Die Geschichte des Musik-Genres

Techno und House: Die Entstehung der elektronischen Tanzmusik

"Fusion"-Festival
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Die Geschichte und Entwicklung der House- und Technomusik - ihre Entstehung, Erfolgsgeschichte und die wichtigsten Künstler.

  • Techno und House teilen sich ihre Wurzeln in der Disco-Musik der 1970er Jahre, die schließlich zur Entstehung des Chicago House führte. 
  • Die elektronische Tanzmusik inspirierte in den späten 1980er und 1990er Jahren eine eigene Szene, die sich durch hemmungslose Partys, eine Ablehnungshaltung gegen Superstardom und eine szenetypische Ästhetik auszeichnet. 
  • Später wurden House und Techno immer mehr Opfer der Kommerzialisierung, die heutzutage auch Kritik aus eigenen Reihen hervorruft.

House und Techno sind die wohl bekanntesten Stilrichtungen der elektronischen Tanzmusik. Die seit den 1980er Jahren immer populärer werdenden Genres entwickelten sich aus der Disco-Musik, die ein Jahrzehnt zuvor ihren Höhepunkt feierte. Sowohl House als auch Techno zeichnen sich durch ihren eingängigen 4/4-Takt aus, der in den meisten Fällen von sogenannten Drumcomputern erzeugt wird. Dieser Bass-Rhythmus, auch "Four-to-the-Floor" genannt, ist heute weltweit aus den Clubs nicht mehr wegzudenken. House kann problemlos als Vorreiter aller anderen elektronischen Stilrichtungen bezeichnet werden. Der Name des Genres entstammt dem ersten Club, in dem diese Art von Musik gespielt wurde: Dem Warehouse in Chicago.

 Der DJ Frankie Knuckles, auch als "Godfather of House" bekannt, mixte damals die auf Rhythmus konzentrierten Instrumentalpassagen bekannter Disco-Tracks ineinander und legte damit den Grundstein für die Erfolgsgeschichte der Electronica. Die Ur-Form des heutigen House wird deshalb auch als Chicago House bezeichnet. Obwohl House-Musik heute auf der ganzen Welt populär geworden ist und eine Reihe weiterer Genres inspiriert hat, ist es für die Geschichte des Genres von großer Bedeutung, dass Schwarze Musiker den Stil begründeten. 

Die Entstehung des Techno in Detroit: Popularität in Deutschland steigt 

Techno als eigenständige Musikrichtung entwickelte sich Ende der 1980er Jahre durch die Zusammenführung verschiedener anderer Stile der elektronischen Tanzmusik. Als Basis dient der Grundrhythmus der House-Musik, weshalb man das Genre zu Beginn auch noch als Techno House bezeichnete. Grund für die Namenswahl sind die meist industriell oder metallisch wirkenden Klangfarben des Techno, bei dem klassische Harmonielehre außerdem in den Hintergrund rückt. 

Während der Grundstein des heutigen Techno von Pionieren wie Derrick May zweifellos in Detroit gelegt wurde, gewann der progressive Musikstil auch in Deutschland - nicht zuletzt durch Vorreiter der elektronischen Musik wie Kraftwerk - an Bedeutung. Insbesondere Berlin und Frankfurt mit Clubs wie dem Tresor, dem E-Werk oder dem Dorian Gray waren hierbei Anlaufstellen für Liebhaber der dröhnenden Bässe. Da das Wort "Techno" in Deutschland zu Beginn der 1990er Jahre meist mit anderen Bedeutungen in Verbindung gebracht wurde, setzte sich hier zunächst die Schreibweise Tekkno durch, die nach einigen Jahren jedoch nach und nach wieder verschwand und heute nur noch selten genutzt wird. 

Die Technokultur: Raves, Freiheit und Ekstase 

Während andere Musikgenres meist mit Superstars der Szene aufwarten können, die sich ohne Bodyguards kaum in der Öffentlichkeit zeigen, zeichnen sich House- und Techno-DJs eher durch Bescheidenheit aus. Zwar gibt es nicht wenige Turntable-Experten, die weltweit bekannt sind und Massen in die einschlägigen Etablissements locken, jedoch ist es nicht unüblich, dass der DJ sich nach seinem Set selbst noch unter die Tanzwütigen mischt. 

Diese Art von entspannten, freiheitsliebenden Partys sind das Markenzeichen der elektronischen Tanzmusik. "Alles kann, nichts muss" könnte das Lebensmotto der Raver sein, deren Partys oftmals nonstop ein ganzes Wochenende lang stattfinden. Wie bei kaum einer anderen musikalischen Stilrichtung entwickelte sich um House- und Technomusik eine eigene Jugendkultur, die untrennbar mit extremer Ekstase verbunden scheint. Party-Drogen wie Ecstasy oder Kokain spielten seit jeher eine Rolle in der Technoszene und brachten ihr zeitweise einen ziemlich schlechten Ruf ein. 

Auch kleidungstechnisch versuchten sich Raver immer wieder vom Mainstream abzugrenzen: Die Schutzanzüge und Warnwesten der frühen Stunden wurden später immer mehr durch Science Fiction-inspirierte Plastikästhetik ersetzt. Auch Sportkleidung erfreut sich in der Elektroszene immer noch großer Beliebtheit. Die fehlenden Texte der House- und Technomusik sorgten in der Vergangenheit oft dafür, dass dem Genre unterstellt wurde, für eine Jugendkultur enorm wenig politisches Engagement zu zeigen. Die Raver der ersten Stunde würden dem wohl widersprechen: Zwar verbreitet elektronische Musik keine direkte Message durch Liedtexte, illegale Raves und nächtelange Partys wurden von ihren Besuchern jedoch meist als Statement für Freiheit und friedliches Miteinander interpretiert.

Die Technoszene in Deutschland und ihre Pioniere

Zwar sind die Vorreiter der House- und Technobewegung wohl kaum so berühmt wie ihre Zeitgenossen aus anderen Genres, doch auch in Deutschland gibt es einige Namen, die dem durchschnittlichen Musikliebhaber bekannt vorkommen dürften. Allen voran ist da sicherlich Paul van Dyk zu nennen, der als Musikproduzent und DJ heute weltweite Bekanntheit erlangt hat. Van Dyk, der in Ost-Berlin aufwuchs und sich seit dem Mauerfall an den Turntables versuchte, spielte damals im neu gegründeten Techno-Club Tresor. 1998 schaffte der Musiker mit seinem Track 'For an Angel' den internationalen Durchbruch: Ganze vier Wochen lang blieb van Dyk mit seinem Song an der Spitze der deutschen Dance-Charts. Auch heute noch steht er regelmäßig hinterm DJ-Pult

Neben Paul van Dyk ist jedem deutschen Techno-Liebhaber außerdem der Name WestBam bekannt. WestBam, der mit bürgerlichem Namen Maximilian Lenz heißt und in Münster geboren wurde, zog 1984 nach West-Berlin, wo er seine DJ-Karriere ausbaute. Neben zahlreichen Veröffentlichungen, die es teilweise auch in die Mainstream-Charts schafften, ist WestBam vor allen Dingen für seine Mitwirkung an der Entstehung der Mayday bekannt. Der seit Anfang der Neunziger stattfindende Rave ist über die Jahre zu einer Institution der Technoszene geworden und war stilbegründend für die Organisation entsprechender Großveranstaltungen. 

Matthias Roeingh, besser bekannt als Dr. Motte ist ebenfalls durch die Kreation eines Riesen-Raves weltweit bekannt geworden: Der DJ und Musikproduzent kümmerte sich jahrelang um die Organisation der Loveparade, bevor diese aus der Hauptstadt ins Ruhrgebiet verlegt und nach der Loveparade-Katastrophe in Duisburg 2010 endgültig eingestellt wurde. Dr. Motte war bereits seit 1985 als DJ aktiv, bevor er das Event 1989 als Demonstration für Liebe und Frieden ins Leben rief. Bekannt wurde er vor allen Dingen durch seine Ansprachen bei der Abschlusskundgebung der Loveparade an der Berliner Siegessäule, wo er die Teilnehmer stets auf die politische Natur des Raves hinwies. 

House und Techno: Von der Underground-Jugendkultur zur Kommerzialisierung 

Über die Jahre musste sich auch die House- und Technobewegung der Kommerzialisierung geschlagen geben. Die wachsende Popularität der Szene ließ die Besucherzahlen steigen und die Veranstaltungen mehr und mehr und die Hände von Großinvestoren wandern. Die Loveparade kann dabei als Paradebeispiel aufgeführt werden: Entstanden als politische Demonstration für ein respektvolles Miteinander, scheiterte sie am Ende womöglich an der Fehlplanung profitorientierter Organisatoren. Weltweit sind House und Techno mehr oder weniger zum Standard-Genre größerer Clubs geworden. Trotzdem gibt es immer noch Teile der Szene, die versuchen, die politischen und kapitalismuskritischen Wurzeln der frühen Raves aufrecht zu erhalten: Festivals wie die Fusion in Lärz oder das amerikanische Burning Man sind dafür ein Beispiel. 

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