Seit 1982 rocken sie die Nation

Die Toten Hosen: Alle Informationen zu den Düsseldorfer Punkrockern um Frontmann Campino

Allerspätestens seit der Europameisterschafts-Hymne „Tage wie diese“ kennt sie die ganze Nation: Die Toten Hosen zählen zu den wichtigsten Rockbands der Bundesrepublik. Frontmann Campino und seine Punkrocker starteten ihre Band Anfang der 1980er - der Rest ist deutsche Musikgeschichte.

Düsseldorf - Die Toten Hosen sind - sieht man einmal von den Ärzten und den Böhsen Onkelz ab - wohl die bedeutendste Rockband der Bundesrepublik. Insbesondere Frontmann Campino (58) zählt inzwischen auch abseits der Musik zu den gefragtesten Persönlichkeiten des Landes. Doch wie wurden die Düsseldorfer Punkrocker eigentlich derart erfolgreich?

Seit 1982 rocken Die Toten Hosen die Bundesrepublik - mit bahnbrechendem Erfolg (Archivbild)

Die Toten Hosen: Anfänge und erste Erfolge

Bereits 1978 gründete Campino, der schon früh in der aufkeimenden Punkszene verwurzelt war, die Band ZK. Aus dieser gingen - nach einigen Besetzungswechseln - 1982 schließlich Die Toten Hosen hervor. Dreh- und Angelpunkt der damaligen Bewegung war der Ratinger Hof, eine Kunstkneipe in der Düsseldorfer Altstadt. Die Band hatte keine Zeit zu verlieren: Bereits im selben Jahr gründete man ein eigenes Label, veröffentlichte darüber erste Singles und ging auf Tour.

Mit ihrem Trinklied „Eisgekühlter Bommerlunder“ landeten Die Toten Hosen ihren ersten Hit. Ihr Debütalbum „Opel-Gang“ erschien 1983 und sicherte den Düsseldorfern schnell einen Plattenvertrag bei dem Major-Label EMI. Doch die Zusammenarbeit hielt nicht lange: 1984 kam es zum Streit zwischen beiden Parteien, da die Band extrem hohe Reisekosten verursacht hatte. Zudem hatte sich der Berliner Sänger Norbert Hähnel im Vorprogramm der Band über Schlagerstar Heino - ebenfalls bei EMI - echauffiert. Man wechselte zu Virgin Records, konnte die Streitigkeiten jedoch nicht beilegen.

Ab Mitte der 1980er gelang es den Toten Hosen, ihren Bekanntheitsgrad kontinuierlich zu steigern: Man gastierte in Fernsehshows, spielte vereinzelt Shows im Ausland und landete mit dem vierten Album „Never Mind The Hosen - Here‘s Die Roten Rosen“ zum ersten Mal in den deutschen Albumcharts (Platz 21). Mit „Ein kleines bisschen Horrorschau“, einem Konzeptalbum zu Anthony Burgess‘ Roman „A Clockwork Orange“ und Stanley Kubricks gleichnamiger Verfilmung, gelang der Band schließlich der kommerzielle Durchbruch.

Die Toten Hosen: Durchbruch und Chartstürmer

Der wachsende Erfolg der Toten Hosen führte dazu, dass der Band national wie international zunehmend Beachtung geschenkt wurde. Die Punkrocker hatten sich etabliert, zogen zu ihren restlos ausverkauften Shows nun zehntausende von Fans an und positionierten sich mit dem Doppelalbum „Auf dem Kreuzzug ins Glück“ auf dem ersten Platz der deutschen Albumcharts. Als Belohnung wartete die Platinschallplatte für 500.000 verkaufte Einheiten.

Ab diesem Zeitpunkt ging es für die Toten Hosen steil bergauf: Das 1993 erschienene Album „Kauf mich!“ war nicht nur ein kommerzieller Erfolg, sondern unterstrich auch das Engagement der Band, die sich nun vermehrt offen und lautstark gegen Rechtsextremismus einsetzte. Ganz oben angekommen, nutzten Campino und seine Punkrocker ihre Ressourcen, um die Vermarktung ihrer Musik selbst in die Hand zu nehmen.

1996 konnten Die Toten Hosen weitere Rekorde brechen: Mit „Zehn kleine Jägermeister“ vom Album „Opium fürs Volk“ landete man erstmals auf Platz eins der deutschen Singlecharts. Das Erfolgsrezept der Düsseldorfer hing eng mit ihrer vorbildlichen Arbeitsmoral zusammen: Die Band tourte regelmäßig und mit großem Erfolg. Als 1997 jedoch ein 16-jähriges Mädchen beim Jubiläumskonzert im Rheinstadion ums Leben kam, zog sich die Band - geschockt von dem schrecklichen Vorfall - für das restliche Jahr zurück.

Die Toten Hosen: Jahrtausendwende und Legendenstatus

Auch nach der Jahrtausendwende tourten Die Toten Hosen quer um die Welt - mit bahnbrechendem Erfolg: 2002 sahen insgesamt mehr als eine halbe Millionen Zuschauer die Band live. Ihre Alben, darunter das auch das 2002 erschienene „Auswärtsspiel“ und der Nachfolger „Zurück zum Glück“ von 2004 wurden regelrechte Selbstläufer und positionierten sich stets an der Spitze der Albumcharts.

Die Düsseldorfer Punkrocker erarbeiteten sich live einen exzellenten Ruf und galten - vor allem dank ihres beachtlichen, nicht enden wollenden Erfolgs - als Aushängeschild der deutschen Rockszene. Doch ihr 2012 veröffentlichtes Studioalbum „Ballast der Republik“ sprengte noch einmal alle Rekorde: Die Platte, auf der sich unter anderem die unvergessliche EM-Hymne „Tage wie diese“ findet (Platz eins in den Singlecharts), erhielt neun goldene Schallplatten - selbst Die Toten Hosen dürften von dieser Leistung überrascht gewesen sein.

Ihr bis dato letztes Album „Laune der Natur“ veröffentlichten die Düsseldorfer am 5. Mai 2017. Auch im Rahmen dieser Veröffentlichung kam es zu einem weiteren Meilenstein in der Bandhistorie: Am 21. April 2018 spielten Die Toten Hosen ihr erstes Konzert in der Volksrepublik China - leider nicht vollkommen unzensiert. Ihr Livealbum „Alles ohne Strom“, das Mitschnitte zweier Akustikkonzerte aus der Düsseldorfer Tonhalle enthält, wurde im Oktober 2019 veröffentlicht.

Die Toten Hosen: Die aktuelle Besetzung im Überblick

  • Gesang: Campino (bürgerlich: Andreas Frege)
  • E-Gitarre: Andreas von Holst (genannt: Knuddel)
  • E-Gitarre: Michael Breitkopf (genannt: Breiti)
  • E-Bass: Andreas Meurer (genannt: Andi)
  • Schlagzeug: Vom Ritchie (bürgerlich: Stephen George Ritchie)

Die Toten Hosen: Frontmann Campino im Fokus

Campino, der mit bürgerlichem Namen Andreas Frege heißt, wurde am 22. Juni 1962 in Düsseldorf geboren. Der Sänger und Songwriter der Toten Hosen gilt als Sprecher und Gesicht der Band. Durch Einladungen zu zahlreichen Talkshows und anderen TV-Sendungen steigerte der Vater eines Sohnes seinen Bekanntheitsgrad immens - diesem Umstand verdankt er auch seine heute noch sehr hohe Medienpräsenz.

Doch auch abseits der Musik ist Campino sehr erfolgreich: Als Journalist interviewte er unter anderem 1993 Beatles-Legende Paul McCartney, 1994 die damalige Jugendministerin Angela Merkel und 2001 The Clash-Gründer und Punk-Urgestein Joe Strummer. Darüber hinaus war er in mehreren TV- und Theaterproduktionen als Schauspieler zu sehen, darunter als Mackie Messer in Bertolt Brechts „Dreigroschenoper“ (Berliner Admiralspalast) oder in Wim Wenders‘ „Palermo Shooting“, das bei den 61. Filmfestspielen in Cannes seine Premiere feierte.

Seit 2019 besitzt Campino nebend er deutschen auch die britische Staatsbürgerschaft, da seine inzwischen verstorbene Mutter gebürtige Engländerin war. Der Sänger setzt sich öffentlich für die Darmkrebsvorsorge ein, da er beide Elternteile an diese schwere Krankheit verloren hat. Zudem macht sich der leidenschaftliche Fußballfan gegen Rassismus und Rechtsextremismus stark.

Die Toten Hosen: Das Verhältnis zu ihrer Heimatstadt Düsseldorf

Die Toten Hosen und ihre Heimatstadt Düsseldorf verbindet eine innige Liebe: Die Band unterstützt heimische Sportvereine, darunter den finanziell angeschlagenen Eishockeyclub Düsseldorfer EG und den Fußball-Zweitligisten Fortuna Düsseldorf. Diesem bezahlten die Punkrocker 1989 sogar die Ablösesumme von 200.000 DM, um so den ghanaischen Verteidiger Anthony Baffoe zur Fortuna zu lotsen. Kurz nach der Jahrtausendwende halfen sie dem Club zudem, einen finanziellen Engpass zu überwinden.

Zudem nahmen die Campino und seine Mitstreiter mehrfach mit einem eigenen Wagen am Düsseldorfer Karnevalsumzug teil. Besonders kurios: Die Band hat sich bereits darum gekümmert, auch nach ihrem Ableben für immer in Düsseldorf bleiben zu können. Hierfür mietete man auf dem Südfriedhof eine Grabstätte für sich und die engsten Freunde der Toten Hosen an.

Die Toten Hosen: Ihre Studioalben im Überblick

AlbumtitelErscheinungsjahrHöchste Chartplatzierung (Deutschland)Auszeichnung
Opel-Gang1983/1x Gold
Unter falscher Flagge1984/1x Gold
Damenwahl1986/1x Gold
Never Mind The Hosen - Here's Die Roten Rosen1987211x Gold
Ein kleines bisschen Horrorschau19887 (1988) bzw. 3 (2018)3x Gold
Auf dem Kreuzzug ins Glück19901 (1990) bzw. 4 (2020)1x Platin
Learning English Lesson One1991141x Gold
Kauf mich!199313x Gold
Opium fürs Volk19961 (1996) bzw. 13 (2016)2x Platin
Wir warten auf's Christkind199841x Platin
Unsterblich199912x Platin
Auswärtsspiel200213x Gold
Zurück zum Glück200413x Gold
In aller Stille200813x Gold
Ballast der Republik201219x Gold
Laune der Natur201712x Platin

Info über den Autor

Jonas Erbas, Volontär bei extratipp.com, schreibt über Themen aus den Bereichen TV, Stars, Schlager und die Welt der Musik. Egal ob Metal, Rock, Pop oder Hip-Hop – Jonas kennt und liebt die Welt der Musik. Mehr Infos zur Redaktion und dem Team von extratipp.com gibt es hier.

Rubriklistenbild: © David Young/dpa/picture alliance

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