ARD-Talk im Ersten

Anne Will zu Trump: FDP-Mann warnt vor Schreckensszenario

+
Anne Will mit ihren Gästen

Eigentlich ging es bei Anne Will am Sonntagabend um die Frage, wie gefährlich der Atom-Streit für Europa werden könne. Doch dann sorgte etwas anderes für Zündstoff.

Berlin - Wie gefährlich kann der Atom-Streit für Europa werden? - Das wollte Anne Will am Sonntagabend von ihren Talkgästen wissen. Sehr gefährlich - darüber herrschte Einigkeit. Alexander Graf Lambsdorff, stellvertretender FDP-Fraktionsvorsitzender im Bundestag, hält gezielte Bombardements von nuklearen Einrichtungen in Iran seitens der Amerikaner für nicht ausgeschlossen. 

Der Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses des Deutschen Bundestages, Norbert Röttgen, vertrat die Ansicht, dass zwar weder USA noch Iran die Absicht hätten, einen Krieg zu führen, es dennoch eine reale Bedrohung gebe, zumal in einer „Pulverfass-Region“ wie der des Nahen Ostens immer etwas passieren könne.  

Darüber, ob der harte Kurs der USA zu dem erwünschten Ergebnis führen könne, und ob die Europäer auf die Forderung Irans eingehen sollten, gab es unterschiedliche Meinungen.

Anne Will: „Außenminister Maas hat abgesagt“

Deutlich mehr Zündstoff kam in die Talkrunde, als es um das Thema „Deutsche Außenpolitik“ ging.Die Absage des Besuches von US-Außenminister Mike Pompeo in Deutschland sei ein Affront gewesen und zeige die Geringschätzung, die die deutsche Regierung derzeit in Washington habe, begann Lambsdorff. „Das gibt es eigentlich gar nicht, dass ein Außenminister am selben Tag ein Treffen mit der Kanzlerin absagt. Pompeo war in Finnland, er hätte auch mal kurz in Berlin landen können, aber er fliegt lieber nach Grönland. Mir macht als Außenpolitiker schon Sorgen, dass wir für Grönland übergangen werden.“ Die deutsche Außenpolitik habe kaum noch Einfluss, schlussfolgerte Lambsdorff.

Norbert Röttgen in der ARD: „Ich warne vor Schadenfreude“ 

Anne Will gab den Ball an CDU-Außenpolitiker Röttgen weiter. „Ich warne vor Schadenfreude“, begann er. Außerdem sei die Reiseroute Pompeos umgekehrt gewesen. „Ne, ne, ne“, kommentierte Lambsdorff. 

„Es gibt Divergenzen, wir müssen analysieren, was sich in Washington verändert hat ...“, Röttgen weiter. 

„Trump ist ja schon eine Sekunde im Amt, damit fangen Sie doch nicht erst jetzt an“, unterbrach ihn Anne Will. Röttgen kam ins Schleudern. „Das haben wir getan, da haben Sie völlig Recht, wir brauchen einen europäischen Zusammenschluss, denn ohne Deutschland geht in Europa gar nichts.“  

„Glauben Sie das wirklich?“, hakte Anne Will nach.

„Konsequent wäre doch, wenn Merkel irgendwann mal auf Macron zugehen würde, die Kanzlerin sagt gar nichts“, setzte Lambsdorff nach. Viel mehr konnte Röttgen auch nicht dazu sagen. Der Politiker, der für mehr Aufklärung hätte sorgen können, fehlte. Man habe Außenminister Maas angefragt, doch er habe abgesagt, so Anne Will. 

Anne Will: Es geht um ein brandgefährliches Thema - Der Vorbericht

Berlin - Droht im Atom-Streit die Eskalation? Irans Präsident Hassan Rohani hat lange nicht auf die Aufkündigung des Atomabkommens (JCPOA) durch US-Präsident Donald Trump reagiert – jetzt fordert er von Deutschland, Frankreich und Großbritannien, dass sie das Abkommen innerhalb einer Frist von 60 Tagen retten. Das Ultimatum war an diesem Sonntag Thema bei „Anne Will“.

Trump-Talk bei Anne Will (ARD)

Rohanis Drohung: Falls die EU-Staaten keinen Weg finden, die US-Sanktionen gegen Iran zu umgehen, will er wieder mehr Uran anreichern sowie Flüchtlinge und Drogen aus Afghanistan nach Europa durchwinken. Vor wenigen Tagen ist Iran teilweise aus dem Atomabkommen von 2015 ausgestiegen. Rohani kündigte im TV an, zwei Punkte aus der Vereinbarung mit Deutschland sowie den Uno-Vetomächten China, Russland, Großbritannien und Frankreich in den nächsten 60 Tagen nicht länger umsetzen. 

Trump-Talk bei „Anne Will“ am 12. Mai

Die EU hat das Ultimatum bereits abgelehnt – US-Präsident Trump verlegte im Atom-Steit gerade ein weiteres Kriegsschiff in den Nahen Osten. 

„Wie gefährlich ist der Atom-Streit für Europa?“ ist der Titel des „Anne Will“-Talks vom 12. Mai. Kann Europa das Atom-Abkommen noch retten? Und welche Rolle spielt dabei die deutsche Außenpolitik? Diskutieren will Anne Will diese Fragen mit folgenden Gästen:

  • Norbert Röttgen (CDU), Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses des Deutschen Bundestages. Der 53-Jährige ist außerdem Vorstandsmitglied der Atlantik-Brücke e.V.
  • Melody Sucharewicz, deutsch-israelische Beraterin für Kommunikation und Strategie in Tel Aviv. Die 39-jährige Münchnerin wanderte mit 19 Jahren nach Israel aus, gewann 2006 die zweite Staffel der israelischen Reality-TV Show „The Ambassador“ und reiste anschließend als „Sonderbotschafterin“ für Israel durch die Welt.
  • Alexander Graf Lambsdorff (FDP) Stellvertretender Fraktionsvorsitzender im Bundestag. Der 52-Jährige ist, wie Röttgen, Vorstandsmitglied der Atlantik-Brücke e.V. sowie Mitglied des Petersburger Dialogs.
  • Katajun Amirpur, Islamwissenschaftlerin. Die Deutsch-Iranerin sagte kürzlich im Deutschlandfunk, dass sie neue Proteste im Iran gegen die Regierung für möglich halte – schon jetzt gebe es wegen der schlechten Versorgung Demonstrationen, so die 48-Jährige.
  • Martin Schirdewan (Die Linke) Spitzenkandidat bei der Europawahl und Mitglied des EU-Parlaments. Der 43-Jährige ist seit 2011 Redaktionsmitglied der Zeitschrift "antifa", Magazin für antifaschistische Politik und Kultur.

    Anne Will am 12. Mai: Atomstreit mit Iran: Trump droht, EU unter Druck

Vor einem Jahr war US-Präsident Trump einseitig aus dem Atomabkommen von 2015 ausgestiegen. Es soll den Iran am Bau von Atomwaffen hindern. Die Partner aus Europa protestierten – Trump erklärte damals: „Wir werden die höchste Stufe von Wirtschaftssanktionen einführen.“ Im Rahmen des Atomabkommens waren die Sanktionen gegen den Iran ausgesetzt worden.

Für sein Ultimatum an die EU fand Rohani nun klare Worte: "Wenn unsere Hauptinteressen, besonders Ölverkauf und die Aufhebung der Sanktionen, binnen 60 Tagen erfüllt werden, kehren wir in die vorherige Situation zurück", zitiert ihn Spiegel Online.  Nur: 60 Tage dürften für die EU kaum reichen, das Ultimatum aus Teheran zu erfüllen.

Die Themen bei „Anne Will“ stehen meist wenige Tage vor der Ausstrahlung fest. Falls das Programm aufgrund von aktuellen Entwicklungen geändert wird, halten wir Sie auf dem Laufenden. 

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare