Clevere Wortspiele und unterschwellige Kritik

Die Ärzte: Die besten Zitate der Punkband um Farin Urlaub, Bela B und Rodrigo González

Seit knapp vier Jahrzehnten mischen Die Ärzte nun schon die deutsche Musikszene auf. Das Berliner Trio war lange Zeit für das lose Mundwerk von Farin Urlaub und Bela B bekannt, die immer wieder mit viel Wortwitz und geschickter Rhetorik unterhielten. Die besten Zitate der Punkband jetzt im Überblick.

  • Seit 1982 sorgen Die Ärzte mit einer kurzen Unterbrechung für beliebte Hits, die das ganze Land kennt
  • Farin Urlaub, Bela B und Rodrigo González äußern sich privat und in ihren Texten zu vielen Themen
  • Besonders der Humor hat das Trio beliebt und bekannt gemacht - kam jedoch nicht immer gut an

Berlin - Bereits während ihrer Anfangstage sorgten sie für einen handfesten Skandal: Die Ärzte, die selbsternannte beste Band der Welt, sprachen schon immer das aus, was sie dachten. Das gefiel nicht jedem - vor allem die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien beäugte die Rocker aus der Hauptstadt misstrauisch, indizierte sogar zwei Studioalben des Trios. Doch für Fans haben die Sprüche und Texte der Berliner schon lange Kultstatus erreicht.

Bela B (l.) und Farin Urlaub (r.) bei einem Auftritt in Dortmund (Archivbild)

Die Ärzte: Smarte Sprüche und pointierte Kritik

Wer tatsächlich glaubt, Die Ärzte würden mit ihren humorvollen, von scharfzüngiger Ironie durchzogenen Texte lediglich unterhalten oder provozieren wollen, hat weit gefehlt. Die Berliner packen sozial- und gesellschaftskritische Themen in zunächst harmlos wirkende Texte, zeigen somit jedoch gezielt Missstände und Probleme des Alltags auf - und liefern aus musikalischer Sicht noch dazu jede Menge kantiger Kracher und unvergesslicher Ohrwürmer.

Doch auch in Interviews halten sich Farin Urlaub, Bela B und Rodrigo González nur selten zurück. Das mussten selbst gestandene TV-Größen wie „Wer wird Millionär“-Moderator Günther Jauch am eigenen Leib erfahren, als er die Band 1987 im Münchner Alabama interviewte. Doch genau wegen solcher Momente lieben die Ärzte-Fans das sympathische Trio.

Die Ärzte: Kultige Sprüche in Interviews

„BHs, Slips und Dinge, die sie im Moshpit finden, wie Schuhe, Mützen, Rucksäcke. Wir geben fast alles immer brav zurück … Die BHs auch persönlich.“ - Bela B darüber, was während einer Ärzte-Show so alles auf die Bühne fliegt (Interview mit Rolling Stone vom 24. April 2012).

„Es ist unser missratenes Kind“ - Farin Urlaub über „Männer sind Schweine“, nachdem der Song zum beliebten Hit am Ballermann und auf dem Oktoberfest wurde (Interview im Berliner Stadtmagazin Zitty vom November 2008).

„Wir wollten, dass auch mal gute Musik in den Streamingportalen läuft, und da sich das Hörverhalten unserer jüngeren Zuhörer in den vergangenen acht Jahren erheblich geändert hat – sie kaufen keine physischen Tonträger mehr, geschweige denn gehen sie in einen Plattenladen – sahen wir uns zu diesem Schritt genötigt.“ - Rodrigo González auf die Frage, warum Die Ärzte trotz anfänglicher Kritik an Spotify ihre Songs nun doch streamen (Interview mit Musikexpress vom 21. November 2018)

„Genau, und so sehr ich mich über Leute ärgere, die sich umsonst Musik aus dem Internet laden, ist das eigentlich die umweltfreundlichste Art.“ - Farin Urlaub über die Rohstoffnutzung zur Herstellung von CDs und Vinyls (Interview mit OX-Fanzine zu ihrem 2007 erschienen Album „Jazz ist anders“).

„Wenn wir daran teilnehmen würden, entwerteten wir unsere Kunst.“ - Rodrigo González auf die Bedeutung des Prominentenstatus der Band (Interview mit Focus vom 19. November 2013)

„Okay, ich gestehe: Meine Prostata ist verchromt. Erst vergoldet und dann verchromt. Punk ist nur die Idee, die hinter den ‚Ärzten‘ steht. Alles andere machen wir so, wie wir es für richtig halten.“ - Bela B zu den Anschuldigungen der Punkszene, die Band sei zu kommerziell (Interview „Wir sind sympathische Millionäre“ im Stern vom 9. Oktober 2003)

„Dieses Statement musste sein. Das war eine Instinkthandlung und ist bis heute ein wichtiges Lied für uns. Eigentlich unser wichtigster Song. Definitiv.“ - Bela B über die Bedeutung der Anti-Nazi-Hymne „Schrei nach Liebe“ (Interview mit Tonspion vom 13. Dezember 2018).

„Als eheähnliches Verhältnis.“ - Farin Urlaub zu der Frage, wie er die Beziehung zwischen ihm und Bela B bezeichnen würde (Interview mit Prinz.de zu ihrem 2012 erschienenen Album „auch“).

„Wir könnten natürlich in drei Minuten ein Lied zusammenschustern, das morgen auf dem Index steht. Wahrscheinlich sogar schneller. Aber das kennen wir ja schon, warum sollten wir dahin zurückkehren.“ - Farin Urlaub zum Thema Provokation (Interview mit ZEIT online zu ihrem 2007 erschienenen Album „Jazz ist anders“).

„Meine Imageberater sind Farin Urlaub und Rodrigo González.“ - Bela B. auf die Frage, ob Die Ärzte einen Imageberater haben (Interview mit NZZ Folio vom November 2008).

Die Ärzte: Diese Texte sind unvergessen

„Oh, ich hab‘ solche Sehnsucht,
Ich verliere den Verstand,
Ich will wieder an die Nordsee,
Ich will zurück nach Westerland“
(aus „Westerland“ vom Album „Das ist nicht die ganze Wahrheit ...“)

„Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt ist, wie sie ist,
Es wär nur deine Schuld, wenn sie so bleibt“
(aus „Deine Schuld“ vom Album „Geräusch“)

„Lass die Leute reden und hör ihnen nicht zu,
Die meisten Leute haben ja nichts Besseres zu tun,
Lass die Leute reden, bei Tag und auch bei Nacht,
Lass die Leute reden - das haben die immer schon gemacht“
(aus „Lasse redn“ vom Album „Jazz ist anders“)

„Bitte versteht mein Verhalten als Zeichen der Ablehnung,
Mit der ich euch gegenüberstehe,
Bitte versteht mein Verhalten als Zeichen der Ablehnung,
Mit der ich euch gegenüberstehen tu“
(aus „Rebell“ vom Album „13“)

„Ich dachte, ich muss sterben, als sie mich verließ,
Ich dachte, ich muss sterben, als mein Vater mich verstieß,
Und als mein Chef mich raus warf, weil ich faul war, wie es hieß,
Doch zum Sterben geht‘s mir einfach noch nicht mies
Genug, genug ...“
(aus „Ist das alles?“ vom Album „Die Ärzte“)

„Doch eines Tages werd‘ ich mich rächen,
Ich werd‘ die Herzen aller Mädchen brechen,
Dann bin ich ein Star, der in der Zeitung steht,
Und dann tut es dir leid, doch dann ist es zu spät“
(aus „Zu spät“ vom Album „Debil“)

„Bitte geh noch nicht, ich weiß es ist schon spät,
Ich will dir noch was sagen, ich weiß nur nicht, wie es geht,
Bleib noch ein bisschen hier, und schau mich nicht so an,
Weil ich sonst ganz bestimmt überhaupt gar nichts sagen kann“
(aus „Wie es geht“ vom Album „Runter mit den Spendierhosen, Unsichtbarer!“)

„Was haben deine Eltern der Menschheit angetan?
Warum legst du dich nicht unter eine Straßenbahn?
Du bist nicht zu ertragen, du bist so widerlich,
Die Welt könnte so schön sein - ohne dich“
(aus „Ohne dich“ vom Album „Das ist nicht die ganze Wahrheit ...“)

„Deine Gewalt ist nur ein stummer Schrei nach Liebe,
Deine Springerstiefel sehnen sich nach Zärtlichkeit,
Du hast nie gelernt dich zu artikulieren,
Und deine Eltern hatten niemals für dich Zeit,
Oh oh oh, Arschloch“
(aus „Schrei nach Liebe“ vom Album „Die Bestie in Menschengestalt“)

„Immer dann,
Wenn ich dich küssen will,
Lass ich es lieber sein,
Sie spielen überall dasselbe: Falcos neue LP,
Ich hör‘ Madonna und Chris De Burgh,
Nur die Ärzte hör‘ ich nie“
(aus „Radio brennt“ vom Album „Ist das alles?“)

„Hip hip hurra! Alles ist super, alles ist wunderbar,
Hip hip hurra! Alles ist besser, als es gestern war,
Alle sind happy, alle sind glücklich, alle sind froh,
Und überall wo man hinguckt, Liebe und Frieden und so“
(aus „Hurra“ vom Album „Planet Punk“)

„Und immer deine Freunde, ihr nehmt doch alle Drogen - und ständig dieser Lärm,
(Was sollen die Nachbarn sagen?)
Denk an deine Zukunft, denk an deine Eltern,
Willst du, dass wir sterben?“
(aus „Junge“ vom Album „Jazz ist anders“)

„Du tanzt mit mir, die Welt ist schön (die Welt ist schön),
Wenn du mit mir tanzt, könnt es mir gar nicht besser gehn (besser gehn),
Du tanzt mit mir, das Ende naht (das Ende naht),
Wenn du mit mir tanzt, bleibt mir die ganze Misere erspart“
(aus „Ignorama“ vom Album „13“)

„Ich ess‘ Blumen, denn Tiere tun mir leid,
Lieber Akazien statt ‚nen dicken, fetten Schinken,
Ich ess‘ Blumen, Fleisch bringt mir Übelkeit,
Und die Fäkalien tun dann auch nicht mehr so stinken“
(aus „Ich ess‘ Blumen“ vom Album „Das ist nicht die ganze Wahrheit ...)

„Du bist unrockbar, Du weißt nicht, was das für ein Schock war, Meine Freundin ist unrockbar“ (aus „Unrockbar“ vom Album „Geräusch“)

„Oh, die Zeit mit Dir war schön - leider werd‘ ich dich nie sehen, Doch es gibt genügend Mädchen, die auf Schlagzeuger stehen“ (aus „2000 Mädchen“ vom Album „Ist das alles?“)

„Soll es das gewesen sein (wie im Lovesong),
Fällt uns denn keine Lösung ein (wie im Lovesong),
Die Möglichkeit ist viel zu klein (wie im Lovesong),
Doch ich liebe nur dich allein“
(aus „1/2 Lovesong“ vom Album „13“)

Infos über den Autor

Jonas Erbas, Volontär bei extratipp.com, schreibt über Themen aus den Bereichen TV, Stars, Schlager und die Welt der Musik. Egal ob Metal, Rock, Pop oder Hip-Hop – Jonas kennt und liebt die Welt der Musik. Mehr Infos zur Redaktion und dem Team von extratipp.com gibt es hier.

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