Meinungsfreiheit oder Rassismus?

Die Toten Hosen: Campino platzt bei Markus Lanz der Kragen - Wortgefecht mit FDP-Vize Wolfgang Kubicki

Skandal bei Markus Lanz? In der ZDF-Sendung kritisierte Tote Hosen-Sänger Campino den amtierenden FDP-Vize Wolfgang Kubicki scharf, nachdem der die Verwendung des Wortes „Mohr“ verteidigte - eine fragwürdige Haltung?

Hamburg - Zeiten, wie wir sie derzeit durchleben, bieten jede Menge hochexplosiven Diskussionsstoff. Klar, dass es am Dienstag (6. Oktober 2020) auch bei Fernsehmoderator Markus Lanz (51) und seiner gleichnamigen ZDF-Sendung heiß herging: Mit Spiegel-Redakteurin Susanne Beyer (51), FDP-Vize Wolfgang Kubicki (68) und Tote Hosen-Frontmann Campino (58) durften drei äußerst unterschiedliche, aber dennoch absolut hochkarätige Gäste im Studio Platz nehmen. Doch zwischen dem 68-jährigen Politiker und dem beliebten Rock-Sänger kam es zu einer massiven Meinungsverschiedenheit - im Lauf der Debatte tappte ausgerechnet der amtierende Bundestagsvizepräsident dann noch in ein gewaltiges Fettnäpfchen.

Zwischen FDP-Politiker Wolfgang Kubicki (l.) und Die Toten Hosen-Sänger Campino kam es im Laufe der Sendung zu einer Meinungsverschiedenheit

Die Toten Hosen: Campino konfrontiert Wolfgang Kubicki bei Markus Lanz

Zu Beginn der Sendung drehte sich alles um den aktuellen Gesundheitszustand des mit dem Coronavirus infizierten US-Präsidenten Donald Trump. Elmar Theveßen, Leiter des ZDF-Studios in Washington, war live zugeschaltet und informierte über die derzeitige Lage in den USA - gewissermaßen die Ruhe vor dem Sturm, denn unter den Studiogästen herrschte (noch!) Einigkeit über den „Wahnsinnigen“, wie Die Toten Hosen-Sänger Campino den mächtigsten Mann der Welt nannte. Doch die Harmonie war nur von kurzer Dauer.

Im Gespräch mit Gastgeber Markus Lanz echauffierte sich FDP-Vize Wolfgang Kubicki über die Debattenkultur innerhalb der Bundesrepublik - die behindere inzwischen die Meinungsfreiheit: „(...) Es ist naiv zu glauben, dass wir Rassismus dadurch bekämpfen, indem wir Begrifflichkeiten verändern.“ Im Zentrum dieser Argumentation stand sein Buch „Meinungsunfreiheit“, in welchem der 68-Jährige auch Bezug auf die anhaltende Diskussion über den Umgang mit bestimmten Worten innerhalb der deutschen Sprache nimmt. „Es macht für einen Rassisten keinen Unterschied, ob er abwertend ‚Du Neger‘ sagt oder ‚Du POC‘. Die Abwertung bleibt“, so Kubicki. Der positiv konnotierte Begriff „POC“ bezeichnet vor allem im englischen Sprachgebrauch nicht-weiße Personen. An dieser Erklärung störte sich Campino jedoch.

Die Toten Hosen: Campino und Wolfgang Kubicki uneinig - Streitfall: „Negerkuss“

Denn der langjährige FDP-Politiker behauptete, nicht der Begriff selbst, sondern vielmehr der Mensch, der diesen verwende, sei rassistisch. Campino widersprach entschieden: „Man muss erstmal verstehen, dass sich die Sprache und Wörter entwickeln - auch Begriffe!“ Man könne nicht sagen, bestimmte Begriffe seien „in Ordnung“, nur weil man diese „vor 20 Jahren“ im Alltag verwendet habe. Der Musiker rief dazu auf, sich über eigentlich feststehende Begriffe mehr Gedanken zu machen. Als Beispiel führte er die „Mohrenstraße“ in Berlin an, deren kontroverser Name seit Längerem die Gemüter erhitzt.

Zwischenzeitlich mischte sich auch Journalistin Susanne Beyer ein und forderte, derartige Diskussionen nicht als „moralisierend“ oder „Zensur“ abzustempeln. Kubicki erachtete es hingegen als „Anmaßung“, Menschen vorzugeben, „was richtig (...) und was falsch gesagt werden“ könne. Campinos Geduld schien am Ende: „Nur weil eine Person der anderen sagt, das Wort ‚Neger‘ wird nicht mehr benutzt (...), weil es Leute verletzt, macht er sich nicht zur besseren Person.“ Es gehe gar nicht primär um Rassismus, so der Tote Hosen-Frontmann weiter, sondern darum, dass viele Leute sich über dieses Thema bisher „keine Gedanken“ gemacht hätten.

Schließlich driftete die Diskussion in eine unschöne Richtung ab - vor allem, weil FDP-Mann Kubicki seine Worte nicht mehr mit Bedacht wählte: „Ich habe den Begriff ‚Neger‘ nie gebraucht, (...) ich habe den Begriff ‚Negerkuss‘ gebraucht.“ Somit verteidigte der Politiker die Nutzung eins höchst umstrittenen Wortes - mit dem Hintergrund, dass er den Begriff nie in Verbindung mit Menschen anderer Hautfarbe sah. „Man kann doch auch sagen, ich möchte so ein Schokoteil haben“, warf Campino genervt ein. Doch Kubicki beharrte auf seiner Meinung. Schließlich musste wieder einmal Moderator Markus Lanz schlichten: „Ihr Buch ist deutlicher intelligenter und schlauer als der Streit um die Frage, ob man diesen Begriff benutzen sollte. Das ist doch ein Begriff - da haben wir inzwischen alle kapiert: Den benutzt man einfach nicht.“ Recht so, Herr Lanz!

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Rubriklistenbild: © Ursula Düren/Paul Zinken/Michael Kappeler/Bern März/dpa/picture alliance

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