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Teilmobilmachung im Ukraine-Krieg: Video zeigt sofort kapitulierenden Russen

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Von: Tim Vincent Dicke

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Wird die Teilmobilmachung für Putin zum Reinfall? Die Ukraine teilt ein Video eines russischen Soldaten, der innerhalb kürzester Zeit desertiert haben soll.

Kiew/Moskau – Die Kampfmoral der russischen Truppen erreicht neue Tiefststände. Und die Teilmobilmachung, die Staatspräsident Wladimir Putin in Russland verhängt hat, trägt offenbar auch nicht zu einer schlagkräftigen Armee bei – im Gegenteil. Innerhalb von kürzester Zeit soll sich nun ein zwangsrekrutierter Soldat im Ukraine-Konflikt ergeben haben.

Anton Geraschtschenko, ein Berater des ukrainischen Innenministers, postete am Dienstag (27. September) ein Video auf seinem Kanal bei Telegram, das angeblich einen russischen Zwangsrekruten zeigt. Dieser sei erst vor fünf Tagen in der russischen Region Rostow für den Krieg gegen die Ukraine einberufen worden. Laut Geraschtschenko handelt es sich bei dem Soldaten um den ersten mobilisierten Russen, der sich seit Putins Teilmobilmachung ergeben habe.

Reservisten, die im Rahmen der Teilmobilmachung eingezogen wurden, nehmen am 27. September 2022 an einer Verabschiedungszeremonie auf der Krim teil.
Tausende Männer müssen für Wladimir Putin in den Ukraine-Krieg ziehen. © AFP

Ukraine-Krieg: Putins Teilmobilmachung sorgt für Chaos

Der Kreml-Chef hatte vergangene Woche in einer viel beachteten TV-Ansprache die Mobilmachung verkündet – und drohte dem Westen im selben Atemzug mit dem Einsatz atomarer Waffen. „Um unser Heimatland, seine Souveränität und territoriale Integrität zu verteidigen und die Sicherheit unseres Volkes und die der Bevölkerung in den befreiten Gebieten zu gewährleisten, halte ich es für notwendig, den Vorschlag des Verteidigungsministeriums und des Generalstabs zu unterstützen, eine Teilmobilmachung in der Russischen Föderation einzuführen“, sagte Putin in der Rede.

Zwar wiederholte der Staatschef, dass es sich nur um eine Teil- und keine Generalmobilmachung handeln würde – „das heißt, nur Bürger, die sich derzeit in der Reserve befinden, werden zum Militärdienst einberufen“, so Putin. Trotzdem sorgt die Ankündigung für Panik in der Bevölkerung. Russische Männer kaufen Flugtickets ins Ausland zu Höchstpreisen, an den Übergängen zu Finnland und Georgien bilden sich seit Tagen lange Staus.

Wer es nicht aus dem Land herausschafft oder die Mobilmachung über sich ergehen lässt, muss an die Front in der Ukraine. Die Zwangsrekruten zeichnen ein noch miserableres Bild als das der russischen Armee im Allgemeinen. Videos in sozialen Netzwerken zeigen schlecht ausgebildete und ausgerüstete Männer, nicht selten sind sie betrunken.

Rekrutierter Soldat aus Russland desertiert nach kürzester Zeit

Ukraine-Berater Geraschtschenko schrieb zu seinem Video, das den russischen Kriegsgefangenen zeigen soll: „Soldaten der 92. Brigade haben einen völlig verängstigten und erfrierenden mobilisierten Soldaten im Wald bei Kupjansk gefangen genommen. Er desertierte von seiner Militäreinheit und versuchte, nach Russland zurückzukehren, verirrte sich aber.“

In dem Clip hält der vermeintliche Russe seinen Pass in die Kamera und fordert laut Newsweek seine Landsleute dazu auf, sich nicht am Ukraine-Krieg zu beteiligen. Schließlich gebe es auf beiden Seiten extrem hohe Opferzahlen. Dem US-Magazin zufolge fügte der Mann hinzu, dass er bereits an seinem dritten Tag in der Ukraine gefangen genommen worden sei – den Kommandeur seiner Einheit habe er nur ein einziges Mal gesehen. Die Echtheit der Aufnahme ließ sich nicht unabhängig überprüfen.

Selenskyj fordert russische Rekruten zur Kapitulation auf

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte russischen Zwangsrekruten, die sich gegenüber der Ukraine ergeben, erst kürzlich eine humane Behandlung versprochen. „Es ist besser, vor der verbrecherischen Mobilmachung zu fliehen, als verkrüppelt zu werden und dann vor Gericht die Verantwortung für die Teilnahme am Angriffskrieg zu tragen. Es ist besser, sich in ukrainische Gefangenschaft zu begeben, als durch die Schüsse unserer Waffen getötet zu werden“, sagte Selenskyj in einer Ansprache am Samstag (24. September).

Der Staatspräsident erklärte, jedem sich ergebenden russischen Soldaten drei Dinge zu garantieren. „Erstens: Sie werden zivilisiert und in Übereinstimmung mit allen Konventionen behandelt. Zweitens: Niemand wird die Umstände Ihrer Kapitulation erfahren, niemand in Russland wird wissen, dass Ihre Kapitulation freiwillig war. Und drittens, wenn Sie Angst haben, nach Russland zurückzukehren und keinen Austausch wünschen, werden wir einen Weg finden, um auch dies sicherzustellen“, so der 44-Jährige. (tvd)

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