Staatsanwaltschaft ermittelt

Mädchen (13) stirbt auf Klassenfahrt nach London - Vater hat schlimmen Verdacht

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Trauer in Mönchengladbach: Die 13-jährige Emily starb auf der Klassenfahrt.

Die 13-jährige Emily kommt bei einer Klassenfahrt nach London ums Leben. Der Vater erhebt schwere Vorwürfe, er ist sich sicher: ihr Tod hätte verhindert werden können.

Mönchengladbach/London - Es ist der 25. Juni 2019, an diesem Tag sollte die Klasse der Theodor-Hespers-Gesamtschule aus Mönchengladbach auf Klassenfahrt nach London fahren. Eine Reise, die wohl niemand der Beteiligten jemals vergessen wird. Denn nur weniger Tage später ist eine der Schülerinnen tot.

Emily (13) war zuckerkrank, Diabetis Typ-1, hatte eine Insulinpumpe. Sie war weltoffen, neugierig und leidenschaftliche Bodenturnerin. Bei den Stadtmeisterschaften in Mönchengladbach erreichte sie sogar den zweiten Platz, wie ihr Vater Kay S. erzählt. Sie stand auf Ariana Grande und mochte, wie andere Mädchen in ihrem Alter, auch Youtuber. „Dagi Bee hat sie sehr gerne geguckt“, sagt ihr Vater. Sogar ihren Traumberuf hatte sich Emily schon ausgesucht. „Sie wollte unbedingt Mediengestalterin werden. Das hat sie immer wieder gesagt.“

Tod der kleinen Emily: Lehrer sollen nicht nach dem Mädchen gesehen haben

Wie konnte es so weit kommen, dass das Mädchen von der Klassenfahrt nicht zurückkehrt? Am dritten Tag ihres Aufenthalts in London musste sich Emily nach einem Restaurantbesuch übergeben. Von da an ging es Emily zunehmend schlechter. Mitschüler sollen bei dem Aufenthalt darauf hingewiesen haben, dass es dem zuckerkranken Mädchen nicht gut gehe. Lehrer oder andere Aufsichtspersonen sollen sich zu spät um die Schülerin gekümmert haben. „Klassenkameraden von Emily haben mir erzählt, dass sie alleine im Hotel geblieben sei, der Rest der Klasse sei auf einen Ausflug gegangen“, schildert der Vater.

Am nächsten Morgen seien dann mehrere Kinder zu den Lehrern gegangen und hätten die Lage geschildert. Niemand habe nach dem Mädchen geschaut. „Die Kinder haben sich bemüht, selber damit fertig zu werden.“ Sie sollten in Absprache mit einer Lehrerin auf die 13-Jährige aufpassen. Am Freitagabend soll Emily weggetreten sein. „Die Bemühungen der Kinder, einen Lehrer ausfindig zu machen, schlugen am Donnerstag fehl“, sagte Klaus Voßmeyer, der Anwalt der Familie.

Auch Experten konnten Emily nicht mehr retten

Am Samstag sollen sie Emily nicht mehr wach bekommen haben. Erst dann soll eine Lehrerin nach ihr gesehen haben, weil die Abreise anstand. Dann erst hatte diese einen Krankenwagen gerufen. Emily kam in eine Klinik, wurde anschließend sogar in das auf Kindermedizin spezialisierte Krankenhaus „Great Ormond Street“ Hospital verlegt. Doch alle Hilfe kam zu spät. Das Mädchen starb nach Angaben von Voßmeyer am Sonntag um 14.00 Uhr im Krankenhaus. Die Todesursache ist noch ungeklärt, der Vater wartet noch auf den Bericht der Obduktion aus England.

Der Anwalt erstattete aufgrund der Schilderungen von Mitschülern nun Anzeige gegen die Aufsichtspersonen. „Das ist der Vorwurf, der letztlich erhoben worden ist. Inwieweit das zutrifft und wie sich der Sachverhalt tatsächlich gestaltet, ist Gegenstand der Ermittlungen“, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Jan Steils am Dienstag. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung. Bild.de hatte zuerst über den Fall berichtet.

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