Reparationen für Zweiten Weltkrieg

Griechenland will 376 Milliarden Euro bei Bundespräsident Steinmeier einfordern

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Bundespräsident Frank-Walther Steinmeier besucht am Donnerstag Athen

Griechenland meldet ein weiteres Mal Reparationsansprüche an - pünktlich zum Besuch von Bundespräsident Steinmeier. Eine Kommission des Parlaments fordert fast 400 Milliarden Euro.

Athen - Nach mehr als acht Jahren Spar- und Reformpolitik verließ Griechenland Mitte August 2018 den EU-Rettungsschirm. Das Ergebnis dieser Zeit ist jedoch ernüchternd. Zwar konnte die Regierung unter Alexis Tsipras das Defizit des Staatshaushalts zurückfahren, doch konnten die entscheidenden Reformen nicht durchgebracht werden, um die griechische Wirtschaft wieder anzukurbeln.

Nun könnte die Regierung Tsipras scheitern. Und schon kommt eine erneute Forderung: Deutschland soll erneut Reparationszahlungen für die Nazi-Zeit leisten, passend zum Besuch von Bundespräsident Frank-Walther Steinmeier. Unter anderem plant er die Besichtigung des ehemaligen Konzentrationslagers Chaidari bei Athen, um dort ein Blumengesteck zu hinterlegen.

Laut eines Berichts der Bild erklärte der Präsident der Reparations-Kommission im griechischen Parlament, Triantafyllos Mitafides (70): „Die Frage der deutschen Reparationen wird bei jeder Gelegenheit vom griechischen Präsidenten Prokopis Pavlopoulos angesprochen. Leider bislang nur während Gedenkfeiern in Dörfern, die unter den Gräueltaten der Nazis litten. Ich denke, der Besuch des Bundespräsidenten ist eine gute Gelegenheit, diese Frage nicht nur durch öffentliche Erklärungen, sondern auch zwischen den beiden Präsidenten persönlich zu klären.“

Der Bericht und der Gesamtbetrag der Reparationen basiere nicht auf Spekulationen oder Schätzungen, sondern auf offiziellen Dokumenten. Für Griechenland gebe es keine Verjährungsfrist, um deutsche Reparationen in Anspruch zu nehmen. 

Video: So kämpfen die Griechen im Alltag ums Überleben

Laut Bild werden folgende Forderungen erhoben

171,4 Milliarden Euro sollen die Nettoforderungen Griechenlands bis 2014 betragen. Sie beziehen sich hauptsächlich auf die Zerstörung der griechischen Infrastruktur durch die Nazis. Weitere 10,3 Milliarden Euro werden für Zwangskredite gefordert, die Griechenland während der Besetzung leisten musste. Hinzu kommen 33,8 Milliarden Euro für den Verlust von staatlichen Ressourcen wie Öl, Landwirtschaft etc. von 1940 bis 1944. Außerdem fordert das griechische Parlament zusätzliche 53,8 Milliarden Euro als Entschädigung für Produktionsverluste während der Besatzungszeit.

Abschließend sollen individuelle Zahlungen für die Hinterbliebenen der durch die Nationalsozialisten ermordeten und verletzten Griechen von mindestens 15,1 Milliarden Euro bezahlt werden. Eine extremere Berechnung kommt hier sogar auf 107,2 Milliarden Euro. Macht insgesamt 376,5 Milliarden Euro!

Deutsche Politiker wehren sich gegen Forderungen

Laut des Berichts der Bild sehen deutsche Politiker jedoch keinen Grund für die Reparationszahlungen. FDP-Außenexperte Alexander Graf Lambsdorff (51): „Diese Diskussion schadet Europa und bringt Griechenland gar nichts. Deutschland muss nicht zahlen, das ist völkerrechtlich schon seit dem Abkommen von 1960 klar.“ Tatsächlich wurde im Jahr 1960 die Summe der Reparationszahlungen zwischen der Bundesrepublik und dem Königreich Griechenland durch das Globalabkommen verhandelt. Zusätzlich wurden diese durch die Zustimmung Griechenlands zum Zwei-plus-Vier-Vertrag von 1990 geregelt. Für Lambsdorff seien die Forderungen nur ein „durchsichtiges Manöver der griechischen Populisten, um innenpolitisch zu punkten.“

Auch der CDU-Außenpolitiker Elmar Brok (72) erklärte gegenüber Bild: „Mit dem Londoner Schuldenabkommen wurde alles geregelt, es gibt rechtlich gesehen keine finanziellen Ansprüche gegen Deutschland.“ Die Diskussion schade nur den Beziehungen zwischen Deutschland und Griechenland und dürfe nicht wieder beginnen. Anders als bei den Reparationsforderungen Griechenlands im Jahr 2015, bei denen sich Grüne- und SPD-Politiker für eine Entschädigung ausgesprochen haben.

tf

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