsche Bank: Problematik mit starker Aktionärsfamilie aus Katar

Gabriel soll die Familie noch aus seinen Jahren als Niedersachsens Regierungschef kennen (1999-2003), in der er Mitglied im Aufsichtsrat von Volkswagen war. Den auch an VW sind die Kataris beteiligt - mit 17 Prozent. 

Die Verbindung zu dem Emirat sind nicht unkritisch zu betrachten. Das Emirat steht im Verdacht bestimmte Terrorgruppen zu unterstützen - oder diese zumindest nicht zu verhindern. 2014 stellte das US-Finanzministerium fest, dass aus Katar seit Jahren Geld an die palästinensische Hamas fließe. In Katar sollen offenbar auch Spenden gesammelt werden, für al-Quaida und Ableger der Terrororganisation in einigen afrikanischen Staaten wie Syrien, Irak oder Jemen. 

Die Anteile an der Deutschen Bank haben Katars früherer Regierungschef und sein Cousin erworben. Seit 2016 halten sie acht Prozent. Das hat auch für Wirtschaftsexperten problematische Folgen - in Expertenkreisen herrscht wohl die Befürchtung, die Herrscherfamilie aus Katar könnte in dem Geldhaus die Kontrolle über Entscheidungsträger und Strategie erlangen. Das berichtet wallstreet-online.de.

Sigmar Gabriel in Diensten der Deutschen Bank: Jusos attackieren Ex-SPD-Chef

Update 14.22 Uhr: Die Opposition im Bundestag reagiert empört auf die Nominierung des früheren SPD-Vorsitzenden und Ex-Vizekanzlers Sigmar Gabriel für den Aufsichtsrat der Deutschen Bank. Der Linken-Vorsitzende Bernd Riexinger sieht den Zustand der SPD auch als Folge seiner ehemaligen Parteichefs Gerhard Schröder und Sigmar Gabriel: „Schroeder ist als Kumpel von Putin bei Gazprom im Geschäft und Gabriel legt jetzt noch eins drauf und wird Aufsichtsrat für die Deutsche Bank.“ 

Das Geldhaus hat nach eigenen Angaben einen Antrag zu Gabriels Bestellung beim Amtsgericht Frankfurt/Main eingereicht. Die SPD, deren Parteichef Gabriel von 2009 bis 2017 war, äußerte sich am Freitag auf Anfrage ausdrücklich nicht zu der Personalie.

Sigmar Gabriel wird nun Aufsichtsrat der Deutschen Bank.

Wechsel früherer Spitzenpolitiker in die Wirtschaft sorgen regelmäßig für Kritik. Zustimmung kam aus dem Gewerkschaftslager, das grundsätzlich in Aufsichtsräten deutscher Unternehmen vertreten ist. Die Deutsche Bank baut gerade radikal um. Bis 2022 sollen rund 18.000 Stellen gestrichen werden. Nicht nur wegen dieser Pläne dürfte Gabriels Schritt in Teilen der SPD für Unmut sorgen.

Sigmar Gabriel wird Banker: Jusos prügeln auf Ex-SPD-Chef ein

Update 13.40 Uhr: Der neue Job für Ex-SPD-Chef Gabriel stößt bei vielen Parteimitgliedern auf Unverständnis, Enttäuschung und Wut. Die Jusos Forchheim twittern: „Der ultimative Seeheimer Kreis Guide zum reich werden: 1. Koaliere mit der Union, 2. Mache Gesetze im Sinn von Großkonzernen, 3. Lass die SPD inhaltlich erodieren und ausbluten, 4. Schieße von der Seitenlinie quer, 5. Lass dir das mit einem Aufsichtsratsposten vergolden #Gabriel“. Der Seeheimer Kreis ist eine konservative Gruppierung innerhalb der SPD. 

Nach der Europawahl - Bierzeltauftritt Gabriel

Der ehemalige stellv. Juso-Bundesvorsitzende und derzeitige Gewerkschaftssekretär Filippos Kourtoglou (IG Metall), der dem Vorstand des „Instituts Solidarische Moderne“ angehört, twitterte: „Manche ‚linke Realisten‘, die immer sagen ‚wir müssen wieder näher zu den kleinen Leuten‘ und die größten Fans von Sigmar Gabriel sind - das ist er, wenn man hinter seinem Gelaber schaut. Am Ende des Tages ein Freund des Kapitals.“

Bissig auch der Tweet des 30-jährigen Erlanger Stadtrates Munib Agha: „Wird sich Siggi im AR der Deutschen Bank genau so aufführen wir im Willy-Brandt-Haus?“

Dr. Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, postet sarkastisch: „Endlich angekommen?“

Ex-SPD-Chef Sigmar Gabriel wird Aufsichtsrat - Deutsche Bank bestätigt Personalie

Update, 10.49 Uhr: Der frühere SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel hat einen neuen Job. Er soll künftig als Aufsichtsratsmitglied der Deutschen Bank fungieren. Auf Twitter führt das zu heftigen Reaktionen. Es sei doch schön, dass Gabriel die Tradition der SPD-Vorsitzenden beibehalte „in die Aufsichtsräte von unseriösen Unternehmen zu wechseln“, schreibt etwa ein Nutzer und spielt damit auf den ehemaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder an, der nach seiner Polit-Karriere als Aufsichtsratschef bei dem russischen Ölkonzern Rosneft landete. 

Doch nicht alle Nutzer äußern sich so moderat. „Nichts sagt mehr ‚ich lebe die Sozialdemokratie‘ als Aufsichtsrat einer Bank zu werden“, schreibt etwa ein Nutzer. „Was  viele nicht wissen: Ein Ministerposten ist ja quasi auch nur ein Praktikum für einen Aufsichtsratsposten“, schreibt ein anderer. 

Die Deutsche Bank hat nach eigenen Angaben am Freitag einen Antrag zur Bestellung des 60-Jährigen beim Amtsgericht Frankfurt eingereicht. Bei der Hauptversammlung am 20. Mai soll sich Gabriel dann den Aktionären zur Wahl stellen.

Gabriel soll im Kontrollgremium des Dax-Konzerns Jürg Zeltner ersetzen. Zeltner hatte den Posten Ende vergangenen Jahres kurz nach seiner Berufung geräumt, nachdem die Aufsicht Vorbehalte gegen die Bestellung des Ex-UBS-Managers geäußert hatte.

„Wir freuen uns sehr, mit Sigmar Gabriel einen überzeugten Europäer und Transatlantiker für den Aufsichtsrat der Deutschen Bank gewinnen zu können“, ließ Deutsche-Bank-Aufsichtsratschef Paul Achleitner mitteilen. „Als ehemaliger Umwelt-, Wirtschafts- und Außenminister wird Sigmar Gabriel mit seinem großen Erfahrungsschatz einen besonderen Beitrag leisten und unsere Kompetenz im Aufsichtsrat ergänzen.“

Gabriel gehörte dem Kabinett von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in verschiedenen Funktionen neun Jahre lang an. Von Dezember 2013 bis März 2018 war er Vizekanzler, die SPD führte der gebürtige Niedersachse in den Jahren 2009 bis 2017.

Video: Dax-Aufsichtsräte: Deutsche Bank bezahlt Kontrolleure am besten

Neuer Job für Ex-SPD-Chef Sigmar Gabriel - er wird Banker

Erstmeldung vom 24. Januar: Berlin - Der frühere SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel ist ausgerechnet von der Deutschen Bank als neues Mitglied des Aufsichtsrats des Finanzinstituts nominiert worden. Wie die Deutsche Bank am Freitag mitteilte, soll sich Gabriel bei der nächsten Hauptversammlung den Aktionären zur Wahl stellen. 

Sigmar Gabriel 

„Wir freuen uns sehr, mit Sigmar Gabriel einen überzeugten Europäer und Transatlantiker für den Aufsichtsrat der Deutschen Bank gewinnen zu können“, erklärte Aufsichtsratschef Paul Achleitner.

Der frühere SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel holt aus zu einem politischen Rundumschlag. Besonders deutliche Worte findet er für seine Partei. Kurz zuvor hatte er deutlich gemacht, dass er nicht mehr für den deutschen Bundestag kandidieren werde. 

Mehr Infos folgen in Kürze.

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