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Energiekrise als Folge des Kriegs: „Wir haben ein regionales Problem, und zwar in Bayern“

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Von: Sandra Kathe

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Als eines der letzten Atomkraftwerke in Deutschland soll „Isar 2“ bei Landshut Ende 2022 vom Netz gehen. Doch Einige fordern wegen der Ukraine-Krise seinen Weiterbetrieb.
Als eines der letzten Atomkraftwerke in Deutschland soll „Isar 2“ bei Landshut Ende 2022 vom Netz gehen. Doch Einige fordern wegen der Ukraine-Krise seinen Weiterbetrieb. © Marco Hadem/dpa

Während Fachleute aus dem Umweltschutz vor längeren AKW-Laufzeiten und vor allem Wiederinbetriebnahmen warnen, sondiert die Politik bereits die Möglichkeiten.

Berlin – Vor dem Hintergrund gedrosselter Gaslieferungen aus Russland sehen einige in einer möglichen Verschiebung des Atomausstiegs eine schnelle Lösung, andere warnen vor den Folgen, sollte man die riskante und langfristig umweltschädliche Technologie weiterlaufen lassen oder gar wieder verstärkt wiederbeleben. Bis in der Debatte Entscheidungen fallen, kann es noch eine ganze Weile dauern.

Vor allem aus der bayerischen CSU, aber auch aus ihrer Schwesternpartei im Rest Deutschlands werden vermehrt Forderungen laut, aufgrund möglicher Folgen aus dem Ukraine-Krieg und dem daraus resultierenden Gas-Konflikt mit Russland weiterhin auf Atomenergie zu setzen. Geplant und gesetzlich festgeschrieben ist, die drei letzten deutschen Atomkraftwerke – Emsland in Niedersachsen, Isar 2 in Bayern und Neckarwestheim 2 in Baden-Württemberg – zum Ende des Jahres abzuschalten.

AKW-Laufzeitverlängerung in Energiekrise: Politik diskutiert über zwei Varianten

Die beiden Szenarien, die derzeit aus Politik und Wirtschaft gefordert werden, sind einerseits ein sogenannter „Steckbetrieb“, eine kurzfristige Verlängerung der Betriebszeit der noch laufenden Atommeiler, ebenfalls denkbar wäre für viele eine Wiederinbetriebnahme bereits abgeschalteter AKW. Während Variante 1 auch von vielen eher kritischen Politikerinnen und Politikern in der Ausnahmesituation als denkbar gilt, schließen die meisten eine als extrem teuer geltende Wiederaufnahme des Betriebs anderer Meiler vehement ab.

Als eines der letzten Atomkraftwerke in Deutschland soll „Isar 2“ bei Landshut Ende 2022 vom Netz gehen. Doch Einige fordern wegen der Ukraine-Krise seinen Weiterbetrieb.
Als eines der letzten Atomkraftwerke in Deutschland soll „Isar 2“ bei Landshut Ende 2022 vom Netz gehen. Doch Einige fordern wegen der Ukraine-Krise seinen Weiterbetrieb. © Marco Hadem/dpa

Gefordert wird der „Steckbetrieb“ vor allem im Fall des Kraftwerks Isar 2 in Niederbayern, nachdem der CSU-Chef und bayerische Ministerpräsident Markus Söder Alarm geschlagen hat und vor massiven Problemen im Herbst und Winter warnt. Dazu sagte Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) zuletzt der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“: „Wenn der Stresstest ergibt, dass Bayern tatsächlich ein ernsthaftes Strom- bzw. Netzproblem haben könnte, dann werden wir diese Situation und die dann bestehenden Optionen bewerten.“

Diskussion über Weiterbetrieb von AKWs: Stresstest soll Entscheidung bringen

Auch Grünen-Wirtschaftsminister Robert Habeck schließt ein Weiterlaufen der drei Atomkraftwerke derzeit nicht kategorisch aus, hat dazu aber einen neuen „Stresstest zur Stromversorgung“ angeordnet, von dessen Ergebnissen eine mögliche Verhandlung über den Weiterbetrieb abhängen soll. Dass die Ergebnisse einen Weiterbetrieb der Atomkraftwerke „von mindestens weiteren fünf Jahren“ ergeben, wie sie CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt laut einer Äußerung gegenüber der Welt für „denkbar“ hält, scheint unwahrscheinlich.

Strikt gegen eine Verlängerung der AKW-Laufzeiten ist etwa der Präsident des Bundesamtes für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung, Wolfram König. König sagte der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung: „Der mühsam errungene gesellschaftliche Konsens würde auch grundsätzlich infrage gestellt werden.“ Nach der Nuklearkatastrophe im japanischen Fukushima 2011 hatte der Bundestag den Atomausstieg bis 2022 beschlossen. SPD und Grüne unterstützen den Kurs der Koalition von Union und FDP. Acht Atomkraftwerke wurden sofort stillgelegt, die übrigen neun folgen stufenweise bis 2022.

Der Grünen-Politiker Jürgen Trittin forderte in Richtung CSU, mehr Strom einzusparen. „Wir haben ein regionales Problem, und zwar in Bayern“, sagte der frühere Umweltminister dem Tagesspiegel. „Dass im Winter die bayerischen Alpen mit Schneekanonen beschneit werden, muss auf den Prüfstand. Wir haben in Bayern ein gigantisches Stromsparpotenzial, das weit über dem liegt, was Isar 2 liefern könnte.“ (ska mit dpa)

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