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Kruzifix vor G7-Treffen entfernt: Söder wettert – Baerbock entschuldigt sich

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Unter deutschem Vorsitz trafen sich Vertreter der G7 im Historischen Rathaus von Münster. Das Auswärtige Amt ließ im Vorlauf des Treffens ein hölzernes Kruzifix abhängen.

Update vom 4. November, 19.25 Uhr: Am Freitagabend hat sich nun auch Außenministerin Annalena Baerbock zu dem Vorfall rund um das G7-Treffen in Münster geäußert. Die Grünen-Politikerin bedauert die Entscheidung des ihr unterstehenden Auswärtigen Amts, das hölzerne Kruzifix aus dem Sitzungssaal zu entfernen. 

„Das war keine bewusste Entscheidung, erst recht keine politische Entscheidung, sondern offensichtlich eine organisatorische Entscheidung“, sagte Baerbock am Freitag nach dem Treffen mit ihren Kollegen der wirtschaftsstarken Demokratien. „Ich hätte es gut gefunden, wenn wir es nicht weggeräumt hätten.“ Sie habe erst am Freitagmorgen davon erfahren.

Annalena Baerbock (r, Bündnis 90/Die Grünen), Außenministerin, James Cleverly (l), Außenminister von Großbritannien, Antony Blinken, Außenminister der USA und Catherine Colonna, Außenministerin von Frankreich während des G7-Treffens in Münster.
Annalena Baerbock (r, Bündnis 90/Die Grünen), Außenministerin, James Cleverly (l), Außenminister von Großbritannien, Antony Blinken, Außenminister der USA und Catherine Colonna, Außenministerin von Frankreich während des G7-Treffens in Münster. © Rolf Vennenbernd/dpa

Söder tobt über Kreuz-Entfernung — „In keinem anderen Land der Welt“

Update vom 4. November, 16.15 Uhr: Ein Treffen der G7-Außenminister am Donnerstag in Münster schlägt in der deutschen Politik-Landschaft weiter hohe Wellen. Der Grund: Das Auswärtige Amt ließ vor der Zusammenkunft im historischen Rathaus der Stadt ein hölzernes Kruzifix aus dem Saal entfernen. Vor allem Politiker der Unions-Parteien zeigten sich erbost über den Vorgang und warfen dem Ministerium von Annalena Baerbock fehlendes Bewusstsein über Geschichte und Tradition vor.

Auch der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat sich am Freitag in die Debatte eingeschaltet. Über seinen offiziellen Twitter-Account teilte der CSU-Chef einen Beitrag über den „Kruzifix-Vorfall“ in Münster. Dazu schrieb der 55-Jährige: „Ist das die neue deutsche Außenpolitik? In keinem anderen Land der Welt würde sowas passieren…“ Die Daseinsberechtigung von Kruzifixen in öffentlichen Gebäuden war für Söder auch in der Vergangenheit ein wichtiges politisches Thema.

Im Jahr 2018 rief der bayerische Ministerpräsident eine Vorschrift ins Leben, wonach in jedem staatlichen Gebäude im Freistaat ein Kreuz hängen muss. Das Kreuz sollte dabei weniger als religiöses Symbol und mehr als Ausdruck der geschichtlichen und kulturellen Prägung Bayerns dienen. Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof wies diverse gegen die Vorschrift eingegangene Klagen im Juni dieses Jahres zurück.

Auswärtiges Amt ließ für G7-Treffen Kreuz entfernen – CDU poltert: „traditions- und geschichtsvergessen“

Erstmeldung vom 4. November: Münster - Das Auswärtige Amt hat als Ausrichter des Treffens der Außenministerinnen und Außenminister der G7 im Tagungsort in Münster ein historisches Kreuz entfernen lassen. Das sei Teil einer größeren Umgestaltung des Saals gewesen, die vom Protokoll des Auswärtigen Amts mit der Stadt Münster besprochen worden sei, sagte ein Ministeriumssprecher am Freitag in Berlin. Es habe dazu keine Entscheidung auf politischer Ebene gegeben, Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) sei mit der Frage nicht befasst gewesen. Zuvor hatten die Westfälischen Nachrichten darüber berichtet.

G7-Treffen: Auswärtiges Amt ließ Kreuz aus Sitzungssaal entfernen

Baerbock und ihre Amtskolleginnen und -kollegen der wirtschaftsstarken Demokratien tagten am Donnerstag und Freitag unter anderem im Friedenssaal des Historischen Rathauses. Das ist ein symbolträchtiger Ort, dort wurde vor mehr als 370 Jahren der Westfälische Frieden geschlossen, mit dem der Dreißigjährige Krieg beendet wurde.

Auf einem Vorsprung an einer holzvertäfelten Wand steht eigentlich ein großes Kreuz, laut Westfälischen Nachrichten handelt es sich um das „Ratskreuz“ aus dem 16. Jahrhundert. Auf Fotos der G7-Runde aus dem Raum ist aber im Hintergrund zu sehen, dass der Sockel leer ist und das Kruzifix fehlt. Der Runde gehören neben Deutschland Frankreich, Italien, Japan, Kanada, die USA und Großbritannien an. Deutschland hat bis Jahresende den Vorsitz und ist zurzeit zuständig für die Organisation von Konferenzen.

Die Teilnehmer des G7-Treffens in Münster am runden Tisch. Auf dem Sockel im Hintergrund steht sonst ein hölzernes Kruzifix.
Die Teilnehmer des G7-Treffens in Münster am runden Tisch. Auf dem Sockel im Hintergrund steht sonst ein hölzernes Kruzifix. © Rolf Vennenbernd/dpa

Auswärtiges Amt ließ Kreuz entfernen – „traditions- und geschichtsvergessen“

Der Sprecher des Auswärtigen Amts sagte, eine Veränderung des Mobiliars sei bei solchen Treffen üblich. Es gäbe etwa einen anderen Tisch, eine andere Beleuchtung, andere Teppiche. Ein Sprecher der Stadt Münster verwies auf das Auswärtige Amt, das für die Ausstattung zuständig sei. „Wir stellen nur die Räume“, sagte er.

Der Parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion, Thorsten Frei (CDU), kritisierte beim Fernsehsender „Welt“, die Bundesregierung sei „traditions- und geschichtsvergessen.“ Wer Symbole des christlichen Glaubens aus einem Sitzungssaal räumen lasse, sei nicht weltoffen, sondern verbohrt. (dpa)

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