Unterhalten und aufklären

"Leben mit Tourette": Millionen Menschen lachen über diesen Erkrankten - doch der hat eine Botschaft

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Jan Zimmermann klärt über seine Tourette-Erkrankung auf.

Zunächst wirken die Schimpfworttiraden lustig, doch für Tim und Jan sind sie Alltag. Jan hat Tourette, und auf dem YouTube-Kanal „Leben mit Tourette“ klären sie darüber auf.

Köln - Zwei junge Männer sitzen im Park und drehen ein Video für ihren YouTube-Kanal. So weit nicht allzu spektakulär. Doch immer wieder rastet einer von ihnen aus. Schreit Schimpfwörter herum, zappelt, pfeift und zeigt wahllos den Stinkefinger. Der andere bleibt cool, wartet, bis sich sein Kumpel wieder beruhigt hat. Er weiß, wie er mit ihm umgehen muss, denn sein Freund hat Tourette.

Tim und Jan betreiben den YouTube-Kanal „Leben mit Tourette“

Die beiden YouTuber heißen Tim und Jan. Ihr Kanal heißt „Gewitter im Kopf - Leben mit Tourette“ und damit ist schon alles gesagt, worum es bei den Videos der zwei geht. Oder nicht? Nein, die beiden wollen nicht nur Situationen zeigen, in denen Jan unwillkürlich Kraftausdrücke ruft, sondern sie wollen den Zuschauern die Krankheit näher bringen. Dass sie dabei ihre inzwischen über 770.000 Follower gut unterhalten, ist ein positiver Nebeneffekt.

Tim (l.) und Jan betreiben die YouTube-Seite Gewitter im Kopf - Leben mit Tourette

Das Gilles-de-la-Tourette-Syndrom, wie es ganz genau heißt, geht auf den französischen Neurologen selbigen Namens zurück. Er untersuchte Ende des 19. Jahrhunderts eine Erkrankung des Nervensystems die meist mit unwillkürlichen Bewegungen (Tics) und unkontrollierten Ausrufen oder Geräuschen einhergeht. Die Krankheit wird hauptsächlich genetisch vererbt und betrifft nach groben Schätzungen 40.000 Menschen in Deutschland. Die Krankheit tritt meist schon im Kindesalter auf und verschlimmert sich häufig, wenn die Patienten älter werden.

THC kann Tourette-Erkrankten bei ihren Tics helfen

Heilbar ist Tourette bis heute noch nicht. Aber mit Medikamenten lassen sich die Häufigkeit und Intensität der Tics reduzieren. Auch eine Behandlung mit THC - das Rauschmittel im Cannabis - erbrachte schon häufiger positive Effekte. Ansonsten können Betroffene begleitend eine Psychotherapie machen. Beispielsweise eine Musiktherapie - also das Spielen eines Instruments - half, die nervösen Impulse im Gehirn zu unterdrücken.

Jan mit seiner Mutter

Jan versucht mit seinen YouTube-Videos, über Tourette aufzuklären

Inzwischen hat sich Jan mit der Krankheit arrangiert und versucht, ein normales Leben zu führen. Er hatte sogar eine Ausbildung zum Physiotherapeuten angefangen, aber auch hier kam ihm die Tourette-Krankheit in die Quere. Jans Anfälle können nicht nur von ihm selbst ausgelöst werden, sondern auch von äußeren Einflüssen. So erzählt er in einem anderen YouTube-Video von seinem letzten Tag auf der Berufsschule. Der Feuermelderknopf hatte ihn getriggert - also eine Reaktion bei ihm ausgelöst - und er musste ihn betätigen. Anschließen war die Schule umringt von Löschzügen der Feuerwehr und anderen Einsatzkräften. Konsequenzen hatte der Einsatz für Jan, dank oder wegen seiner Krankheit keine, aber angenehm geht anders.

Mittlerweile kann Jan über die verrückten Situationen mit seinem Tourette-Syndrom Gisela lachen - und dass sollen auch die Zuschauer auf seinem YouTube-Kanal. Den trotz der Einschränkungen für den 20-Jährigen genießt Jan sein Leben. Und er hofft mit den Videos mehr Menschen auf diese unheilbare Krankheit aufmerksam zu machen.

Bei YouTube-Star Joyce Ilg hingegen geht es mehr ums Auffallen, wie sie mit ihren neusten Bildern beweist. Einer der berühmtesten YouTuber, PewDiePie, hat sich hingegen entschieden, die Plattform zu verlassen.

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