Bei Aushubarbeiten die Gräber verwechselt

Friedhofsgärtner entsorgt Leichenteile im Container - Fall erneut vor Gericht

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Die Kirchengemeinde durfte dem Gärtnereibetrieb wegen Störung der Totenruhe nicht fristlos kündigen. 

Eine Kirchengemeinde in Solingen durfte einem Gärtnereibetrieb wegen Störung der Totenruhe nicht fristlos kündigen. Der Fall wird erneut jetzt erneut verhandelt.

  • Ein Friedhofsgärtner hatte in Solingen Leichenteile im Müllcontainer entsorgt.
  • Die Kirchengemeinde kündigte danach dem Gärtnereibetrieb.
  • Friedhofsgärtner kann Vergütung für halbes Jahr verlangen.
  • Solingen - Dieser Fall hat viele Menschen in Solingen schockiert: Ein Friedhofsgärtner hatte Leichenteile im Müllcontainer entsorgt - die falschen. Der Fall ereignete sich bereits im Jahr 2016 in Solingen. Jetzt - fast vier Jahre später - beschäftigte sich erneut ein Gericht damit. Denn die Kirchengemeinde, auf deren Friedhof es zu dem fatalen Missverständnis gekommen war, kündigte danach dem Gärtnereibetrieb. Um eben diese Kündigung ging es jetzt am Landgericht in Düsseldorf.

    Solingen: Friedhofsgärtner spricht beim Umgang mit den Leichenteilen von Versehen

    Wie das Solinger Tageblatt* berichtet, durfte die Kirchengemeinde demnach dem Friedhofsgärtner nicht nach 25 Jahren fristlos kündigen, weil dessen Mitarbeiter sich im Umgang mit einer Leiche strafbar gemacht hatte. Dies hat der 21. Zivilsenat des Oberlandesgerichts Düsseldorf entschieden.

    Der Friedhofsgärtner wurde im September 2016 mit der Vorbereitung einer Beerdigung in dem mittleren Grab einer Familiengrabstätte in Solingen beauftragt. In dem linken Grab war zuletzt 2010 ein Familienmitglied beerdigt worden. Ein Mitarbeiter des Friedhofsgärtners verwechselte bei den Aushubarbeiten die Gräber und hub das linke Grab aus. Als er hierbei auf nicht verrottete Sargteile wie auch Leichenteile stieß, entsorgte er diese in einem Müllcontainer. Dort wurden sie wenige Tage später entdeckt. Darauf kündigte die Kirchengemeinde fristlos den Vertrag mit dem Friedhofsgärtner. Außerdem erklärte sie die ordentliche Kündigung.

    Solingen: Friedhofsgärtner verwechselte bei Aushubarbeiten die Gräber

    Aus Sicht des Gerichts war der Kirchengemeinde eine weitere Tätigkeit des Mitarbeiters auf dem Friedhof in Solingen nicht mehr zumutbar. Das rechtfertigte aber nicht die Kündigung gegenüber dem Kläger, der über 25 Jahre beanstandungsfrei gearbeitet hatte. Vielmehr hätte sie ihnabmahnen und ihm so Gelegenheit geben können, seinen Mitarbeiter von weiteren Tätigkeiten zu entbinden.

    Deshalb kann der Friedhofsgärtner Vergütung für das halbe Jahr verlangen, das nach der fristlosen Kündigung bis zur fristgerechten Beendigung des Vertrages verging. Der Senat bestätigt damit das erstinstanzliche Grundurteil des Landgerichts Wuppertal. Dieses muss nun entscheiden, welche Vergütung dem Friedhofsgärtner der Höhe nach zusteht. red

    In Ohligs entsteht eine Ruhestätte für Kinder, die nie das Licht der Welt erblickt* haben. Dort sollen Eltern einen Ort zum Trauern haben. In Solingen wird davon ausgegangen, dass die Friedhöfe langfristig verkleinert* werden. Nach derzeitigen Prognosen könnten 29 Prozent der Grabflächen aufgegeben werden.

    *solinger-tageblatt.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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