Legal und offiziell

Niederländisches Konzert-Experiment macht Hoffnung: Show in Amsterdam trotz Pandemie

Eine Person in Corona-Schutzanzug steht vor zahlreichen Konzertzuschauern, daneben ein Bild von Amsterdam (Fotomontage)
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Im Amsterdamer Ziggo Dome fand kürzlich ganz offiziell ein Konzert statt, bei dem getestet werden sollte, wie und ob man auch in Pandemie-Zeiten Live-Shows ausrichten könnte (Fotomontage)

Sind Konzerte trotz der Corona-Pandemie möglich? Ja, heißt es jetzt aus den Niederlanden. Dort feilt man an einem Konzept, das die Veranstaltungsbranche retten könnte.

Amsterdam - Seit rund einem Jahr ist es europaweit still in den kleinen Clubs und großen Konzerthallen, wo normalerweise Abend für Abend zahlreiche Fans dicht gedrängt zu Live-Musik feiern. Doch die Corona-Pandemie legte die Veranstaltungsbranche komplett lahm: Erst kürzlich mussten Rammstein ihre Tour erneut um ein Jahr verschieben (extratipp.com berichtete), der Festival-Sommer droht einmal mehr auszufallen (extratipp.com berichtete) und der Chef des Wacken Open Air fürchtet eine „Katastrophe“, sollte das Metal-Festival nicht stattfinden können (extratipp.com berichtete). In den Niederlanden tüftelt man indes an einem neuen Konzept, dass Konzerte trotz Corona möglich machen könnte. Im Ziggo Dome in Amsterdam durften 1300 Fans - ganz legal und offiziell - einer Show von Folk-Sänger André Hazes junior (27) beiwohnen - zu wissenschaftlichen Zwecken!

Im Ziggo Dome in Amsterdam gastierten schon Branchengrößen wie Elton John, Rod Stewart oder Queen (hier: Frontmann Adam Lambert) - nun wurde in der Veranstaltungsstätte getestet, wie Konzerte während der Corona-Pandemie funktionieren könnten

Konzerte trotz Corona-Pandemie? Experiment in Amsterdam soll es möglich machen

Auch in den Niederlanden wütete die Corona-Pandemie teils unaufhaltsam (1,25 Millionen Fälle insgesamt; Stand: 29. März 2021) und brachte das Alltagsleben beinahe komplett zum Erliegen. Doch rund 1300 Konzertbesucher durften den Trubel um das Virus kürzlich für ein paar Stunden vergessen: Alle Anwesenden wurden nicht mehr als 48 Stunden vor dem Event auf Corona getestet, müssen am Eingang einen negativen Test vorweisen. Dafür bekommen sie dort einen Sensor, der ihre Bewegungen und die Kontakte vor Ort nachverfolgen und analysieren soll. Drinnen wartet das Vergnügen: Es darf getanzt und Bier getrunken werden, die Stimmung ist ausgelassen - doch selbstverständlich gibt es auch Einschränkungen!

Die Gäste wurden vorab in Grüppchen - sogenannte ‚Bubbles‘ - eingeteilt. Je nach Zuteilung dürfen sie sich nur an einem bestimmten Ort aufhalten. Zudem hat jede Gruppe eine eigene Bar, eigene Toiletten und einen eigenen Eingang. Der niederländische Rock- und Popstar André Hazes junior steht an dem Abend, an welchem wie vor der Pandemie gefeiert werden darf, auf der Bühne, wird lautstark bejubelt. Die Initiative Fieldlab Events hat zu dem Konzert geladen, möchte mittelfristig Corona-taugliche Veranstaltungen anbieten, um so die angeschlagene Veranstaltungsbranche zu retten. „Es war einfach nur legendär, wieder in einer Konzerthalle zu sein. Vor der Pandemie besuchte ich drei Konzerte pro Woche“, erklärt eine Besucherin dem US-amerikanischen Fernsehsender CNN. Schirmherr des Experiments ist der niederländische Chef-Epidemiologe Andreas Voss (50).

Für die Initiatoren gab es bereits Lob von ganz oben: Gesundheitsminister Hugo de Jonge (43) nannte die Ergebnisse der Fieldlab-Reihe „sehr ermutigend“. Die Regierung unterstützt das ambitionierte Vorhaben. Bereits acht Veranstaltungen dieser Art haben im vergangenen Monat stattgefunden. Sie könnten als Grundlage dafür dienen, dass die Menschen nicht nur zu Konzerten, sondern auch wieder in Fußballstadien oder ins Theater gehen könnten. Ein finales Resultat der Studie liegt noch nicht vor, de Jonge sprach jedoch bereits von „vielversprechenden Ergebnissen“. Allerdings lief nicht alles so, wie ursprünglich geplant.

Konzerte trotz Corona-Pandemie? Niederländischer Versuch sorgt für Aufsehen - nicht alles klappt

Manche Konzertbesucher fühlten sich während der Show wohl ein wenig zu sehr in die Zeit vor der Corona-Pandemie versetzt: Nach ein paar Bier nahmen einige ihre Masken ab oder verließen die ihnen zugewiesenen Bereiche. Geplant war das nicht, doch die Initiatoren sahen in den Verstößen auch eine Chance, derartiges Verhalten genauer zu untersuchen, schließlich sei immer damit zu rechnen, dass jemand Regeln missachtet. Übrigens galten je nach ‚Bubble‘ unterschiedliche Vorschriften: Manche Gruppen mussten keine Maske tragen und hatten freien Zugang zur Bar, während andere angewiesen wurden, stets anderthalb Meter Abstand zueinander zu halten. Das Konzept hinter dem Amsterdamer Experiment ist vielversprechend und könnte, wenn sich die Pandemie noch weiter hinzieht, einer ganzen Branche und ihren Fans etwas zurückgeben, das lange verloren geglaubt war: Hoffnung!

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